Peter Biastoch

Flieg mit mir…

„Flieg mit mir…“ - die Umsetzung einer Bildidee (2020-06-23)

Ich bin ja lange mit dieser Idee schwanger gegangen! Doch manchmal muss eine Vision reifen, ehe man sie in die Realität zwingen kann. Der eigentliche Anstoß kam, als mir bei Netto dieser Blumenstecker, in Form eines blassen Schmetterlings auffiel. Ich investierte also diese 2,49 € und dann suchte ich, in meinem Archiv, ein passendes Hintergrundbild. Es musste eine Landschaft sein, auf die der Betrachter, leicht von oben, herab schaut. Eine Aufnahme von mir auf diesem Schmetterling würde von unten nicht wirklich etwas werden. Zu vieles von mir wäre verdeckt! So fanden sich also zwei Hintergrundfotos.

Eines zeigt einen Blick in den Ochsengrund. Das ist der unterste Ausläufer unsere Dorfes und man fährt anschließend relativ weit nach oben, was einen schönen Blick über das gesamte Tal, mit den drei Orten Langenberg, Falken und Langenchursdorf gewährt. Am Horizont (nicht mit auf dem verwendeten Foto zu sehen) begrenzt die Langenberger Höhe die weitere Sicht. Das zweite Foto entstand bei einem Besuch der Rochlitzer Burg.

Aber, wie würde ich mich, auf dem Tier bewegen? Die Burgmauer der Burg erzwingt einen seitlichen Vorbeiflug. Schließlich will ich ja nicht an diesem Wall zerschellen. Also musste ich mein Fluggerät und natürlich auch mich so fotografieren, dass beides, später im Bild, ein paralleler Vorbeiflug würde. Meine titelgebundene Einladung soll an meinem ausgestreckten Arm zu erkennen sein.

Gleichzeitig machte ich natürlich auch gleich noch einige Aufnahmen für einen „Landeanflug“! Leider geht hierbei meine einladende Geste, mit dem nach vorn gestreckten Arm vor meinem Körper, etwas unter. Ich werde dieses Bild wohl in einer Vergrößerung von mindestens Din A4 drucken müssen, damit diese Einladung deutlicher zu sehen ist. Auf dem Monitor sieht man es natürlich viel besser!

Interessiert es Dich, wie so ein paar einzelne Fotos aussehen müssen, bevor ich sie schließlich zusammenfüge? Alles beginnt mit dem Wetter und der Richtung, aus der auf den Hintergrundbildern die Sonne scheint. Als dann das Wetter mitspielte, und ich nichts anderes dringendes zu erledigen hatte, ging es los.

Also, erst einmal auf den Dachboden gehen und den Koffer mit den Theaterrequisiten durchsuchen, ob etwas Passendes darin zu finden ist. So ein Koffer ist unabdingbar notwendig, für jeden Hobbyfotografen. Ich habe zudem das Glück, dass ich vor einigen Jahren regelmäßig bei der Leihenspielgruppe unserer Glaubensgemeinschaft mitgemischt habe und wie dabei die Requisiten besorgt und gelagert hatten. So etwas entsorgt man ja nicht. Unbedingt den alten Zylinderhut hinzu nehmen! Schließlich von dem alten Bürostuhl die Armstützen und die Rückenlehne abschrauben.

Nun die Kamera aufs Stativ stellen und den Wlan-Sender anstecken, den ich mir ja in Verbindung mit meiner „Dackel-Cam“, zugelegt habe. (Aber das war eine andere Geschichte! Bei e-stories veröffentlicht unter: „Mit Smartphone und Dackel-Cam“) Das Stativ, muss so aufgestellt werden, dass ich mich in der entsprechenden Position zur Sonne und im richtigen „Flugwinkel“ zur Kamera befinde. Die Sonne rechts, seitlich der Kamera – für beide Positionen gleich. Ich einmal der Sonne entgegen und einmal in Richtung Kamera.

Kostümieren und die fliegenden Kostümzipfel in Position bringen. Mit der Wlan-App des Handys die genaue Position kontrollieren, scharf stellen, in Pose gehen und mit der linken Hand den Auslösebutten am Handy betätigen. Das natürlich, zur Sicherheit, fünf bis sieben Mal. Jedes Mal, mit einem leicht veränderten Winkel zur Kamera. Anschließend alles noch einmal, für den „Direktanflug“, indem ich mich mehr zur Kamera drehe.

Damit hatte ich die Aufnahmen von mir im Kasten. Nun hieß es: Schweiß abwischen. Immerhin waren es über 25°C und dieser Umhang aus dickem Stoff! Weiter ging es, mit meinem künftigen Fluggerät. Auch dafür musste die Stellung zur Sonne stimmen. Der Flugwinkel zur Kamera musste stimmen und hinzu kam noch die Flügelstellung, die ich mittels eines Fadens korrigierte. Auch davon machte ich je Flugrichtung so ca.  fünf Bilder. Ein DinA3-Blatt blaues Tonpapier, als Hintergrund benutzte ich, um den Schmetterling anschließend, im Bluescreen-Programm freistellen zu können.

Bluescreen ist eine tolle Methode, für die Bildmontage! Anschließend hat man nur das Insekt und kann selbst durch die Durchbrüche in den Flügeln den Hintergrund der Landaschaft sehen, was natürlich einen wesentlich realeren Eindruck macht!

