Angela Pokolm

Von Kaiser Maximilian, der 'flotten' Hannah und Gulbransson -

 ... -  kleine Auszeit im Tegernseer Land vom 15. bis 18. Juni 2019
 

 

Das Tegernseer Tal und seine Umgebung in dem schönen Oberbayern ist für viele Menschen ein lohnendes Reise- und Ausflugsziel. Und wer sich mit offenem Auge und Herzen dieser reizvollen Landschaft annähert, vermag so manches zu entdecken, das sich in das Leben, den Alltag, zu Hause mitzunehmen lohnt.

So war es auch uns ergangen, als wir im Verlauf unserer kleinen Auszeit im Tegernseer Land vom 15. bis 18. Juni 2019 keinem Geringeren als Kaiser Maximilian begegneten, die Bekanntschaft der 'flotten Hannah' machten und schließlich nach einem Blick in die aufregende Welt des Gleitschirmfliegens sogar einen ganz besonderen Künstler besuchen konnten.

Der schönste und auch ereignisreichste Tag war unser erster Tag im Tegernseer Land, der 15. Juni, ein Samstag.
Wir waren noch frisch und unternehmungslustig und das Wetter war einfach bezaubernd.
So führte uns unser Tagesausflug über den Achenpass in das benachbarte Tirol, nach Jenbach, einem kleinen Dörfchen am malerisch zwischen Bergen gelegenen Achensee, dem größten See Tirols.

Unser Ziel war Schloss Tratzberg, eine eindrucks- und prachtvolle Anlage aus der Renaissance, die geradezu uneinnehmbar hoch über dem Inntal am Berghang liegt.
So nahmen wir gerne das nicht nur für Fuß- und Beineingeschränkte verlockende Angebot an, mit dem Schloss-Express den Berg hinauf zu fahren. Schon allein dies war ein Erlebnis, denn der Schloss-Express ist ein allerliebstes buntes Bähnchen, fast wie eine etwas größere Spielzeugbahn.

Durch die Schlossanlage führten uns - via Audioguide - historische Persönlichkeiten, darunter tatsächlich Kaiser Maximilian I., sodann die Ehefrau Anna von Jakob III. Fugger und schließlich Franz Graf Enzenberg, der Ahnherr der jetzigen Besitzer, die heute noch im Schloss wohnen. Sie erzählten überaus lebendig aus ihrem Leben, ließen uns an ihrem Alltag, ihren Plänen, Hoffnungen und Träumen teilhaben. Und an der wechselvollen Geschichte des Schlosses, - u.a. dass dessen Ursprung bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht  (Grenzfestung gegenüber Bayern) und dass der spätere Kaiser Maximilian die Anlage eine Zeitlang als Jagdschloss nützte.

Für die Kinder übernahm die Führung eine außergewöhnliche Persönlichkeit: ein echtes, aber sehr freundliches Schlossgespenst, der Schlossgeist "Tratzi".

Und was gab es in der herrlichen Anlage nicht alles zu entdecken!
Wir sind noch heute ganz begeistert von dem ästhetisch ansprechenden und  ja sogar gemütlich wirkenden Inneren des Gebäudes und von dem prächtigen, wunderschön bemalten Innenhof …!
Besonders faszinierend war für uns: Das Schloss hat eine ganze Reihe von Geheimgängen, die man nur mit Hilfe des Führers entdecken kann! Und es ist genial, wie die Zugänge z.B. in Wandtäfelungen verborgen sind!
Und noch etwas: im Schloss gibt es eine eingebaute Toilette - eine Besonderheit in der Renaissance. In dieser Epoche war es nämlich keineswegs üblich, solche geheime Örtchen in Wohnräumen anzubringen.

Alles in allem ein kurzweiliger und lehrreicher Besuch in dem Tiroler Schloss,  der uns nicht nur bauliche Schön- und Besonderheiten erfahren ließ, sondern auch Einblick in das Leben von Menschen in anderen Epochen gewährte.


