Daniela Hoppaus

Die Schöne, das Biest und kein Stockholm-Syndrom

Belle lebte mit ihrem Vater am Rande des Dorfes n einer ärmlichen Hütte. Die Mutter war lange gestorben, aus Gram, weil ihr Mann all ihr Hab und Gut versoffen hatte. So kümmerte sich Belle um das, was übrig war, während ihr Vater sich immer weiter dem Trunk ergab. Eines Abend, als Belle gerade die Haus- und Gartenarbeit beendet hatte wurde ihr Vater wütend, weil das Essen nicht schnell genug auf den Tisch kam. Er schimpfte und fluchte: “Wenn du so lasch mit deiner Arbeit bist, dann wirst du nie einen Mann finden!“, und wollte die Hand gegen Belle erheben. Sie duckte sich und antwortete: “Dein Saufkumpan Gaston steigt mir doch eh immer nach, der würde mich schon nehmen. Dann könntest du mal sehen, wie Du alleine klar kommst“. Dann griff sie in ihre Schürze, zog ein paar Münzen hervor und warf ihm ihr mühsam Erspartes vor die Füße: „Da! Geh doch ins Wirtshaus und schau, ob du das was zu essen bekommst! Ich reiß mir hier den Arsch auf, damit du weiter saufen kannst und dann willst du mich auch noch schlagen? Verschwinde und komm erst wieder nach Hause, wenn du nüchtern bist“
Ihr Vater stutze und war erschrocken über ihre derben Worte und darüber, dass er sie hatte schlagen wollen. Angeekelt von sich selbst und wütend auf seine Tochter, floh er schließlich, bevor er vollends die Beherrschung über sich verlor.
Kaum war weg, da tat es Belle leid, ihn so angeschnauzt zu haben. Aber sie war zu stolz, ihm zu folgen. Also machte sie sich an die Arbeit und kochte was zu essen, da sie annahm, er würde, wie immer, nachdem ihn die Luft nüchtern gemacht hatte, nach Hause kommen und hungrig und voller Schuldgefühlen sein.

 

Der Vater, betrunken und zornig wie er war, torkelte durch den Wald. Doch diesmal trugen ihn seine Füße nicht zum Wirtshaus. Der Weg veränderte sich unter seinen Schritten und führte ihn tiefer und tiefer in den Wald hinein. So irrte er eine Weile herum bis der Durst ihn packte. An einer Quelle trank er gierig, um den Brand in seiner Kehle zu löschen. Das kalte Wasser machte ihn klarer im Kopf und ernüchtert sah er sich um, bemerkte, dass er sich verlaufen hatte. „Wo zum Teufel bin ich hier?“ fragte er laut in die Nacht.

Wie eine Antwort flackerte ein Licht in der Ferne zwischen den Schatten der Bäume auf. „Ah, da ist das Wirtshaus“, murmelte er und stolperte darauf zu. Aber als er dem Licht nahe kam, bemerkte er, dass vor einem  düsteren Schloss stand, verwachsen und verwittert. Das Licht kam aus dem Inneren und schien durch das Tor, welches einen Spalt breit offen stand. Beherzt trat der Vater darauf zu und zog das Tor weiter auf. Im Inneren sah er eine große Halle, erleuchtet von Kerzenschein. Eine Tafel mit Essen und Trinken war aufgebaut, als würden Gäste erwartet. Es war aber niemand zu sehen. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass wirklich niemand in der Nähe war, griff er an der Tafel herzhaft zu. Er kostete vom Fleisch, von den Pasteten, vom frischen Brot und reichlich vom roten Wein. Nicht lange und sein Rausch war aufgewärmt und satt und bedröselt nickte er auf einem Sessel ein, der nahe am Kamin stand. Doch er konnte nicht lange schlafen. Ein lautes Knurren weckte ihn und als er die Augen öffnete, sah er verschwommen ein seltsames Wesen vor sich. Der Anblick brauchte eine Weile, um in sein vernebeltes Hirn zu dringen, aber dann erkannte er die löwenartige Fratze und die spitzen Zähne, die das Maul füllten, aus dem ihn stinkender Atem traf. Die gelben Augen fixierten ihn und eine grollende Stimme fragte „Was hast du hier zu suchen?“ Das Herz stockte dem Alten fast und er kroch tiefer in den Sessel, teils aus Angst, zerfleischt zu werden, teils, um den stinkenden Atem zu entkommen. „Ich habe mich verirrt. Ich war nur hungrig und müde“
“Du bist hier eingedrungen. Dafür gehört mir dein Leben!“ „Gnade!“ Der Alte winselte. „Ich muss zurück zu meiner Tochter, sie macht sich sicher große Sorgen um mich.“ „Du hast eine Tochter?“ „Ja“ Der Alte nickte hektisch. „Sie ist mein ein und alles“. „Nun gut“, knurrte die Bestie. „Kehre zu deiner Tochter zurück.“ Als der Alte sich erheben wollte, drückte die Bestie ihn mit einer krallenbewehrten Pfote zurück in den Sessel. „Aber das erste, was dir begegnet, wenn du nach hause kommst, gehört mir!“  Der Alte überlegte. Er dachte an den Hund, der ihn immer freudig begrüßte, egal, wie betrunken er war. Und seufzte. Er mochte den Hund. Aber noch mehr mochte er sein eigenes Leben. Und Belle würde noch sauer sein, also würde sie ihm nicht entgegenkommen. Also nickte er. „Einverstanden“.

