Katja Baumgärtner

Auf ewig

Es war an einem angenehm warmen Sommertag, in der Nähe einer Ruine. Dort saß auf einem nicht allzu hohen Baum ein Vogel. Es war kein gewöhnlicher Baum sondern ein kahler Baum, der nur dicke Äste trug, aber keine Ästchen und kein Grün besaß.

Aber nicht nur der Baum sondern auch der Vogel, der auf ihm saß, war etwas Besonderes. Er hatte ein zerrupftes Federkleid, ein Federkleid, welches Vogelbabys tragen nachdem sie erst ein paar Wochen aus ihren Eiern geschlüpft sind. Aber im Gegensatz zu diesen glänzte sein Federkleid im Sonnenlicht. Der Vogel hatte große Knopfaugen, die einen nachdenklich aber auch freudig stimmten. So war das Gefühl, wenn man den Vogel in die Augen sah, unerklärlich. Aber wie auch immer man bei seinem Anblick fühlte, der Vogel war krank, denn er pustete sich auf und hob ein Bein.

Auf einmal schlich von der Seite eine Katze heran, ein kräftige, eine sehr gepflegte. Es war eine Katze, die oft zum Spaß jagte und sich freute, wenn sie endlich wieder einen Vogel erledigt hatte. Das stimmte sie zufrieden. So lief ihr schon das Wasser im Maul zusammen, als sie diesen Braten erspähte, obwohl sie auch diesen Tag keinen besonderen Hunger hatte. Es würde also wieder einmal ganz sinnlos ein Vogel vom Leben Abschied nehmen müssen, nur weil eine Katze ihren Mordsgelüsten freien Lauf ließ. Die Katze lachte und dachte sich: „So etwas bekommt man nicht alle Tage zu fressen, einen so seltsamen Vogel. Kleinigkeiten füllen das Leben aus!

Als sie immer näher kam, fing der Vogel, der wahrscheinlich nicht bemerkte, dass er bald gefressen werde und dem es im Grunde egal war, zu sterben, an zu pfeifen. - Zu pfeifen?. Nein zu zwitschern oder vielleicht zu trällern? Man konnte es nicht genau sagen, was es wirklich war, aber es war ungemein schön, sehr melanchonisch, aber doch irgendwie erwartungsvoll lustig.

Er sang von der Liebe, der Hoffnung. Er hatte, so schien es, Sehnsucht. Vermutlich hatte er viel mitgemacht, wie anders wäre sein zerrupftes Gefieder zu erklären. Aber trotzdem sehnte er die Vergangenheit herbei.

Doch war nicht nur Sehnsucht, sondern auch Glück in seinem Gesang zu hören, ja Glück als würde ihm in diesem Augenblick Glück widerfahren. Man wusste aber nicht, was der Vogel mit diesem Gesang, aus zu drücken versuchte. Man wusste nur das es unheimlich schön war.

Die Katze, die den Vogel fressen wollte und nur noch 50 cm vom Vogel

entfernt war, ließ sanft, anstatt den Vogel mir Gier zu packen, ihre Tatze auf den Boden gleiten und setzte sich neben den Baum. Sie wusste nicht warum, es war einfach um sie geschehen. Die Katze saß eine Weile so da. Später bequemte sie sich und legte sich so nah wie möglich zu den ungewöhnlichen Baum hin. Des Vogels Lied schien die Katze in unerfüllbare Träume zu versetzen. Man konnte meinen, dass sie den Vogel liebte, wie sie noch niemanden zuvor geliebt hatte und dessen ewiger Freund sein wollte. Man wusste es aber nicht. Der Vogel blieb unbewegt an seinem Platz sitzen und sang sein Lied unbekümmert weiter, das jetzt noch schöner klang als vorher.

Nach 4 Stunden war der Vogel gestorben und lag auf dem Boden. Er schlief sanft ein, sein Schnabel war weit aufgerissen. Während seines lieblichen Gesanges, schien er eingeschlummert zu sein – ganz leise denn er war geräuschlos auf den Boden gefallen.

Zwar weinte die Katze nicht, doch sie war sehr traurig über den Verlust, denn sie hatte ein Tier entgegen ihrer Natur liebgewonnen. Sie blieb noch lange bei dem toten Vogel und leckte ihn, bevor sie ging, noch zärtlich ab.

Niemand traute sich den Vogel jemals anzurühren bis er völlig verschwunden war. Nur der seltsame Baum und die Ruine blieben. Auch wenn man seitdem nicht mehr viel von der Katze im Erfahrung brachte, eines schon: Die Begegnung mit dem merkwürdigen Vogel änderte schlagartig das Leben der Katze. Von nun an ging sie sehr einsame Wege und fing nur noch Vögel, wenn es von Nöten war. Man sah die sonst so gesellige Katze nur noch selten.

 

Was sich zwischen der Katze und dem Vogel abgespielt hatte, weiß niemand genau. Es wird ein ewiges Rätsel bleiben. Rätsel machen unsere Welt aber so besonders.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.07.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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