Franziska Ströbel

Ingo Igel und seine Freunde - Außergewöhnliche Weihnachten

Es war ein sonniger Weihnachtsmorgen. Um genau zu sein, war es der Morgen vor dem großen Fest. Denn an diesem Tag war Heilig Abend und bis zur großen Bescherung gab es noch allerhand zu tun. Ingo Igel und seine Freunde Ellie Eichhorn, Rita Reh und Ferdinand Fuchs waren emsig mit den Vorbereitungen beschäftigt. Der kleine Igel und das Reh kümmerten sich um die Plätzchen. „Und jetzt 350 Gramm Haselnüsse, zwei Teelöffel Zimt und eine Prise Salz in die Schüssel hinzugeben. Das Ganze dann zu einer ordentlichen Masse verrühren!“ Rita Reh diktierte aus ihrem alten Weihnachtsbackbuch. Ingo Igel schüttete die Zutaten zu der sich bereits in der Schüssel befindenden Puderzucker- Eiweiß-Pampe. Dann rührte er mit einem kleinen Schneebesen kräftig in der Schüssel herum. „Mach das aber nicht zu wild, Ingo!“, mahnte Rita kritisch. „Ja, ja, ich pass schon auf“, meinte Ingo. Der kleine Hocker, den der Igel benötigte, um die für ihn viel zu hohe Backfläche zu erreichen, wackelte bedenklich. Auch spritzte Teig aus der Schüssel und verteilte sich überall. Und dann passierte es. Ingo rutsche auf dem kleinen Teighäufchen aus, das sich auf dem Hocker gebildet hatte. Er versuchte noch sich an der Teigschüssel festzuhalten, schleifte sie aber mit von der Ablage. Mit einem Rumms knallte er auf den Boden. Die Schüssel fiel hinterher und landete auf seinem Kopf. Rita eilte schnell herbei und befreite den Igel. Dann sagte sie verärgert: „Ingo, ich hab dir doch gesagt, dass du aufpassen sollst. Jetzt muss ich mit dem Teig wieder von vorne anfangen. Am besten du wäschst dich erst mal und hilfst dann Ellie und Ferdinand.“ Der kleine Igel nickte traurig mit dem Kopf und schlich Richtung Badezimmer. „So und jetzt müssen wir nur noch die Girlande um das Geländer wickeln und dann können wir mit dem Hausputz beginnen“. Ellie Eichhorn schnap! pte sich die bunte Lichterkette und schwang sie flink um das Treppengeländer. Staunend betrachteten der Fuchs und das Eichhörnchen dann ihr Werk. Sie hatten das kleine Holzhäuschen, in dem die Freunde das Weihnachtsfest verbringen wollten, wunderschön dekoriert. Überall glitzerte und funkelte es. Vor allem die kleine Tanne, in der Mitte des Weihnachtsraumes, stach hervor. Sie war mit bunten Kugeln und fetzigem Lametta verziert worden. Ferdinand hatte mit seiner super Brille genau erkannt, wie der Baum geschmückt werden sollte. Ellie war in der Tanne herumgeklettert und hatte ihre Pfötchen dort geschickt eingesetzt, wo der Fuchs nicht hinkam. „Wow, das sieht ja gigantisch aus.“ Ingo Igel tapste frisch gewaschen und mit großen staunenden Augen in den Raum. „Kann ich euch denn noch irgendwie helfen?“, fragte er nun. Der Fuchs nickte. „Du kannst mit einem feuchten Tuch die Treppen wischen“, schlug er vor. „Kann ich nicht den Wischmopp benutzen?“ Ingo schaute Ferdinand flehend an. „Also, gut“, sagte dieser. „Ich dachte, dass der Mopp vielleicht ein wenig zu groß für dich sein könnte. Aber gut, dann benutze ihn. Ich schaue so lange nach Rita in der Küche. Ellie übernimmt das Staubwischen.