 

 
Die Pfote verschwand von seiner Brust und der Alte sprang auf und flitzte schneller, als man ihm zugetraut hätte, aus dem Tor in die Nacht. Als er den Schlossgarten fast verlassen hatte, entdeckte er einen Rosenstrauch. Weil ihn das schlechte Gewissen plagte, wie immer, wenn sein Rausch verflogen war, pflückte er eine, um sie Belle mit seiner Entschuldigung zu überreichen und machte, dass er nach Hause kam. Der Weg führte in geradewegs zu seiner Hütte am Dorfrand. Belle, die sich Sorgen gemacht hatte, da sie Gaston getroffen hatte, als sie nach ihrem Vater suchte und er ihr gesagt hatte, dass er nicht im Wirtshaus gewesen war, sah ihn schon von weitem kommen. Sie warf einen Blick auf den Hund, der selig in seiner Ecke schlief, warf sich einen Umhang um, riss die Tür auf und eilte ihrem Vater entgegen.  

„Papa, ich hab mir solche Sorgen gemacht!“ rief sie und wollte ihn umarmen, aber er wehrte sie ab, Panik in den Augen und fiel auf die Knie „Nein, nein“ murmelte er. „Was ist los?“ fragte Belle und beugte sich zu ihm „Was ist passiert?“ Er konnte nicht sprechen, also half sie ihm auf die Beine und führte in zurück ins Haus, wo sie ihn auf die Bank neben den Kamin verfrachtete und seinen nassen Mantel auszog. „Nein, nein…“ wimmerte er und schüttelte den Kopf. Der Hund, der aufgewacht war, kam und rieb sich an seinen Beinen. Abwesend streichelte er ihm den Kopf. „Ich wünschte, du wärst zuerst gekommen.“, flüsterte er. „Was?“ rief Belle. „Ich hab mir Sorgen um dich gemacht, nachdem du nie im Wirtshaus angekommen bist. Ich wollte schon Gaston und die anderen Suffköpfe auf die Suche nach dir schicken, aber die waren alle so blau, die hätten nicht mal ihre eigenen Nasen gefunden!“ Traurig blickte er zu Belle auf und schließlich erzählte er ihr alles. Als Belle hörte, dass er sie im Austausch für sein Leben an ein Monster verschachert hatte, wurde sie wütend. „Das kommt von deiner Sauferei!“ tobte sie. „und ich darf es jetzt wieder ausbaden. Das ist so typisch.“ Sie wandte sich um und wollte zur Tür stürmen, da hielt er sie m Arm zurück „Es tut mir so leid, Belle. Ich dachte, der Hund…“ Sie riss sich los. „Ja, du dachtest. Du denkst doch immer nur an Dich. Deshalb ist Mutter gestorben!“ Sie riss sich los und floh in die Dunkelheit. Ihr Vater wollte ihr nach, blieb dann aber an der Tür stehen. „Es tut mir leid!“ rief er in die Nacht. Die Rose ließ er achtlos fallen.
Belle erreichte das Schloss gegen Mitternacht. Das Tor war immer noch offen und die Kerzen schienen auf die Stufen davor. Die Wut, die ihre Schritte beschleunigt hatten, wich einer vagen Angst und Neugier, als sie eintrat
Die Kerzen standen auf einer voll gedeckten Tafel Im Kamin brannte ein Feuer. Es war genau so, wie ihr Vater es ihr erzählt hatte. Fehlte nur noch die Bestie.
Sie erschrak, als das Tor hinter ihr zufiel. Aber obwohl sie sich schnell umdrehte, war niemand zu sehen.

„Hallo?“ rief sie. „Ich bin hier. Du wolltest mich, hier bin ich.“ Dabei drehte sie sich um die eigene Achse und breitete die Hände aus. Aber es kam keine Antwort. Sie zuckte die Schultern nachdem sie eine Weile gelauscht hatte, nahm sich ein Stück Kuchen und eine Tasse warmen Kakao und fläzte sich in den Sessel am Kamin. Während sie am Kuchen knabberte, starrte sie ins Feuer.
Sie war beinahe eingenickt, als sie hinter sich ein Geräusch hörte. Vorsichtig griff sie nach de Schürhaken neben dem Kamin und schlug in die entsprechende Richtung. Sie traf etwas. „Aua. Lass das!“ Belle drehte sich um. Sie sah ein löwenähnliches Tier in feinen Kleidern, das auf den Boden kauerte und sich die Schläfe hielt. Sein Schwanz peitschte aufgeregt den Boden. „Was schleichst du dich auch so an?“ Sie fixierte das Biest. „Du ist also das Monster, das hier haust und Vätern die Töchter wegnimmt“ Das Biest sah auf. „Moment mal, nur einem Vater. Und der Alte hat hier ganz schönen Schaden angerichtet. Nicht nur, dass er sich durch meine Weinvorräte gesoffen hat, er hat auch noch eine meiner Rosen ausgerissen!“
Belle verschränkte die Hände vor der Brust. „und ich darf’s wieder ausbaden. Also, wie läuft das hier jetzt?“ Das Biest rappelte sich auf und Belle sah, dass ziemlich groß war und seine Kleider sehr kostbar wirkten. Doch am faszinierendsten fand sie den Schwanz, der immer noch nervös hin und her schlug. „Du bleibst hier und leistest mit Gesellschaft. Es ist hier sehr einsam.“ „Aha, und wenn nicht?“ Das Biest wirkte verdutzt. „Du kannst hier nicht weg. Der Zauber hindert dich daran.“ Belle seufzte und verdrehte die Augen. „Und für wie lange?“ Das Biest straffte die Schultern. „Solange bis ich von Dir Liebe erfahre.“
Belle stutze. „Was? Du sperrst mich hier ein und willst, dass ich dich dafür liebe? Spinnst Du?“ Sie hob drohend den Schürhaken „Naja, so sagt es der Fluch.“ Der Schwanz des Biestes peitschte wild hin und her. „Welcher Fluch?“ fragte Belle. „Na, der Fluch der Hexe. Der mich in ein Biest verwandelt hat.“ Belle seufzte. Dass man den Kerlen immer alles aus der Nase ziehen musste. Sie seufzte noch einmal, lehnte sich im Sessel zurück und klopfte abwesend mit der Hand auf die Lehne. Den Schürhaken behielt sie sicherheitshalber in der Hand.  „Komm her und erzähl mir alles von Anfang an.“ Irritiert schlich das Biest um den Sessel herum und lege sich zu Belles Füssen vor den Kamin.