Und dann kam die Fahrt mit der Achenseebahn, die ihre Talstation nicht weit vom Schloss entfernt hat.
Das war ein richtiges Abenteuer für uns!
Es ist dies die älteste Zahnradbahn der Welt, die noch fahrplanmäßig in Betrieb ist. Seit 1889!

Mit einer Dampflok, der 'flotten' (so nannten wir sie) "Hannah", wurden wir in unseren Waggons den steilen Berg hoch geschoben bis zum Achensee hinauf.
Pustend, pfeifend, ratternd ...
Und gaaanz langsam.
Der rasende Masur ist ein Schnellzug dagegen!

Wir waren nur mit Schauen beschäftigt.
Man hatte einen wunderbaren Blick über das Inntal, auf die Berge des Karwendel und leuchtende Wiesen und Almen.
Schade war nur, daß es am Ziel, dem Ufer des Achensees, keinerlei Möglichkeiten gab, etwas zu essen und vor allem zu trinken. Nicht einmal ein Wasser, Cola und auch keinen Espresso oder Cappuccino. Und wir hatten doch soo einen Durst ...
Dort war - nichts. Außer einer Schiffsanlegestelle.

Doch der Anblick des Achensees im Sonnenlicht, der uns ein wenig an den Gardasee erinnerte, mit seinem türkisblauen Wasser, den bunten Segeln der Windsurfer und den malerischen Bergen ringsum, entschädigte uns für die Entbehrungen.
Mit dem Schiff wollten wir nun doch nicht fahren, dazu reichte schon die Zeit nicht, wegen des Fahrplans der Achenseebahn. Und so machten wir uns mit den anderen "Zugreisenden" gleich wieder mit dem Bähnchen auf die Rückfahrt ins Tal.
Diesmal mußte Lok "Hannah" uns vorausfahren und bremsen!
Eine tolle Leistung! Auch für das begleitende Lok- und Bahnpersonal! Es ging schließlich teils ziemlich steil bergab. Was für ein Abenteuer!


Den Tag beendeten wir schließlich müde und hungrig bei einem freundlichen Italiener in Gmund. Ein kleiner Rundgang durch die duftenden Wiesen um unser Quartier herum ließ die wundervollen Erlebnisse des Tages leise ausklingen.



Der Sonntag brachte uns eine Fahrt mit der Wallbergbahn in einer kleinen Gondel auf den Wallberg hinauf.
Schon lange hatte ich mir vorgestellt, wie es dort oben wohl sein würde …
Ein kühler Wind blies, Wolken zogen immer wieder vorbei, und wir waren wirklich heilfroh über unsere Jacken. Nur manche Leute waren mit kurzen Ärmeln unterwegs und offenbar hart im Nehmen ...

Aber der Blick über das Tegernseer Tal und die umgebende Bergwelt entlohnte für alles!
Dazu wunderschöne Blumenwiesen und viele Insekten! Sogar einen Alpenbläuling bekamen wir zu Gesicht!
Ganz nebenbei konnten wir noch miterleben, wie die Gleitschirmflieger starteten. Diese eleganten Flieger hatten wir schon bei früheren Besuchen im Tegernseer Tal beobachten können. Wir wussten, dass sie vom Wallberg aus abflogen. Und jetzt hatten wir die Möglichkeit, dieses spannende Abenteuer einmal hautnah mitzuerleben!
Wie akribisch die Sportler ihre Gleitschirme vorbereiteten – es musste alles passen und stimmen! – hing doch schließlich nicht zuletzt Gesundheit und sogar das Leben davon ab …
Und dann, wenn der Wind günstig stand, der Sprung in die Schwerelosigkeit, in das Fliegen, das sanfte Gleiten!
Noch lange folgten wir ihnen mit den Augen, bis sich die bunten Schirme und ihre Lenker irgendwann am Himmel, in der Bergwelt um uns, verloren.