“ Ingo strahlte und machte sich ans Werk. Er bemerkte schnell, dass es wirklich nicht so einfach war, mit dem großen Mopp umzugehen. Das Schleppen war sehr umständlich. Dennoch gab er sich große Mühe und die Treppen waren bald schon fast sauber. „Nur noch die letzte Stufe“, seufzte er erleichtert. Doch auf einmal gaben seine müden Arme vor Erschöpfung nach. Der Wischmopp fiel ihm aus der Pfote und traf den Wassereimer vor der Treppe. Dieser kippte um und hinterließ eine große Wasserpfütze auf dem Boden. Genau in diesem Moment trat Ferdinand Fuchs zur Tür herein, rutschte auf dem Wasser aus und fiel auf die Schnauze. Es war ein Klirre! n zu h&o uml;ren. »Meine schöne Brille«, rief Ferdinand entsetzt. „Und du setzt dich schön auf den Hocker da und rührst dich nicht von der Stelle!« Ferdinand Fuchs schob sich grimmig seine mit Leim zusammengeklebte Brille auf die Schnauze und verwies den kleinen Igel auf einen Schemel in der Ecke. Auch das Reh und das Eichhörnchen waren böse auf Ingo. Bisher hatte er an diesem Tag nur Chaos veranstaltet. So sollte er aus der Ferne zusehen, wie Ellie Eichhorn den Weihnachtsstern an der Tannenbaumspitze anbrachte. Traurig schlich Ingo zum Schemel in der Ecke. Dieser war sehr hoch für den kleinen Igel. Um den Hocker erreichen zu können, nahm er sich die Kiste, die vor seinen Füßen lag, zur Hilfe. Er stieg auf die Box und kletterte auf den Schemel. Traurig starrte er dann vor sich hin. So hatte er sich die Weihnachtsvorbereitungen nicht vorgestellt. „Wo ist denn der Weihnachtsstern?“, fragte Ellie nun und schaute sich im Raum um. „Oh, der liegt vermutlich noch in der Dekorationskiste“ erwiderte Rita Reh. „Ich hole ihn schnell“, meinte Ellie Eichhorn. »Nicht nötig«, sagte Ingo nun und sprang von seinem Schemel. „Halt Ingo!“, rief Ellie. Doch da war der Igel auch schon von seinem Hocker gehüpft und mit beiden Füßen in der Kiste gelandet. Der Weihnachtsstern, der in der Kiste lag, zerbrach. „Ups“, meinte Ingo zerknirscht und lief mit Tränen in den Augen und so schnell ihn seine kleinen Beine tragen konnten aus dem Haus. Völlig erschöpft blieb Ingo Igel irgendwann stehen und schaute sich um. Er war mitten im Wald und hatte sich verlaufen. „Ach, den anderen ist das doch eh egal“, dachte er. „Die sind ohne so mich besser dran. Und das alles nur, weil ich so tollpatschig bin und so klein. Ich habe es satt ein kleiner Igel zu sein.“ Grimmig lief Ingo weiter in den Wald hinein. Bald schon fühlte er sich jedoch sehr allein.! Au&szli g;erdem wurde es langsam dunkel und er bekam es mit der Angst zu tun. „Warum bin ich nur weggelaufen?“, fragte er sich verzweifelt. Jetzt hatte er nur noch den Wunsch bei den anderen zu sein. Er hatte Rita, Ellie und Ferdinand doch so lieb, auch wenn sie wütend auf ihn waren. Dann hörte er auf einmal Stimmen. Ob das seine Freunde waren, die nach ihm suchten? Neugierig folgte er dem Gemurmel. „Wir müssen jetzt echt weiter, sonst fallen die Geschenke dieses Jahr ins Wasser...Rudolph!