„Bitte leg den Schürhaken weg“ sagte er. Belle wog ihn abschätzend in der Hand. Aber sie legte ihn dann doch beiseite, Das Biest  fing zu erzählen an.
“Ich kannte einmal eine Frau. Sie wollte mich nicht heiraten, Sie lebte außerhalb des Schlosses und hatte dort eine kleine Hütte. Ich dachte, ich täte ihr einen Gefallen, sie aufs Schoss zu holen als meine Frau. Sie hat mich nur ausgelacht. Aber natürlich weist man einen Mann wie mich nicht zurück. Ich bin ein Prinz“ seine Stimme klang beleidigt und leicht weinerlich. Belle fragte:“ Und deshalb hat sie dich verflucht?“ Das Biest nickte. „Das glaube ich nicht.„ sagte Belle. „Naja, ich hab vielleicht im Suff ihre Rosenbüsche zerstört und“ seine Stimme wurde leiser, er flüsterte „und ihre Hütte niedergebrannt.“ Kurze Zeit schwieg er, dann fuhr er lauter fort „Sie war eine Hexe, jeder wusste das. Sie hat seltsame Kräuter in ihrer Hütte gehortet. Sie hat mich behext, so dass ich nur sie wollte. Aber als ich ihr den Antrag machte, hat sie mich ausgelacht. Diese Hure“ Belle schluckte. Verletzter Männerstolz. Sie glaubten doch alle, sie seinen ein Geschenk an die Frauenwelt. Und wehe, eine verfiel nicht gleich ihrem Gesäusel. Da wurde aus einer Heilerin schnell eine Hexe und eine Hure. Und noch so ein Saufkopf. Innerlich schüttelte sie sich, aber dann fragte sie. „Und dann hat sie dich verflucht?“ Das Biest seufzte. „Ja. Sie starb in den Flammen. Aber sie hat mich noch verflucht, bevor sie verbrannte.“ Belle nickte. Hätte sie die Macht dazu gehabt und ihr wäre das angetan worden, hätte sie ihn auch verflucht, mit ihrem letzten Atemzug.
“Was waren ihre Worte?“ fragte sie und wagte kaum zu atmen. Das Biest mochte jetzt harmlos zusammengerollt und als Häufchen Elend vor dem Kamin liegen und in Selbstmitleid zerfließen, aber sie wusste aus Erfahrung, wie schnell das in Gewalt umschlagen konnte, vor allem, wenn Alkohol im Spiel war. Das Biest hob den Kopf und starrte ins Feuer. „Es war deutlich zu hören über die Flammen. Sie rief, wenn ich nicht die Liebe erfahren würde, würde ich nie wieder erlöst.“ Belle seufzte. Es war so bezeichnend, dass er erwartete, dass er geliebt werden sollte. Immer sollten andere die Arbeit übernehmen, immer sollten andere die Opfer bringen. Ein verwöhnter Prinz, klar, vermutlich hatte er nie erfahren, wie es war, wenn ihm ein Wunsch abgeschlagen wurde. „Tjaaaaa!“, sagte Belle, erhob sich und rückte ein Stück vom Biest ab. „Es ist spät und ich möchte schlafen, Krieg ich hier wenigstens ein Zimmer für mich alleine?“ Das Biest erhob sich und richtete sich zu voller Größe auf. Es überragte Belle um gut zwei Köpfe. Sie schauderte. „Ich wird dir dein Zimmer zeigen“ sagte er und winkte ihr, ihm zu folgen. Er führte sie aus der großen Halle über mehrere Steigen hinauf und öffnete schließlich eine Tür. Sie trat ein. Wieder erwarten war es ordentlich hergerichtet und sogar ein frisch überzogenes Bett stand da sowie ein paar Kleider lagen auf der Bettdecke. „Hast du das hergerichtet?“ frage sie. Das Biest schüttelte den Kopf. „Das passiert wie von Zauberhand Ich muss nur dran denken und schon ist es da.“ Cooler Zauber, dachte Belle, Wenn das bei mir so wäre, hätt ich gar kein Problem damit, ein Biest zu sein.
Als er sie allein gelassen hatte, sah sie sich im Zimmer um.
Es war größer als ihre ganze Hütte und die Möbel waren alt, aber gepflegt.

