Erika Schmidt

Mäusejagd 2. Teil

In der letzten Geschichte habe ich beschrieben, wie mein Mann über den Winter auf Mäusejagd gegangen ist. Nun ist Sommer und in der Waschküche gibt es keine Mäuse mehr. Dafür um so mehr im Garten.
Schon im Frühjahr (Schnee hatten wir keinen) ist mir aufgefallen, daß keine Tulpen oder Osterglocken gewachsen sind. Keine einzige, dabei hatte ich im Herbst eine ganze Menge Zwiebeln eingesetzt. Dann habe ich entdeckt, daß durch das ganze Beet (10 m lang) eine Menge Mäusegänge verliefen. Durch die winterharten Stauden gingen richtige Schneisen in denen nichts mehr wuchs. Mir schwahnte nichts Gutes. Mit großem Arbeitsaufwand habe ich alle Löcher und Gänge zugeschaufelt. Eine Weile war Ruhe. Die übrig gebliebenen Stauden und Pflanzen bekamen frische Triebe und wuchsen. Zwar langsam, denn das Frühjahr war sehr kalt. Ich pflanzte meine Dahlien, und die bekamen auch schöne Triebe.
Irgendwann saß ich auf der Bank am Haus und betrachtete meinen Garten. Da bemerkte ich, daß eine Dahlie stark wackelte, obwohl kein Wind wehte. Kurze Zeit später wackelte die nächste Blume. Ich ahnte schlimmes. Nach einer gründlichen Untersuchung des ganzen Beetes stellte ich fest, das Zuschütten der Gänge im Frühjahr war für die Katz. Nicht nur die Dahlien, auch viele andere Stauden hingen "in der Luft". Die Wurzeln waren alle abgefressen. Jetzt war mein Kampfgeist geweckt. Ich versuchte zu retten, was noch zu retten war. Im Internet machte ich mich schlau, wie man die Wühlmäuse bekämpfen kann. Viele Vorschläge hatten die aber auch nicht. Gift kam nicht in Frage, da bei mir im Garten einige Katzen herumstreunten. Die arg lädierten Pflanzen habe ich in Täpfe gepflanzt oder mit einem Drahtgitter umgeben, in der Hoffnung, daß sie sich wieder erholen. Außerdem kaufte ich eine Menge Knoblauch und stutzte meine Thuja Hecke. In alle Gänge und Löcher stopfte ich nun Knoblauchzehen und Thujazweige. Den Geruch mögen die Nager angeblich nicht. Dann hieß es abwarten.
Eine Weile geschah nichts. Dann aber wurden die Knoblauchzehen und die Zweige wieder "ausgebuddelt", die Viecher drückten sie einfach nach oben. Nun platzte mir langsam der Kragen. Ich hatte das Gefühl, die Biester lachen mich aus. Also doch Chemie. Im Gartencenter besorgte ich nun so kleine Beutelchen. Die steckt man in einen Gang, Stein drauf und warte. Wenn die Beutel feucht werden, strömen sie ein Gas aus, daß die Viecher vertreiben soll. Das hat anscheinend auch geklappt. Es gab keine neuen Gänge mehr. Nach ein paar Tagen machte ich alle Gänge und Löcher wieder zu. Endlich Ruhe, dachte ich. Das war ein großer Irrtum. Nach ein paar Wochen stellte ich fest, daß auf der anderen Seite hinter dem Haus die frisch gepflanzten Sommerblumen trotz gießen, die Köpfe hängen ließen. Und tatsächlich, die Biester sind einfach umgezogen. 
Aber so schnell gab ich nicht auf, ich kämpfte weiter. Die Mittelchen kannte ich ja nun alle. Im Herbst kann ich vielleicht sogar frischen Knoblauch ernten, der sprießt jatzt überall. Jeden Tag mache ich nun einen Kontrollgang ums Haus. Bei Bedarf wird wieder ein Beutel ins Loch gesteckt. Mal sehen, wer den längeren Atem hat. Seit ein paar Tagen sieht man die lieben Tierchen auch am Tag durch die Straucher und Stauden turnen. Sieht ja niedlich aus, aber das bessert meine Laune nicht, ich kämpfe weiter. Wühlmäuse hatte ich bisher nie im Garten, nur im Keller. Es reicht schon, wenn dieses Jahr die Schnecken im Übermaß anrücken und alles kahl fressen. Aber was soll`s, das ist halt Natur. Also heißt es wachsam bleiben und den Humor nicht verlieren. Und im Winter habe ich das ganze Volk dann wieder in der Waschküche. Dann hat mein Mann wieder Beschäftigung.


Erika Schmidt


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.08.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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