Da verging uns die Zeit auf dem Berg wahrhaftig wie im Fluge.
Der kühle Wind vertrieb uns schließlich wieder ins Tal. Und wir genossen noch einmal das stille Schweben über dem Berghang in der kleinen Gondel …


 

Am folgenden Tag, dem 17. Juni, besuchten wir das Gulbransson-Museum in Tegernsee, das ich schon lange einmal sehen wollte.
Olaf Gulbransson war ein Norweger, der um 1900 und im frühen 20. Jahrhundert Karikaturist der Münchner Satire-Zeitung "Simplicissimus" war.
Wie schon bei anderer Gelegenheit bei Hundertwasser, lernten wir auch hier einen ganz besonderen Künstler und Menschen kennen. Es ist bemerkenswert, dass auch Gulbransson, wie Hundertwasser, eine tiefe Verbundenheit zur und mit der Natur hatte.
Und wir lernten u.a. einiges über die Kaiserzeit und ihre Gesellschaft , durften auch mal schmunzeln und lachen angesichts der zeit- und gesellschaftskritischen Beiträge der Künstler, darunter auch Gulbransson, zu ihrer Zeitung.

Angeregt und nachdenklich zugleich und ein bisschen müde vom Laufen und Schauen beschlossen wir diesen Tag mit einer Fahrt mit dem Tegernseer Schifflein von Bad Wiessee nach Tegernsee und zurück. Mit unserer TegernseeCard, die uns überall schon nur halbe Eintrittspreise erlaubt hatte, sogar umsonst.
Für mich war es auch eine (innerlich durchaus berührende) Begegnung - wenngleich vom Wasser aus - mit der Reha-Klinik St. Hubertus, in der ich im Jahr zuvor drei Wochen an meiner Genesung gearbeitet hatte.


Dann begann es leise zu regnen und nach einem gemütlichen Abendessen in Bad Wiessee war es Zeit zur Rückkehr zu unserem Quartier.
Mir war es noch ein Bedürfnis, einen Rundgang durch die duftenden Wiesen ums Haus zu machen.
Die schweigenden Berge um mich herum teilten ihre Erhabenheit und Gelassenheit mit mir, ließen meine Seele nach all den vielen, vielen Eindrücken und Erlebnissen ein wenig zur Ruhe kommen ...

 

Der Dienstag war der 18. Juni, unser Abreisetag. Er begann mit Nebel, der sich aber bald vor der erstarkenden Sonne zurückzog.

Nach dem letzten gemütlichen Frühstück wanderten wir noch einmal durch die Wiesen, vorbei an friedlich weidenden Tieren - fast ausnahmslos Kälbchen und junge Stiere. Und nahmen dann Abschied von den freundlichen Wirtsleuten und unserer Herberge für vier kurzweilige und wunderschöne Tage.

Zum Abschluss dieser Reise machten wir noch einen kleinen-großen Umweg zur Sonnenbichl-Wiese in Lippertskirchen bei Bad Feilnbach, zum Wiesen-Grab von unserer lieben Anyu.

Es ist dies ein wunderschöner, stiller Ort, am Fuße des Wendelsteins gelegen. Wir bedauerten nur sehr, dass die Wiese so kurz gehalten wird und den schönen Sommerblumen gar keinen Raum zum Wachsen lässt. Es wird dies sicher aus praktischen Gründen der leichteren Urnenbeisetzung so durchgeführt.

Lange saßen wir dort auf einer Bank und in der kleinen Barockkirche, wo wir auch Kerzchen anzündeten ...

 

Unser treuer Mokello brachte uns dann über den Schliersee, wo wir vergeblich einen Fußweg am See entlang suchten, allmählich und behutsam, nachdenklich, froh und ein bisschen müde, nach Hause zurück.

 

Angela Pokolm

 


Das Foto zeigt die 'flotte Hannah', unsere tüchtige Dampflok von der Achenseebahn.


Angela Pokolm, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.08.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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