Sie wollte gerade ihre Sachen ausziehen und in das bereitgelegte Nachthemd schlüpfen, als sie ein Geräusch hörte. Erschrocken drehte sie sich um. Dort, wo eben noch das Biest gestanden hatte, stand jetzt eine durchsichtige Gestalt. Es war eine Frau, die Dienergewänder trug und gerade versuchte, die Kleider, die Belle abgelegt hatte, zu falten und auf den Stuhl zu legen. „Also, von wegen Zauberhand. Wer bist du denn?“ Die Frau erschrak. „Du kannst mich sehen?“ Belle nickte. „Ein Glück, das ist ein gutes Zeichen“ seufzte die Geisterfrau. „Ich bin Dora. Weißt du, als unser Herr verflucht wurde, verschwanden wir aus seinen Augen. Nicht, dass er uns vorher groß wahrgenommen hätte. Manchmal glaub ich, er hat immer schon gedacht, all seine Sachen würden von selber sauber, der Tisch würde sich selber decken und das Essen sich selber kochen.“ Verständnisvoll nickte Bell. „Ja, so sind die Männer. Sie sehen nur das, was sie selber gemacht haben und machen ein Gewese drum, als hätten sie die Welt erschaffen, die Arbeit von Frauen sehen sie nicht. Außer, wenn sie einmal nicht getan wurde. Aber warum ist es ein gutes Zeichen, das ich dich sehen kann?“ Die Geisterfrau winkte ab. „Das war nur so dahingesagt. Schon lange hat uns keiner mehr wahrgenommen. Weder unser Herr, noch die Menschen, die sich zufällig hierher verirrt haben. Wie Euer Vater.“ „Es waren schon mehrere Menschen hier?“ fragte Belle. „Ja. Aber bisher wurde unser Herr nicht erlöst. Vielleicht schafft ihr es.“ Jetzt winkte Belle ab. „Einen jähzornigen , verwöhnten Prinzen, der Frauen als Hexen verbrennt, die ihm nicht verfallen? Wieso sollte ich so jemanden erlösen?“ Die Geisterfrau lächelte wissend. „Vielleicht, weil ihr ihm klarmachen könnt, was mit dem Fluch wirklich gemeint war.“ Belle setzte sich aufs Bett: „Ich ahnte es. Nicht ICH soll mich in Ihn verlieben, sondern er soll sich in mich verlieben. Und erfahren, wie es ist, wirklich zu lieben.“
Dann ließ sie den Kopf hängen. „Das wird wohl nicht passieren.“ „Abwarten“, meinte die Geisterfrau. „Er ist schon sehr lange alleine – und eben, ihr nehmt mich wahr. Ich hoffe das Beste.“ Damit schwebte sie durch die Tür davon und ließ eine nachdenkliche Belle allein.


Am nächsten Morgen entschloss Belle sich, die Grenzen ihres Gefängnisses zu erkunden. Das Schloss war umgeben von dichtem Wald. In der Nacht hatte sie es nicht so bemerkt, aber jetzt wunderte sie sich, überhaupt den Weg zum Schloss gefunden zu haben. Immer, wenn sie versuchte, den Wald zu betreten, versperrten ihr Dornenranken den Weg. Nur auf einer Seite konnte sie ein Stück weit gelangen, doch der Pfad endete bei den Resten einer verkohlten Hütte, um die ringsherum Rosen wucherten. Der Ort stimmte sie traurig und so kehrte sie zum Schloss zurück und erforschte den Garten. Jetzt sah sie auch bei Tageslicht durchscheinende Gestalten, die Hecken schnitten oder Obst und Gemüse ernteten.
Sie sah auch einen Jäger aus dem Wald kommen, durchscheinend wie die anderen, aber die Beute, die er mit sich trug, war real. Sie kniff ein wenig die Augen zusammen und es sah aus, als ob das Wildbret auf das Schloss zuschweben würde. Sie ließ den Blick über das Schloss schweifen und bemerkte, dass das Biest an einem Fenster stand und sie beobachtete. Als sich ihre Blicke trafen, verschwand er vom Fenster. „Na toll“ murmelte sie. „Das kann mit dem ja was werden.“ Aber die Schlossbediensteten taten ihr leid, also beschloss sie, sich irgendwie mit dem Biest zu arrangieren. Vielleicht konnte sie herausfinden, wie der Fluch wirklich zu brechen war und vor allem, wie sie diesem Ort entkommen konnte.

