Jürgen Skupniewski-Fernandez

Das indische Pentagramm 9

Das Besprechungszimmer lag nur zwei Türen von Laurents Büro entfernt. Sergeant Jane Fortis war gerade dabei die Pinnwand mit allen verdächtigen Kandidaten, die im Mordfall Vervier verwickelt waren, aufzulisten und entsprechendes Fotomaterial anzuordnen. Constable Elmire öffnete die Tür, ihm folgten zwei weitere Kriminalbeamte und eine Beamtin.
Laurent trat ein und begrüßte alle Versammelten und kam sofort zur Sache.

„Wir haben es, wie es aussieht, mit einem recht außergewöhnlichen Fall zu tun. Es ergeht daher die Anweisung, dass alle hier Anwesenden im Raum zur unbedingten Verschwiegenheit aufgefordert sind. Dieser Fall könnte internationale Ausmaße annehmen."
Alle Beamten nickten schweigend. Laurent wandte sich an Fortis.

"Sergeant Fortis, was haben wir inzwischen an Indizien und Beweismaterialien?“

„Nun, Sir“, sie trat vor die Pinnwand. „Wir haben die verschwundene Veronique Vervier, die erst gar nicht in Tamarin erschien. Ihren Lebensgefährten, Maurice Bertram, wohnhaft in Flic en Flac, ohne handfestes Alibi und die geheimnisvolle Unbekannte im Leichenschauhaus. Die Unterlagen, die wir bei ihr fanden und die sie eindeutig als Veronique Vervier ausweisen, sind noch in der Forensik. Es ist davon auszugehen, dass die Papiere gefälscht sind. Wir werden uns sofort auf die Suche ihrer Personalie machen, um die wahre Identität der Ermordeten zu ermitteln. Das wird gerade eingehend vorbereitet. Dann ist da noch die Freundin Annabelle Durand aus Tamarin. Und das Mal auf dem Rücken der Unbekannten, Sir“.

„Viel ist das nun wirklich nicht, was wir zurzeit an Beweisen zur Verfügung haben!".
"Aber Sir!", protestierte Fortis sofort.
"Schon gut Sergeant, wir stehen erst am Anfang. Den Autopsiebericht habe ich bereits. Weitere Untersuchungen laufen. Die Unbekannte ist, das geht aus dem Report eindeutig hervor, brutal erwürgt worden. Sergeant Fortis und Constable Elmire, sie leiten gemeinsam die Ermittlungen und halten persönlich nur mich auf dem Laufenden. Das gilt für alle hier Anwesenden, ist das klar! Es dürfen keine Ergebnisse unserer Recherche an die Öffentlickeit kommen. Und hüten Sie sich vor den Medien.“

„Ja, Sir, Chief Inspektor, Sir! “, antworteten die Beamten fast im Chor. Sie erhoben sich, und verließen das Besprechungszimmer.

„Fortis und Elmire, Sie kommen gleich mit mir ins Büro“.

Laurent nahm auf seinem Ledersessel Platz. Beide Beamte setzten sich vor dem historisch ausladenden Schreibtisch und bedienten sich aus der Wasserkaraffe. Laurent griff nach dem Obduktionsbericht, schlug ihn auf und lass vor:

„Nach exakter äußerer Leichenbesichtigung und anschließend innere Leichenbesichtigung/Sektion:

auffällige Halskompression mit beiden Händen durch Niederdrücken des Halses. Kompression der Halsgefäße und des Kehlkopfs durch Zupacken, Loslassen und erneutem Zupacken. Demzufolge starke Blutstauung im Kopf mit Bildung von sehr intensiven Stauungsblutungen, die typisch fürs Würgen sind.

Würgemale: unregelmäßig angeordnet, verschieden große Schürfungen und Hautblutungen vorne und seitlich am Hals und auch am Kinn. Blauverfärbung und Dunsung des Gesichts. Kehlkopfverletzung mit Brüchen, Weichteilverletzungen.

Das Opfer kam nicht im Mangrovenwald ums Leben, sondern wurde hier lediglich abgelegt. Der Leichnam wurde bewegt. Das sagen die Leichenflecke eindeutig aus. Das Opfer kam ca. zwischen zwei Uhr und sechs Uhr morgens ums Leben“.

Laurent beendigte den Bericht und legte ihn beiseite.

„Das Pentagramm Tattoo wurde wahrscheinlich mit einer Art feinnadligem Siegel dem Opfer post mortem zwischen den Schulterblättern eingestanzt oder eingedrückt. Anders wie beim Tätowieren, wo die Figuren punktiert gestochen werden, wurde praktisch das Gesamtbild mit heftigem Druck ausgeführt. Wir müssen noch weitere Ergebnisse der Obduktion abwarten. Eventuell finden wir Spuren, die auf den tatsächlichen Tatort hinweisen. Sollten wir Glück haben, weist das Opfer DNA Spuren des Mörders auf.

Sergeant Fortis, Sie hängen sich an die Fersen von Maurice Bertram. Legen Sie ein Dossier mit allen ermittelten Daten an: wo hielt er sich während der Tatzeit auf? Wer hat ihn mit seiner Lebensgefährtin gesehen, Freunde. Krempeln Sie alles um. Jeder kleinste Hinweis kann uns weiterhelfen. Besonders interessiert mich sein Alibi. Schalten Sie eine Suchanzeige mit aktuellem Foto von Vervier. Wir können das Foto aus ihrer ID Carte nehmen, falls kein anderes Material vorliegt. Die Autopsie soll das Gesicht der Unbekannten so herrichten, dass es für eine Suchanzeige brauchbar ist.

Und Sie Constable, Sie nehmen sich unsere hübsche Annabelle vor. Ihr Besuch heute im Büro war nicht besonders überzeugend. Was macht sie? Wie lange ist sie auf Mauritius?

Unsere fünf „W“: Wo, Wie, Wann, Warum, Wieso!

Sie können ihre Kollegin und Kollegen mit einbeziehen. Sie sollen Sie unterstützen, so oft es notwendig ist. Das Wort „Pentagramm oder Tattoo“ wird nicht vor Dritten angedeutet, geschweige ausgesprochen, auch nicht vor Maurice Bertram. Das ist eine Angelegenheit, die nur Sie und mich betrifft. Haben wir uns da verstanden!?“

„Ja Sir, klar und deutlich, Sir“

„Ok, dann lassen Sie uns keine weitere Zeit verlieren, machen Sie sich gleich auf die Socken!“.

„Sir!“

„Was gibt es noch, Fortis?“

„Gehen wir von einem Ritualmord aus? Ein post mortem beigefügtes Pentagramm schreit doch förmlich danach. Handelt es sich um eine Warnung!? Es sieht doch nach gewollt, auffällig, inszeniert aus. Meinen Sie nicht auch?“

„So abwegig ist Ihr Gedanke gar nicht, Sergeant. Wir brauchen vorerst noch Hinweise. Unsere Spezialisten werden sich eingehend mit dem Tattoo befassen. Aber Ihre Vermutung geht, denke ich mal, in die richtige Richtung“.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.08.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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