Monika Jarju

Glasklar

Wie immer ist es Sonntag, als ich morgens die Fassade des Museums hochklettere und durch ein Fenster eindringe. Das Museum ist geschlossen. Vorerst aber warte ich auf das Öffnen des Archivs. Gelangweilt betrachte ich von meinem Platz am Fenster die Hauswand gegenüber und lese die Werbeschriftzüge. Das Gebäude aus Glas und Beton fügt sich nahtlos in den Straßenzug zwischen die Altbauten ein. Das Museumsgelände kommt mir vor wie eine Kulisse aus einer anderen Zeit. Während ich darüber nachdenke, schließt der Archivar auf. Er erkundigt sich nach meinem Anliegen, dabei mustert er mich unverhohlen und dann das Fenster, durch das ich eingestiegen bin. Ich nehme die Sache sehr ernst. Eigentlich habe ich gar keine Chance, aber ich brauche dringend eine Zeitung von 1976, einen Artikel für meine Familienrecherche. Der Archivar sagt gar nichts dazu. Er wirft mir einen anzüglichen Blick zu, der nicht ganz zur Situation passt. Dann tut er etwas Eigenartiges, er stürzt auf mich zu und nötigt mir einen Kuss auf. Angewidert drehe ich mich weg. Dreist schlägt er vor, das Archiv am Abend gemeinsam zu durchsuchen. Ich fasse es nicht, was bildet der sich ein? In mir bleibt ein ungutes Gefühl von Komplizenschaft ungeheuren Ausmaßes zurück, als ich den Rückzug durch das Fenster, das ich vorsorglich hatte offen stehen lassen, antrete. – Wieder nur ein Traum! Aber letztendlich ist es doch gleich, übrigens spielt der Traum an einem Sonntag. Also nichts wie los, so schnell gebe ich nicht auf!

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