Sie wollte gerade ns Schloss zurückkehren, um sich dort näher umzuschauen, als ihr das Biest entgegentrat. „Du isst mit mir zu Abend“ sagte er. Sie baute sich vor ihm auf. „Erstens heißt das BITTE und zweitens: Hast du so auch die Frau, die du als Hexe verbrannt hast, herumkommandieren wollen?“ Er stutze. „Was erlaubst du dir?“, fauchte er. Sie hielt seinem Blick stand. „Was erlaubst DU dir? Wenn du willst, dass ich mit dir esse, dann bitte höflich darum!“ Er knirschte mit den Zähnen und presste hervor.“ Gewähret mir die Ehre, heute Abend mit mir zu speisen.“ „Schon besser.“ Belle nickte. „Ich werde es mir überlegen.“ Sie wollte an ihm vorbei ins Schloss gehen, aber er hielt sie am Arm fest und zog sie herum. „Wenn Ihr nicht mit mir esst, dann esst Ihr gar nicht!“ Sie drehte sich zu ihm um und funkelte ihn an. „Bitte, dann eben nicht.“ Sie entriss ihm ihren Arm. „Wenn Ihr glaubt, auf die Art Liebe erfahren zu können, dann richtet euch auf eine lange Zeit ein, die Ihr noch verflucht seid. Ich verhungere lieber, als mit so einem Rüpel zu speisen.“ Damit ging sie. Am Abend, in der Halle war der Tisch bereits gedeckt, wartete das Biest auf Belle. Aber sie kam nicht. Sie saß in ihrem Zimmer und speiste mit der Geisterfrau, die ihr einen Teller mit den herrlichsten Leckereien gebracht hatte. Sie erfuhr von ihr auch mehr über die Frau, die ihn verflucht hatte. „Sie war keine Hexe.“, bestätigte die Magd Belle’s Verdacht. „Sie war eine Heilkundige. Und sie hat meinen Herrn geheilt nach einem Jagdunfall. Er wollte sie für sich, aber sie weigerte sich. Sie wollten den Menschen helfen, nicht in einem Schloss hocken wie ein Vogel im goldenen Käfig. Sie hat ihn nicht geliebt. Sie wollte einfach nur frei sein und er wollte sie mit aller Macht besitzen. Als er merkte, dass er sie nie bekommen würde, betrank er sich und zündete ihre Hütte an. Er verriegelte die Tür, damit sie nicht entkommen konnte. Ihre Schreie waren bis zum Schloss zu hören. Und der Fluch lautete: Erst, wenn Liebe in dein Herz einkehrt, wirst du erlöst.“  Belle nickte kauend. Sie saß am Bett und hatte den Teller vor sich stehen, von dem sie sich mit den Fingern bediente. Plötzlich ertönten Schritte auf dem Flur vor ihrem Zimmer. Dann flog die Tür auf und das Biest stand vor ihr, wütend, die Zähne gebleckt. Er sah sie mit dem Teller, stürmte auf sie zu und schleuderte mit einer Handbewegung den Teller samt Essen an die Wand. „Ich war eh gerade fertig.“, meinte Belle lakonisch. Wutausbrüche dieser Art kannte sie von ihrem Vater. Sie rechnete nicht damit, dass das Biest ihr was tun würde, war sie doch seine Hoffnung auf Erlösung. „Woher hast du das? WOHER?“ Belle sah ihn kalt an, sein Gesicht knapp vor ihrem. Sein Atem blies ihr ins Gesicht, aber erleichtert stellte Belle fest, dass er nicht nach Alkohol roch. „Diene Dienerin Dora hat es mir gebracht“ sage sie. „Du lügst!“ fuhr das Biest auf. „Hier ist niemand außer dir und mir!“ Belle zuckte die Schultern. „Sie sagte mir, dass du schon früher kaum gemerkt hast, dass sie da waren und es für selbstverständlich gehalten hast, dass dir alles in den ARSCH geschoben wurde.“ Bei der derben Wortwahl wich das Biest zurück. „Was?“ Belle erhob sich. „Du bist ein verwöhnter Bengel, der nie gelernt hat, bitte oder danke zu sagen. Ja dir wurde alles in den Arsch geschoben und deshalb glaubst du auch, dass du alles bekommen kannst, was du willst. Wenn ich deine Mutter wäre, ich hätte dich mal ordentlich übers Knie gelegt!“ „Du wagst es, so mit mir zu sprechen?“ fuhr er auf und hob die krallenbewehrte Pfote. Belle verschränkte die Hände vor der Brust. „Zeit wird’s, das jemand mal so mit dir redet. Glaubst du echt, dass du liebenswert bist? So, wie du dich benimmst?“ Sie drehte sich weg und wandte das Gesicht ab. „Na los, töte mich auch. Wer weiß, wann wieder wer hierher kommt.“ Leise fügte sie hinzu.“ Ich bin mir sicher, mein Vater hat bereits in der ganzen Gegend rumerzählt, was passiert ist. Niemand wird je wieder hierher kommen.“ 