“, brummte eine tiefe Stimme. Ingo blieb verwundert stehen und konnte seinen Augen nicht trauen. Vor ihm saß in einem goldenen Schlitten, gespannt mit drei Tieren, die große Ähnlichkeit mit Rita hatten, ein großer bärtiger Mann mit einem kugelrunden Bauch. Er war von einem roten Mantel umhüllt und trug auf seinem Kopf eine lange Zipfelmütze. „Nanu, wer bist du denn?“, fragte den Igel auf einmal eine etwas höhere Stimme. Hinter einem Baum schaute ein viertes Rita ähnliches Tier hervor. Im Gegensatz zu den anderen hatte es eine leuchtend rote Nase. Ingo errötete und stotterte: „Ich…ich bin Ingo Igel“. „Hallo, Ingo Igel“, sagte das Tier. „Ich bin Rudolf, das Rentier.“ „Mit wem unterhältst du dich denn da, Rudolph?“, brummte der bärtige Mann nun. Mit einem großen Schritt stieg er aus dem Schlitten und drehte sich um. Dann beugte er sich den Bauch hebend hinunter und begann aus tiefster Kehle zu lachen. „Ho, ho, ho! Hallo, Ingo Igel. Ich bin der Weihnachtsmann“. „Der Weihnachtsmann?“ Ingo Igel konnte es nicht glauben. Doch eigentlich musste es wahr sein, denn so ähnlich hatte er sich den Weihnachtsmann immer vorgestellt. Nur vielleicht mit einem etwas kleineren Bauch. Und dass er ein Rentier mit einer roten Nase hatte, hatte der Igel auch nicht gewusst. „Aber was machst du denn hier im Wald, Weihnachtsmann?“, fragte Ingo! verdutz t. „Musst du nicht die Geschenke verteilen?“ Der Weihnachtsmann warf Rudolph, der immer noch hinter dem Baum stand, einen grimmigen Blick zu. „Eigentlich sind wir nie im Wald, weil wir weder von Tieren noch von Menschenkindern gesehen werden wollen. Aber wir mussten einen kurzen Stopp einlegen, weil sich die Rentiere mit Karotten stärken wollten. Jetzt weigert sich Rudolph aber weiterzufliegen, weil er Schmerzen in der Hufe hat. Ich habe sie mir angeschaut, konnte aber nichts erkennen.“ Hinter dem Baum jammerte es: „Sie tut wirklich schrecklich weh, wenn ich auftrete. Kannst du sie dir nicht mal anschauen, Igel? Du bist klein und passt gut unter die Hufe“. Ingo Igel war sehr verwundert über diesen Vorschlag. Vielleicht konnte er Rudolph aber tatsächlich helfen. Er tapste auf das Rentier zu und krabbelte unter dessen angehobenes Bein. Der kleine Igel untersuchte die Hufe gründlich und wurde bald fündig. Da steckte etwas Grünes. Mit aller Kraft zog er daran. Und tatsächlich! Es funktionierte. Ingo konnte das grüne Ding aus Rudolphs Hufe entfernen. Es handelte sich um eine spitze Tannennadel. „Du hast mich gerettet, Ingo“, rief Rudolph entzückt und trabte jetzt auf vier Hufen hinter dem Baum hervor. Auch die anderen Rentiere jubelten begeistert. Der Weihnachtsmann atmete erleichtert aus und kam mit lauten schweren Schritten auf Ingo zu. „Toll gemacht, kleiner Igel“, meinte er anerkennend. „Du kannst sehr stolz auf dich sein. Du hast Weihnachten gerettet“. Ingo freute sich sehr und fühlte sich zum ersten Mal an diesem Tage wunderbar. Dann stieg er in den Schlitten des Weihnachtsmannes und flog mit ihm durch die Lüfte nach Hause. Staunend betrat Ingo das Haus. Es duftete himmlisch nach leckeren Plätzchen. Dann wurde er auch schon stürmisch von seinen Freunden umarmt. „Ingo“, rief Ellie Eichhorn glücklich. „Du bist wieder da!