Monika Litschko

Die Kamera - Das vierte Medaillon Teil 5

Als ich ankam, saßen die Floyds beim gemeinsamen Abendbrot. Melanie stocherte lustlos in einem Salat und Ben, der nicht gesprächig war, schien nachzudenken. Iris hingegen belegte sich ein Sandwich und wirkte aufgekratzt. Ab und zu huschte ein Lächeln über ihr Gesicht, welches sie nicht verbergen konnte.
„Wie war euer Tag?“, fragte sie beiläufig.
„Die Spiegel ließen sich wirklich nicht abhängen“, antwortete Ben. „Ich verstehe es nicht.“
„Dad, ich weiß, dass mit den Spiegeln etwas nicht stimmt. Hier stimmt so einiges nicht.“
„Wie meinst du das schon wieder?“, fragte Iris. „Ich sagte dir doch, es sind ganz normale Spiegel. Dreht ihr jetzt alle durch?“
Melanies Augen verdunkelten sich. „Ich denke aber, du weißt wie wir, dass dem nicht so ist. Und da wäre noch etwas. Du hast, doch an meinem Bett gestanden und nach einem Medaillon gefragt. Auch wenn du es abstreitest.“
„Du müsstest das Medaillon deiner Mutter eigentlich haben“, sagte Ben nachdenklich. „Ich habe versprochen, es dir zu geben. Habe ich das nicht getan?“
„Dad, nein, das hast du nicht. Gib es mir irgendwann mal. Ich meine, wenn du es gefunden hast. Aber warum fragte Iris danach? Ist es so wertvoll?“
„Hast du nach dem Medaillon gefragt, Iris?“
„Ben, verdammt nochmal, warum sollte ich. Melli, warum sagst du so etwas? Ich …

Irgendetwas passierte plötzlich mit Iris. Sie griff sich an den Hals, sprang auf und rang nach Luft. Das alles dauerte nur ein paar Sekunden, dann war es vorbei.
„Mein Gott, Iris, was ist passiert?“, fragte Ben und schaute sie bestürzt an. „Hat dich das so aufgeregt? Melli, ich möchte nicht, dass du Iris noch einmal bezichtigst, dass sie dir dein Medaillon wegnehmen will.“
„Dad, das ist aber die Wahrheit.“
„Schluss jetzt. Es ist doch unsinnig, was du sagst. Iris hat jede Menge eigenen Schmuck. Außerdem habe ich dir das Medaillon noch gar nicht gegeben.“
„Es ist gut, Ben“, sagte Iris beschwichtigend. „Melli war auf dem Dachboden, vielleicht hat sie es ja gefunden. Angeblich suchte sie nach dem schwarzen Rucksack, den du ihr letztes Jahr geschenkt hast. Hast du es gefunden, Melanie?“

Ich erschrak und hoffte, dass das Mädchen jetzt wachsam war. Sie durfte es auf keinen Fall zugeben.

„Nein, Iris, habe ich nicht. Denn ich habe nicht danach gesucht. Und ich denke, Dad würde es nicht auf dem Dachboden verstecken. Schließlich ist es ein Andenken an Mom, für mich. Und nun entschuldigt mich, ich gehe auf mein Zimmer.“

Als Ben seiner Tochter kopfschüttelnd hinter sah, drehten sich Iris Augäpfel nach oben, bis nur noch das weiße zu sehen war. Sie stand auf, folgte Melanie bis zur Treppe und vergewisserte sich, dass diese wirklich in ihr Zimmer ging.
„Du hast es, ich spüre es. Deine Schauspielerei wird dir nichts nützen. Heute Nacht hole ich mir das, was mir gehört.“

Mit einem normalen Gesichtsausdruck ging sie wieder zu Ben und setzte sich.
„Ich dachte, wenn ich mal mit ihr rede, versteht sie, was wir meinen. Aber ich denke, wir sollten sie für heute in Ruhe lassen.“
„Das ist lieb von dir“, antwortete Ben. „Aber du hast recht, wir sollten sie in Ruhe lassen. Dieses Schlafwandeln hat sie aus der Bahn geworfen. Sie wird es nicht so meinen. Ich denke, wir zwei werden uns jetzt ein paar Gläschen Wein genehmigen. Ich schaue nach, was in der Flimmerkiste läuft und du folgst mir einfach.“
„Gerne, mein Lieber. Aber erst räume ich den Tisch ab.“

Als Iris hörte, dass der Fernseher lief, rollten ihr Augäpfel wieder nach oben und sie nickte siegessicher. „Sie hat es in ihrer Hosentasche. Du hast verloren Melli und mir sehr viel Arbeit abgenommen.“

Die Zeit brannte mir unter den Nägeln und ich ging nach draußen in den Garten. Hier war der ideale Platz, um nach Senoknanok und Marius zu rufen. Rufen hört sich jetzt sehr dramatisch an, aber sie leben nicht wie wir, denn sie sind stehts an verschiedenen Orten und in anderen Welten. Wegen mir, würden sie diese verlassen müssen. Es kam nicht oft vor, dass jemand von uns ihre Hilfe benötigte, aber jetzt brauchte ich sie. Senoknanok, den großen Hünen, der stehts in einen Lendenschurz gekleidet war, der fast bis zu den Knien ging. Dazu trug er schwarze Lederstiefel, die so schwer waren, dass ein jeder hörte, dass er kam. Sein Kopf war kahl rasiert, bis auf einen schwarzen Zopf, der ihm bis zu Hüfte reichte. Stehts dabei hatte er, einen Beutel mit der ersten Asche vom Anbeginn der Zeit und eine Dämonenpeitsche. Er räumte in den Welten auf und war sehr gefürchtet. Marius, Engel der Zwischenwelten, war ein normal aussehender junger Mann, der Portale verschloss. Nicht, ohne die abtrünnigen Seelen derer zurückzuschicken, die noch nicht fähig waren, die wahre Größe alles Seins zu respektieren und zu achten. Manche würden für immer in den Zwischenwelten leben müssen, da das Böse sie beherrschte und nicht losließ. Ihre Seelen und das Böse, hatten einen Pakt geschlossen, der Ewigkeiten halten sollte.

©Monika Litschko

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.07.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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