Peter Biastoch

Pionierflugschanze Langenchursdorf

Heute nehme ich Dich mit auf eine weitere Fotosafari, zu einem „Lost Places“. Auch dieser verlorene Ort befindet sich zwischen Langenchursdorf, wo ich lebe und Waldenburg. Wusstest Du, dass unser Wohnort einmal eine eigene Sprungschanze besaß? Es gab eine eigene Sportgemeinschaft „Skispringen“. Natürlich wollte man damals eine eigene Schanze, auf der man möglichst auch im Sommer trainieren könnte.

Nun ja, beim digitalisieren meiner alten Negative fand ich drei Fotos vom ehemaligen Zustand dieser Schanzenanlage. Wie ich diesen Bildern, aus der Zeit um 1970/71 entnehmen konnte, waren es sogar zwei Sprungschanzen, die man an einem Hang nahe Waldenburg gebaut hatte.

Die kleinere von beiden war für die Jüngsten gedacht, um sie für das Skispringen zu begeistern! Leider ist von ihr so gut wie überhaupt nichts mehr vorhanden, wie Du gleich lesen wirst. Über die große Schanze, mit ihrem Anlaufturm und dem Schiedsrichterturm, dachte ich eigentlich immer das gleiche. Aber, weit gefehlt! Am Diensttag, den 16.06.2020 machte ich mich also wieder einmal auf, um diesen verlassenen Ort ausfindig zu machen.

Wo ich zu suchen hatte, wusste ich ja noch. Schließlich vergesse ich selten, von welchem Punkt aus ich einmal ein Foto gemacht habe. Dorthin bin ich also an diesem Diensttag wieder gefahren. Diesmal allerdings direkt auf einer Straße, die sich auf der Talsohle unterhalb der Schanzen durch den Wald schlängelt. Ich fuhr langsam, um immer wieder nach den Resten des Auslaufes ausschau zu halten. Schließlich entdeckte ich eine Schneise im Wald, auf deren Hang sogar noch diese Plastikmatten lagen. Hier konnte ich mein Auto in eine Baumlücke stellen und mich an den Aufstieg machen. Ja, ich wollte ganz da hinauf! Es gab keinen Weg, wohl aber die Spuren anderer Besucher dieser Stätte und so suchte ich mir einen gangbaren Trampelpfad.

Der Hang hat an vielen  Stellen eine Steigung von 45° und mehr! So begeisterte es mich, wie gut ich voran kam. Immerhin war es wieder ein recht warmer, ja schwüler Tag, was ich, mit meinen zwei Stends im Herzen zu beachten hatte. Die einzelnen Bäume stehen locker genug, um bequem hindurch zu kommen. Das Strauchwerk ließ sich leicht beiseite biegen und so musste ich lediglich zwei Mal verschnaufen, ehe ich den ehemaligen Schanzentisch der kleinen Anlage erreichte.

Beinahe hätte ich ihn übersehen! Er geht nahezu völlig im Waldboden unter und man sieht lediglich ein paar frei liegende Ziegelreihen, mit darauf liegenden, schon fast vollständig von Moos überwucherten Sprungmatten. Ich stellte mich auf den Schanzentisch und machte eine Aufnahme von den hervor schauenden Matten, die mit ihrem Hellgrau einen guten Kontrast zum Grün des darauf wachsenden Mooses bilden. Als ich mich wieder bergwärts drehte, fiel mir das Bodenprofil auf, das den ehemaligen Anlauf bildete. So ähnlich hatte ich mir bisher die ganze Anlange vorgestellt und nur aus diesem Grund hatte es mich all die Jahrzehnte noch nicht wieder hierher gezogen.

Doch gehen wir weiter. Die Steigung des Geländes wurde langsam etwas weniger steil und so kam ich noch besser voran. Ich sah inzwischen den mattenbelegten Hang unterhalb des großen Schanzentisches. Also ging ich erst einmal seitwärts auf diese Matten zu. Dort angekommen entdeckte ich bereits den Ziegelaufbau des Schanzentisches.

Er ist ein beredtes Zeugnis der DDR-Mangelwirtschaft! Es wurde hier alles verbaut, was irgendwie greifbar war. Hohlblockbetonsteine, Hochlochziegel und natürlich auch normale Ziegelsteine, alles bunt durcheinander, war da eingebaut worden. Was mir hier ebenfalls auffiel, war ein Stahlseil, das bis ins Tal reicht und anscheinend einmal als Schlepplift diente, denn in einer, etwas weiter oben befindlichen Stütze der Anlaufkonstruktion, ebenfalls ein quadatischer Kasten aus Ziegel, steht noch immer eine Seilwinde. Darüber hinaus liegt noch eine rostige Umlenkrolle im Gelände herum.

Von hier aus gab das Grün der Bäume schon langsam den Blick frei, auf den alten, noch immer stehenden, Anlaufturm frei. Reste der Anlaufstrecke stehen ebenfalls noch immer und sind auch noch fest mit dem Turm verbunden. Sogar Holzbalken und Bretter sind darauf noch vorhanden. Andere Segmente des Anlaufes bestehen nur noch, als korrodierten, nackten Stahlträgern. Diese liegen quer zur ursprünglichen Richtung, einfach nur noch herum. (https://www.fotocommunity.de/photo/damals-und-heute-peter-biastoch/44001317)

Hier ist das Gelände schon fast flach zu nennen und ich gehe zum Turm. Ein Blick durch die Öffnungen der nicht mehr vorhandenen Türen, zeigt lediglich nackte Wände, etwas herunter gefallenen Putz und eine Luke in der Decke. Ich machte noch ein paar Bestandsaufnahmen, des Verfalls.

Dann lief ich an dem Turm vorbei, um von der anderen Seite eine Panoramaansicht aufzunehmen. Dazu musste ich weit genug von der Schanze weg sein, damit ich den Sprungturm in seiner vollen Höhe aufs Bild bekommen konnte. Mit vier überlappenden Aufnahmen, deckte ich den ganzen sichtbaren Teil der noch stehenden Schanze ab.

So machte ich mich langsam auf den Rückweg zum Auto. Diesmal wollte ich auf der anderen Seite der Schanzenanlage nach unten gelangen. Dabei merkte ich, dass man einen Berg leichter nach oben, als nach unten erklimmt. Richtung Tal musste ich mehrmals eine Pause einlegen – nicht wegen meinem Herzen, sondern um zu sondieren, wohin ich als nächstes meine Füße setzen kann, ohne Gefahr zu laufen, abzurutschen! Doch der Abstieg auf einem anderen Weg lohnte sich. Was ich bisher, lediglich vom Schanzentisch aus talwärts, gesehen hatte, war der Schiedsrichterturm, der neben der Aufsprung-, oder Landezone, am Hang steht. Auch dort wieder mehrere, des Holzes beraubte Eisenkonstruktionen, wie eine Plattform und eine eiserne Treppe. Erstaunlicherweise waren die meinsten Fensterscheiben noch ganz! Schließlich erreichte ich wieder die Straße und mein Auto. Zuhause ging es an die Bildbearbeitung und damit komme ich zu meinem letzen Bild, von dieser Erkundungstour – das bereits erwähnte und nun fertige Panorama.

 

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