“ Auch Rita und Ferdin! and ware n sehr froh, den kleinen Igel wieder bei sich zu haben. „Wir haben den ganzen Wald abgesucht“, sagte Rita nun. „Wir haben dich aber nicht gefunden. Irgendwann haben wir beschlossen zu Hause auf dich zu warten. Wir haben uns schreckliche Sorgen gemacht.“ Ferdinand meinte schuldbewusst: „Es tut uns leid, dass wir so wütend auf dich waren. Das wird nie wieder vorkommen!“ „Ich hätte nicht weglaufen dürfen“, sagte Ingo nun. „Mir tut es auch leid. Und danke, dass ihr nach mir gesucht habt. Ich habe einfach die besten Freunde“. Die vier waren sehr froh sich wieder zu haben. Während sie leckere Plätzchen aßen, erzählte Ingo von seinem Treffen mit dem Weihnachtsmann. Ellie Eichhorn, Rita Reh und Ferdinand Fuchs lauschten gespannt seiner Geschichte. „Oh, und bevor ich es vergesse“, sagte der kleine Igel nun, „der Weihnachtsmann hat uns einen großen Sack mit Geschenken vor die Tür gestellt. Ich denke, es wird Zeit, sie zu öffnen“. „Oh ein neues Backbuch“, Rita Reh presste ihr Geschenk begeistert an sich. „Ein Sack voller Haselnüsse“, rief Ellie Eichhorn und hüpfte glücklich im Kreis herum. „Und für mich?“ Ferdinand packte gespannt das für ihn bestimmte Päckchen aus. „Eine neue Brille“, stellte er glücklich fest und schob sie sich sofort auf die Schnauze. „Und was hast du bekommen, Ingo?“ Gespannt beugten sich die Freunde über das Päckchen des kleinen Igels. Vorsichtig zupfte dieser das Papier auseinander. „Ein Weihnachtsstern für den Tannenbaum“, rief er fröhlich, „weil ich den anderen doch kaputt gemacht habe“. „Da ist aber noch was drin, Ingo“. Rita deutete auf das Päckchen. „Was soll das denn sein?“, verwundert zog Ingo zwei Eimer mit Schnüren aus dem Paket. „Das sind Stelzen, Ingo“, erklärte! Ferdina nd. „Mit denen bist du größer und kommst überall gut hin“. Sogleich schnappte sich der Igel die Stelzen und lief Richtung Weihnachtsbaum. Es wackelte ein bisschen, aber Ingo war sehr bemüht, heil bei der Tanne anzukommen, was ihm auch gelang. Rita reichte ihm den Weihnachtsstern. Vorsichtig streckte der kleine Igel den Arm und setzte den Stern geschickt an die Spitze der Tanne. „Super, Ingo“, rief Ellie und klatschte begeistert in die Hände. Ingo war erleichtert, dass alles geklappt hatte und stieg von den Stelzen. Dann stopfte er sie zurück in das Päckchen. „Willst du denn nicht noch eine Weile auf ihnen herumlaufen?“, fragte der Fuchs verwirrt. „Nein“, sagte Ingo mit überzeugter Stimme. „Der Weihnachtsmann hat sich viel dabei gedacht, mir die Stelzen zu schenken, weil mir meine Größe immer Ärger gemacht hat und ich kein kleiner Igel mehr sein wollte. Aber heute habe ich gemerkt, dass ich die Stelzen nicht brauche. Ich bin zwar klein, aber ich bin gerne klein und mag mich so wie ich bin.“ Die Freunde waren etwas verwirrt, aber freuten sich schon bald sehr mit Ingo. Sie wussten, dass er recht hatte. Der kleine Igel war so wie er war genau richtig. Und dann feierten Ingo Igel, Rita Reh, Ferdinand Fuchs und Ellie Eichhorn noch bis tief in die Nacht ihr bislang abenteuerlichstes, aber auch schönstes Weihnachtsfest.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.08.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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