Wie vom Blitz gerührt erstarrte das Biest. Er ließ die Schultern sinken. „Es tut mir leid.“, sagte er. „Wenn du lieber alleine essen willst, dann tu das. Aber ich würde mich freuen, wenn du morgen Abend mit mir essen würdest.“
Am nächsten Morgen fand Belle ein Tablett mit Frühstück und einer Rose vor ihrer Tür. Ein Zettel lag dabei und mit krakeliger Handschrift stand drauf geschrieben „Es tut mir leid.“ Später fragte sie die Geistermagd, ob sie das Frühstück gebracht hätte. „Nein“ sage sie. „Der Herr hat es selber gemacht und hochgebracht.“
Am Abend entschloss Belle sich, doch zum Essen runter zu gehen. Sie hatte ein hübsches Kleid gefunden und fand das Biest nachdenklich am Kamin stehend vor. Mehrere Geisterdiener bereiteten die Tafel. Als das Biest Belle bemerkte, wandte er sich zu ihr um. „Du hattest Recht.“, sagte er. „Meine Diener sind noch hier. Ich kann sie kaum sehen, aber Dora war so nett, mir heute Morgen beim Frühstück zu helfen.“ Belle setzte sich. „Na dann.“, meinte sie. Er setzte sich and die Tafel ihr gegenüber. „Etwas Wein zum Essen?“ fragte er und hob eine Karaffe. „Nein“ erwiderte sie. „Ich trinke keinen Alkohol.“ Das Biest stelle die Karaffe wieder hin. „Natürlich.“, sagte er. „Seit wann siehst du denn deine Diener?“ fragte sie. Das Biest zuckte die Schultern. „Als ich heute Morgen in die Küche hinunterging, fiel mir ein, dass ich als Knabe dort eine Küchenmagd kannte, die mir immer Naschereien zugesteckt hatte. Das war Dora. Aus einem Gefühl heraus rief ich ihren Namen, so wie früher. Und da war sie plötzlich.“ Belle nippte von ihrem Wasser, dann fragte sie. „Hast du auch andere Bedienstete gesehen?“ Fast scheu antwortete das Biest: „Als ich draußen bei den alten Ställen war, sah ich Johann, denn Stallburschen. Er hat mir damals das Reiten beigebracht.“ Belle lächelte. „Sieht aus, aus würde jemand seine Menschlichkeit wieder entdecken.“ Das Biest sah beschämt weg. Danach aßen sie schweigend.
Die Nächsten Tage verliefen ruhig. Das Biest entdeckte immer mehr vom Gesinde und stellte Belle alle vor. Seine Augen leuchteten immer mehr, wenn er wieder einen entdeckte. Und wenn er sich an deren Namen erinnerte, strahlte er förmlich. Er muss sehr lange einsam und verbittert gewesen sein, dachte Belle und beobachtete die Freude, die das Biest darüber entwickelte, mit Genuss. Dennoch hatte sie immer mehr das Gefühl, eine Ersatzmutter zu sein und das behagte ihr nicht. Doch die Dienerschaft wurde immer dichter und weniger durchsichtig, man konnte schon die Farben ihrer Gewänder erkennen. „Wenn er so weitermacht, dann werden sie bald alle wieder feste Gestalt annehmen.“, sagte sie zu sich. Beim nächsten Abendessen fasste Belle einen Entschluss. „Ich möchte nach Hause… „ begann sie und erwartete, dass er auffahren würde wie früher. Doch das Biest schaute sie nur an. „Ich mache mir Sorgen um meinen Vater“ fuhr sie fort. „Ich möchte nur wissen, ob er sich inzwischen tot gesoffen hat oder nicht. Ob er klar kommt.“ „Ich möchte nicht, dass du gehst.“ , erwiderte er. „Deine Gesellschaft hat mir Freude gemacht und mir meine Einsamkeit genommen. Aber wenn du wiederkommst, dann lasse ich dich gehen.“ Belle konnte kaum fassen, was sie da hörte. Sie überlegte fieberhaft. Wiederkommen, nach dem er sie freigelassen hatte? Sie schaute sich um und entdeckte Dora, die etwas abseits stand. Durch sie hindurch konnte Belle die Gemälde an der Wand sehen, aber es war Farbe in ihrem Gesicht. Dora, die ihr eine Freundin geworden war. Schließlich sagte sie. „Ich komme zurück, aber ich tu es nicht für dich. Ich komme zurück, weil ich deinen Dienern ihre Gestalt wiedergeben will.“ Das Biest nickte. „Mehr kann ich nicht erwarten.“, meinte er.

Als Belle am nächsten Tag aufbrechen wollte, wartete Dora schon am Tor auf sie. „ Du musst nicht wiederkommen“ sagte sie. „Du hast mehr bewirkt als wir uns erträumen konnten. Er nimmt uns wahr und er behandelt uns freundlich. Das bedeutet, sein Herz hat endlich angefangen, zu fühlen.“  Belle versuche, Dora zu umarmen, aber noch griff sie in leere Luft. „Ich komme trotzdem zurück. Weil ich es versprochen habe. Und im Gegensatz zu Männern, die Versprechen, die sie Frauen geben, so leicht brechen, ich stehe zu meinem Wort.“ Dora seufzte und nickte, sie schien Tränen in den Augen zu haben.  
Als Belle an den Waldrand kam, wartete das Best auf sie. Belle erschrak und dachte, er hätte es sich anders überlegt, doch er sagte nur. „Auch, wenn du nicht wiederkommst, so hast du mir ein großes Geschenk gemacht. Ich werde nicht mehr einsam sein.“  Belle schaute ihn an. Er wies mit der Pfote in den Wald und ein Pfad erschien. „Danke“ sagte Belle. Dann ging sie. Und hinter ihr schloss sich der Wald wieder.