Nun kam das Aufwändigste – die einzelnen Bilder zu einem zusammen zu basteln. Natürlich musste auch ich mich noch von dem unglaubwürdigen Hintergrund lösen. Ich hatte ja dies Bilder einfach auf unserem Grundstück neben der Garage gemacht. Das gelang mir mit Hilfe des Bearbeitungswerkzeuges: „Pfade“, die ich entlang meines edlen Körpers anlegte.

Es war noch die grüne Sturmklammer zu erkennen, die den Stoff im Flugwind flattern lässt. Vor allem brauchte ich neue Füße, die bei der Aufnahme leider außerhalb des Bildes gelegen hatten. Man hat seine Augen einfach nicht überall! Doch ich fotografiere einfach meine Schuhe noch einmal und füge sie dann unten an. All diese Kleinigkeiten musste ich also nun noch bereinigen.

Margitta war allerdings nicht ganz so begeistert von meiner Tätigkeit. Warum? Weil ich während all der Zeit, die ich mit fotografieren und dem anschließenden bearbeiten der einzelnen Aufnahmen beschäftigt war, nicht viel von meiner Umwelt mitbekam. Wie sagen die Psychologen so schön? „Im Fluss sein.“ Also, alle Sinne auf diese eine Tätigkeit konzentriert, nichts anderes mehr sehen und hören! Wenn mir in dieser Situation Margitta etwas erzählt, oder gar sagt, was ich als nächstes machen müsste, sage ich ihr sogar: „Ja. Das mach ich dann gleich.“ Doch bis dieses „dann“ kommt, weiß ich nichts mehr davon. Man sagt, das wäre ein allgemeines Problem von uns Männern. Aber das ist auch keine wirkliche Entschuldigung!

Noch einmal zurück zur Montage. Nun hatte ich also alle einzelnen Bestandteile freigestellt und konnte sie auf dem „Ebenenstapel“ anordnen und die restlichen Unstimmigkeiten anpassen, so dass der Eindruck entsteht, dass ich wirklich auf diesem Schmetterling sitze und mit ihm über die Landschaft fliege. Um die Illusion komplett zu machen fügte ich noch einen Schatten des Schmetterlings und seines Reiters ein und verzerrte diesen so, dass er sich an das Gefälle der Wiese anpasste. Natürlich musste ich seine Deckkraft reduzieren, damit er nicht knallschwarz und undurchdringlich auf der Wiese liegt!

Jetzt konnte ich die fertige Montage bei Fotocommunity zur Diskussion stellen. Ich gab dem Bild noch den Titel: „Fly with My“ und erst als erklärenden Text schrieb ich deutsch dazu: „Flieg mit mir, auf den Schwingen meiner Fantasie.“ https://www.fotocommunity.de/photo/fly-with-my-peter-biastoch/44025963

Meine zweite Bildvariante – die mit dem Vorbeiflug an der Rochlitzer Burg – bekam den einfachen Titel: „Komm mit…“ Bevor ich es zu Fotokommunity hochlud, kam mir noch eine andere Idee. Was macht eigentlich den Unterschied, ob man mehr, oder weniger Fantasie ins seinem Leben einsetzt? Gerade jetzt, in Zeiten der Corona-Beschränkungen, lese ich oft in den Briefen meiner Brieffreundinnen und –freunde: „Das Leben unter diesen Einschränkungen empfinde ich als trist und grau.“ Gelegentlich hört man diese Aussage auch persönlich.

Wie also kann ich das in meinem Bild darstellen? „Grau“, ja genau, das kann ich nutzen. Zuerst öffnete ich das bis dahin fertige Bild in Gimp. Dann duplizierte ich diese Ebene, wandelte sie mit dem Monomixer in Schwarz/Weiß um und kopierte sie noch ein zweites Mal darüber. So hatte ich jetzt  zwei S/W-Ebenen über der farbigen.

Diese neuen Ebenen versah ich mit je einer Bearbeitungsebene, einen sogenannten Alpha-Kanal und nun konnte ich darauf einen diagonalen Verlauf anbringen. Einmal von schwarz nach weiß und einmal anders herum. Dann ließ ich diese beiden Verläufe zu 100 % mit der farbigen Ebene verrechnen. Das Resultat ist hier (https://www.fotocommunity.de/photo/komm-mit-peter-biastoch/44050422) zu sehen. Vor dem Schmetterling und mir ist alles Grau in Grau. Doch wir bringen mehr und mehr Farbe ins Bild, so dass dort, wo wir schon vorüber geflogen sind, alles wieder freudig bunt ist!

 Mein erklärender Text zu diesem Bild, bei Fotocommunity lautet:

“Fantasie bringt Farbe ins Leben. Besonders in den jetzigen Zeiten von Corona-Beschränkungen ist die eigene Fantasie wichtiger, als alles andere.

Ich lade Euch ein, Euch auf den Schwingen der eigenen Fantasie in eine schönere Welt, eine schönere Zeit, oder was auch immer, zu schwingen. Machen wir Fotos daraus, schreiben wir Gedichte, oder Geschichten, komponieren wir Musik... Alles ist besser, als im Alltagsgrau zu versinken!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.07.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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