Reiner Mayr

Mohr, Moor oder Mohrle?

Der Huber Josef bekommt eine Vorladung vom Amt, dieses ist zuständig
für Rassismus, Emigration, Integration und Völkerfreundschaft.
Als vorbildlicher Freistaatsbürger kommt er natürlich umgehend dieser nach
und der Amtmann klärt ihn nun über den Grund der Vorladung auf.

Herr Huber, sie werden beschuldigt, öfters rassistische Äußerungen von sich
zu geben, dies wurde uns von ihrem Umfeld mitgeteilt. Sie wissen sicherlich,
dass dies in unserem so toleranten, humanen Bayern nicht geduldet werden kann.
Wie wir wissen, haben sie neue Nachbarn aus Mauretanien bekommen und sie
sagen zu dem 10 jährigen Jungen Mohr, das kann so nicht geduldet werden.
Nehmen sie dazu Stellung und wenn sie nicht einsichtig sind, muss das Amt
Einschreiten, weil sie nicht willens sind, emigrierte Personen zu integrieren.

Der Huber Josef war jetzt doch in seiner Ehre und Stolz sehr verletzt, dies von
einer Amtsperson ohne jeglichen Beweis vorgehalten zu bekommen. Daher
nahm er seinen ganzen Mut zusammen und erklärte dem Amtsleiter den
wahren Sachverhalt. Ich habe es sogar schriftlich, das ich niemals ein Rassist
sein kann, denn in der Urkunde vom Stammbaum meines Hundes steht, das er
von der Rasse derer von Mohrenhausen abstammt. Und wenn ich mit ihm
Gassi gehe, rufe ich halt Mohrle, jetzt komm halt, wir gehen Gassi, da kann ich
doch niemals den Nachbarsjungen aus Mauretanien meinen. Jetzt habe ich sie
doch hoffentlich überzeugt, dass ich mit Mohrle nur meinen Hund meinen kann.

Der Amtmann durfte sich natürlich  von so einem normalen Bürger Bayerns
nicht belehren lassen, die Obrigkeit muss schließlich die große Ordnung
im Blick behalten, wo kommen wir denn dahin, wenn jeder seinen Senf
dazugibt. Herr Huber, sagte er dann, sie müssen ihrem Hund dann eben
einen anderen Namen geben, damit es nicht mehr zu Verwechslungen kommt,
Mohr oder Mohrle, da kann man sich schon einmal leicht verhören.

Ja sie sind ja gut, Herr Amtsleiter, mein Mohrle hört jetzt seit über 10 Jahren auf
seinen Nahmen, der gewöhnt sich doch nie mehr an einen anderen. Aber jetzt
muss ich ihnen noch etwas sagen, das stimmt sie bestimmt gnädig. Seit der
Nachbarsjunge da ist, sind mein Mohrle und er ein Herz und eine Seele, der Junge
heißt übrigens Melchior. Wenn es um das Gassigehen geht, bin ich abgemeldet,
der Junge braucht nur rufen, Mohrle komm und schon flitzt er um die Ecke und die
beiden sind dann stundenlang weg. So, Herr Amtsleiter, jetzt habe ich sie doch hoffentlich
endgültig überzeugt mit den Beweisen, auch wenn die Zeiten der Aufklärung schon
lange vorbei sind.

Der Amtsleiter war natürlich verärgert, ihm zu unterstellen, was eine Aufklärung sei
und ihn ärgerte auch, das so ein, na ja, schon bauernschlauer Bürger ihn in so eine
Bredouille bringen kann. Wie soll er jetzt entscheiden, im Sinne der Obrigkeit.

Diese Entscheidung nahm ihm aber dann der Huber Josef ab, indem er zum
Herrn Amtsleiter sagte, wissen sie, zur Völkerverständigung, diese Amt leiten
sie ja auch, gehört ja auch das Essen. Sehen sie, wir Nachbarn laden uns schon
öfters gegenseitig ein, die Spezialitäten aus Mauretanien sind besonders fein.
Gebratene Tauben, manchmal auch ein Stück von einer Antilope mit besonderen
Gewürzen, als Nachtisch Datteln, ein himmlischer Genuss. Umkekehrt bekommen
unsere Gäste natürlich die weltberühmte Allgäuer Spezialität, unsere Kässpatzen,
wo der Käse noch aus der Milch der Kühe gemacht wird, die noch auf saftigen, würzigen
Bergwiesen weiden, die noch von Hand gemäht werden, das ist noch der Original
Bergkäse aus dem Allgäu. Und stellen sie sich vor, Herr Amtsleiter, den Mauretaniern
schmecken die Kässpatzen so gut, das sie immer noch einen Nachschlag wollen.

Dem Amtsleite lief schon das Wasser im Mund zusammen, wenn er nur an so
ein gutes Essen im Sinne der Gastfreundschaft dachte, zog aus einer Schublade
eine Urkunde heraus, schrieb noch ein paar Daten hinein und übereichte diese
dem Huber Josef zusammen mit einem Gutschein, auf dem stand folgendes:

Der Freistaat Bayern übereicht dem Herrn Huber Josef für seine Verdienste der
Völkerverständigung und seinem vorbildlichen Verhalten für die Integration
seiner Nachbarn einen Gutschein für einen touristischen Ausflug der zwei
Familien zum Schloss Neuschwanstein, denn hier hat schließlich unser noch
heute hochverehrter König Ludwig II, durch seinen Schöngeist viel zu der
Völkerverständigung beigetragen, schließlich genossen der König und auch
inzwischen Millionen Weltbürger in unserem so schönen und gesundem Allgäu,
in einer Kulturlandschaft, die schon vor Millionen von Jahren so geschaffen wurde
wie sie noch bis heute erhalten ist, ja, was kann mann da denn bis heute genießen?

Für Menschen aller Hautfarben, da werden sogar die weißen schwarz und alle
genießen das Geschenk der Natur, was kann das wohl sein, wenn sich sogar
ein Mohr legt hinein. Probiert es halt selber einmal aus, da steigt ihr wie neu geboren
wieder heraus, so ein Moorbad erfrischt den Körper, den Geist und die Seele,
da denkt man nicht mehr in schwarz und weiß,
lediglich der Mohr und das Moor schreibt man nicht gleich!

Die Idee zu dieser Kurzgeschichte kam mir, als neulich das Traditionshotel  Hotel Drei Mohren in Augsburg
durch den Zeitgeist bedingt, seinen Namen in Maximilian`s änderte, also den Schriftzug Drei Mohren entfernte,
wo doch dieser über Jahrhunderte an der Fassade angebracht war, mit den Büsten von den drei Mohrenköpfen..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 






 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.08.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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