Es dauerte nicht lange und sie sah die Hütte ihres Vaters. Sie hatte Chaos erwartet, einen verwahrlosten Garten und einen betrunkenen Alten. Doch der Hund kam auf sie zugelaufen, freudig kläffend und ihr Vater, der sie vom Fenster aus gesehen hatte, trat blinzelnd aus der Tür. „Belle!“ rief er. Er rannte los und breitete die Arme aus. Belle blieb stehen. „Du bist wieder da!“ „Ich wollte nur kurz nach dir sehn.“, sagte sie reserviert. Aber seine Augen waren klar und sein Atem roch nicht nach Alkohol. „Belle, ich habe keinen Tropfen mehr angerührt, seit du fort bist. Ich wollte Gaston und die anderen überreden, dich zu retten, aber sie haben mir nicht geglaubt und mich nur ausgelacht. Dann habe ich gedacht, ich kann so nicht mehr weitermachen, wenn du fort bist. Aber nun bist du ja wieder da“ Er drückte sie an sich. „Ich bleibe nicht lange“ sage Belle. „Also bild dir nicht ein, du könntest jetzt wieder mit dem Trinken anfangen.“ Er drückte Belle von sich weg und sah sie an. „Nein, natürlich nicht. Was soll das heißen, du bleibst nicht lange?“ Belle befreite sich aus seinem Griff. „Ich habe versprochen, dass ich zurückkomme, wenn ich weiß, dass es dir gut geht.“ Ihr Vater wirkte enttäuscht. „Ah so , ja.“ Aber dann fuhr er auf. „Das ist doch ein Monster, dem gegenüber musst du dein Versprechen nicht halten. Ich lass dich nicht mehr weg. Wir gehen zu Gaston und du erzählst ihm alles, dann müssen sie mir glauben! Und sie werden dich beschützen. Gaston hat doch ein Auge auf dich geworfen, er wird dich heiraten.“ Seine Stimme wurde beschwörend. Belle wich zurück „Das habt ihr euch wieder fein ausgemacht, was? Ich werde überhaupt nicht gefragt, ihr Kerle wollt über meinen Kopf hinweg entscheiden.“ Sie wich zurück. „Da mache ich nicht mit.“ „Belle…“ versuchte ihr Vater noch einmal. „Eine Frau braucht einen Mann.“ „ Wer sagt das?“ fuhr Belle auf. „Ihr sucht doch nur nach der Ersatzmutter! Ein Frauchen, das euch das Bett warm hält und das Essen kocht und ansonsten still ist. Euch vielleicht auch noch Söhne schenkt, aber mehr habt ihr nicht zu bieten“ Wütend drehte sie sich um und rannte in den Wald zurück. Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Es reichte ihr ein für allemal.
Sie war noch nicht weit gekommen, als ihr ein Schatten entgegentrat. Es war Gaston, der vermutlich auf dem Weg ins Wirtshaus war. Er stellte sich ihr in den Weg. „Die schöne Belle.“, sagte er und stemmte die Hände in die Hüften. „Bist du dem Biest also entkommen?“ Belle schnaubte verächtlich. Sie hatte keine Lust, Gaston alles zu erklären und wollte an ihm vorbei und tiefer in den Wald. Er hielt sie am Arm fest. „Na na“, sagte er. „Nicht so eilig, hübsches Fräulein. Schließlich wollten wir dich doch retten.“ Sie blickte ihn an. „Retten? Mein Vater sagte, ihr habt ihn ausgelacht, als er euch um Hilfe bat.“ Gaston lachte. „Na, du weißt ja selber, as der alte Suffkopf den lieben langen Tag erzählt.“ Er zog sie nähe zu sich heran. „Aber da du nun hier bist, hat sich das wohl erledigt. Komm, gib deinem Retter einen Kuss“ Er wollte sich zu ihr beugen, aber sie wehrte sich und wandte den Kopf ab. „Zick hier nicht so rum, Kleine. Du stehst doch auf mich.“ „Ach ja?“ fauchte Belle. „Wieso sollte ich auf einen stehen, der meinen Vater im Stich lässt, wenn er um Hilfe bittet?“ Sie versuchte, sich aus seinem Griff zu lösen und ihm das Knie in die Weichteile zu rammen. „Ja, wehr dich nur, das macht es noch viel interessanter, du kleine Wildkatze.“ Er kam ganz nah an sie heran und hielt sie eisern fest. „Du kannst doch froh sein, wenn so einer wie ich dich will und dich aus der Hütte von dem alten Knacker holt“ Dabei versuchte er, ihr Gewand von ihren Schultern zu streifen und zerrte hektisch am Stoff.
“NEIN!“ schrei Belle. Sie versuchte verzweifelt, sich aus seinem Griff zu winden, aber er schob sie nach hinten, bis sie mit dem Rücken an einem Baum  lehnte. „Komm, lass uns doch ein bisschen Spaß haben.“, keuchte Gaston.
“Die Dame hat NEIN gesagt!“ Das Biest war wie aus dem Nichts gekommen und stand hinter Gaston. Der schaute erst verblüfft auf die Löwenfratze und sagte dann.“ Wen interessiert schon, was Weiber sagen!“ Aber er drehte sich um, gab Belle frei und wollte sein Schwert ziehen. Mit einem Prankenhieb flog er zur Seite und blieb stöhnend liegen. Belle rannte los, tiefer in den Wald hinein. Hinter sich hörte sie das Fauchen des Biestes und die Schreie von Gaston. Aber sie hielt nicht an, um nachzusehen, wer gewinnen würde. Sie lief einfach weiter.
Bei der verkohlten Hütte der Hexe hielt sie an. Sie war außer Atem und sank im Schutz der Rosenbüsche auf den Boden. „Es tut mir leid, was dir passiert ist.“ Keuchte sie. „Aber wenn dein Geist noch hier ist, dann versteck mich vor diesem Kerl“ Ein leichtes Raunen ging durch die Büsche du ein sanfter Wind streichelte Belle’s erhitztes Gesicht.
Nach einer Weile trat das Biest aus dem Wald. Belle sah, dass er verletzt war. Gaston hatte sich heftig verteidigt. Sie wollte schon aus ihrem Versteck kriechen, aber der Blick des Biests hielt sie davon ab. Er starrte auf die Ruinen der Hütte und Entsetzen zeichnete sein Gesicht. „Ich war nicht mehr hier, seit…“ murmelte er. Dann sank er auf die Knie. Ein Schluchzen schüttelte seinen Körper. „ Es tut mir so leid…“ Er vergrub das Gesicht in seinen Pranken. Belle kroch aus ihre Versteck, trat zu ihm und legte die Hand auf seine Schulter. Was getan ist, kann nicht rückgängig gemacht werden.“. sagte sie. Er winselte. „Aber du hast mich gerettet. Dafür danke ich dir.“ Er legte eine Pfote auf ihre Hand und schaute die Ruine an. „Ich werde hier einen Schrein errichten, der mich immer daran erinnern soll. Ich werde meine Strafe ertragen.“ Dann sah er zu Belle hoch. „Du wärst zurückgekommen.“ Es war keine Frage. Belle nickte. „Dora…“ begann sie, aber er unterbrach sie. „Du hast genug getan. Wenn du frei sein willst, ich werde dich nicht aufhalten.“ Er stand auf. „Aber du bist jederzeit willkommen in meinem Schloss.“


