Bozena Friedrich

An meinen Vater - ein Brief

Der Text ist eine Antwort auf den Beitrag von
Frank Heidelbacher: Ein ganz schlechter Traum

​​​​​​Lieber Vater, 

jemand hat an Deiner statt wohl eine Kurzgeschte geschrieben. Sie ist wie ein Brief an mich. Du bist es gewesen, der die Hand eines anderen führte, oder? Es konntest nur Du gewesen sein. So schulde ich Dir eine Antwort. Du fragst am Ende der Kurzgeschichte, die lang ist wie ein halbes Leben, was würde ich für eine Mutter empfinden, die so handelte wie meine im Traum, den Du beschreibst.
Ich empfinde nichts. Ich habe keine Gefühle.
Während ich Deine Worte über die Einladung las, nach der Du fragtest, als Du mich angerufen hast, um mir zum Geburtstag zu gratulieren, erstarrte ich wie damals.
Ich fragte damals nicht, welcher Brief. Ich war nicht in der Lage zu fragen. Ich war verwirrt.
Ich spürte weder Ärger noch Angst. Weglaufen konnte ich nicht. Wohin denn? Die Kraft mit der Faust gegen den Tisch zu schlagen und zu Mama zu schreien: Rechtfertigen tust Du Dich jetzt! - hatte ich nicht. 
Hättest du nicht mich, sondern Mama gefragt, ob Sie die Einladung an mich bekam, weitergab, ob ich sie las, hätte sie Dir vorgeworfen, Du hättest kein Vertrauen - ich weiß. Du hättest auf der Stelle zu erklären gehabt, wieso Du sie beschuldigst, wo sie doch alles für mich täte. Sie hätte vielleicht sogar gesagt, sie sei nicht länger bereit, so ein Verhalten von Dir zu dulden.
Ich wollte nicht, dass Ihr streitet.
Die Einladung wollte ich haben, glaube ich. Denke ich heute daran, dass es sie gab, fließen Tränen über mein Gesicht. Mein Gesicht lebt nicht. Mein Gesicht ist eine Maske. Unter der Maske zeichnet sich ein Lächeln ab. Das Lächeln darf niemand sehen. Es könnte Mama missfallen, dass ich die Einladung haben wollte.

Später hatte ich zu meiner Mutter keinen Kontakt. Ich hatte keine Gefühle.​​​​​Ich weiß nicht, wer sie ist.

 
​​​​​

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.08.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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