In diesem Moment brach Licht durch die Bäume. Und wie ein funkelnder Regen  wurde das Biest von diesem Licht umhüllt. Belle staunte, als sie die Verwandlung mit ansah. Das Fell fiel von ihm ab und menschliche Gesichtszüge kamen hervor. Das Ganze dauerte nur einen Moment und schließlich sah Belle die wahre Gestalt des Prinzen vor sich, der erstaunt seine Hände betrachtete und sich dann übers haarlose Gesicht fuhr. Unglauben, dann Freude huschten über sein Gesicht. „Ich bin erlöst!“ rief er. Er griff Belle’s Hände und tanzte mit ihr in einem wilden Hüpfen herum. Belle lächelte, machte eine Weile mit, dann löste sie sich von ihm und schaute ihn prüfend an. „Dein Schwanz ist weg.“, stellte sie fest. Er sah drehte sich nach hinten. „Du hast Recht.“ Er grinste breit und wollte Belle umarmen, aber sie streckte den Arm aus und hielt ihn auf Abstand. „Vorher hast du mir besser gefallen.“, sagte sie. „Was?“ Sie lachte über seinen verdutzen Gesichtsausdruck. Dann sagte sie: „Komm, lass uns nach den anderen sehen. Wenn du erlöst bist, sind es auch die anderen.“ Sie nahm seine Hand und sie liefen zum Schloss zurück. Die Dienerschaft war am Hof versammelt und tanzte und freute sich. Dora, inzwischen mit fester Gestalt, entdeckte Belle und lief auf sie zu. Wild umarmte sie die Freundin. „Wir sind erlöst. Du hast es geschafft!“ Dann sah sie den Prinzen, ließ von Belle ab und verneigte sich. „Hoheit“ Der aber griff nach ihrer Hand, zog sie zu sich und tanzte wild mit ihr über den Hof. Die anderen Diener kamen heran. Der Prinz umarmte sie alle. Belle stand etwas abseits. „Schön.“, dachte sie. Dann schlich sie davon.
Der Prinz fand sie schließlich in ihrem Zimmer im Schloss, wo sie dabei war, einige Sachen einzupacken. Er stand an der Tür und sagte. „Wenn du fort willst, Dora hat gesagt, sie richtet dir eine Wegzehrung.“ Belle drehte sich nicht um, nickte aber. Das ist lieb von Dora.“ „Wo willst du denn hin? Zurück zu deinem Vater?“ Sie seufzte. „Es wird Zeit, dass er alleine klarkommt.“ „Wohin dann?“ Belle schaute ihn an. Sie zuckte die Schultern. „Ich weiß es nicht. Ich wollte immer schon mal in die Stadt. Ich könnte dort eine Stellung finden.“ Der Prinz holte einen Beutel hervor. Er schüttelte ihn und es klimperte darin. „Damit du nicht ohne was dastehst.“, sagte er und hielt es Belle entgegen. Sie nahm den Beutel, bedankte sich und steckte ihn zu ihren Sachen. „Aber weißt du, ich habe mich so an deine Gesellschaft gewöhnt. Du kannst hier bleiben, wenn du möchtest. Ohne Zwang.“ Belle hielt inne beim Packen. „Wir haben beide viel gelernt…“, begann sie. Der Prinz kam näher. Er griff nach Belle’s Schultern und drehte sie zu sich. „Ich wollte es dir schon im Wald sagen….“ Er stockte. Dann räusperte er sich. „ Ich liebe Dich.“ Belle riss die Augen auf und wollte widersprechen, aber er legte ihr einen Finger auf den Mund. „Ich liebe dich, aber ich werde dich nicht halten. Ich habe gelernt, dass man das, was man liebt frei lassen muss.“ Belle schmunzelte und zog seine Hand von ihren Lippen weg. Sie schaute in seine Augen, die nun menschlich waren. „Ich danke dir. Und ich komme zurück. Irgendwann.“ Nach einer Pause sagte sie. „Aber nur wegen Dora. Und um nach ihnen allen zu sehen.“ Der Prinz lächelte wehmütig, ließ sie los und ging wieder zur Tür. „ Du bist jederzeit willkommen.“ Sagte er noch einmal. Dann ging er und ließ Belle allein.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.08.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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