Niklas Voerste

Zu müde. Zu früh am Morgen.

Kurz nach 7 morgens. Wie immer. Eingeschlossen in seine Kapuzenjacke hockte er unter dem kleinen Dach der Bushaltestelle. Der Rauch seiner Zigarette wirbelte durch den stürmischen Herbstmorgen. Das laute Prasseln des Regens wirkte fast etwas beruhigend. Für eine Weile schien das Leben für ihn in Ordnung. Doch er wusste, dass er vielleicht nur noch 2 bis 3 Minuten hatte, bis sein Bus kam und es weiter ging. Kaum hatte er sich mit diesem Gedanken abgefunden bog der Bus um die Ecke. Er drehte den Kopf, um nicht in die grellen Scheinwerfer sehen zu müssen. Er stieg in den Bus und ihn empfing das gleichgültige Lächeln des Busfahrers. Ein Ticket war nicht nötig. Er nahm diesen Bus seit 4 Jahren. Der Fahrer kannte ihn. Auf dem Weg zu seinem Platz schaute er in die üblichen Gesichter. Ein paar Schulkinder die morgens schon so viel Energie hatten, dass sie den ganzen Bus mit ihrem Geschreie auf die Nerven gingen, teilten sich den Viererplatz im vorderen Teil. Die Kopfhörer in seinen Ohren übertönten das zum Glück. Kurz überlegte er die Kinder darum zu bitten etwas leiser zu sein. Doch diesen Gedanken verwarf er schnell. Zu müde. Zu früh am Morgen. Er setzte sich auf seinen Platz und vergrub sich in seiner vom Regen durchnässten Jacke. Er schaute aus dem Fenster und sah nicht viel außer den Regen an der Scheibe. Dahinter bloß die Schwärze des Morgens und ein paar Umrisse von Häusern, Schildern und Menschen mit Kapuzen und Regenschirmen. Wieder schien das Leben vorerst in Ordnung. Schweigen, Musik hören und aus dem Fenster in den Regen starren. In Anbetracht des Tages der sich gerade in seinem Kopf vor ihm auftürmte, war diese Beschäftigung doch eine angenehme.

Am Busbahnhof angekommen, stieg er begleitet von der Punk-Musik in seinen Kopfhörern aus. Er war wie immer spät dran. Wenn er sich beeilen würde, könnte er es noch Pünktlich zur Schule schaffen. Eine Überlegung die für ihn nicht in Frage kam. Zu müde. Zu früh am Morgen. Zeitdruck haben nur Leute, die pünktlich sein wollen. Er hatte andere Prioritäten, Kaffee. Wie fast jeden Morgen war sein erstes Ziel der Bäcker der kleinen Innenstadt. Nur die Musik im Ohr und das Prasseln des Regens auf der Kapuze seiner Jacke. Sonst sah er nur wie Leute hastig zur Arbeit oder sonst wohin eilten und sich die Münder von 2 Bauarbeitern scheinbar geräuschlos bewegten. Als er schließlich den Bäcker erreichte nahm er seine Kopfhörer heraus und zuckte ein wenig zusammen, als sich ihm die Geräuschkulisse von fauchenden Kaffeemaschinen und dem Geschnattere der Angestellten bot. Mit einem erleichterten Lächeln sah er auf die Kaffeemaschine. Den Kaffee hatte er nun wirklich nötig. „Die kleinen Dinge im Leben.“ dachte er scherzhaft. Nun etwas positiver gestimmt, dachte er : „Jetzt könnte ich mich ja doch noch etwas beeilen.“ als er die blinkende Anzeige auf dem Display der Maschine sah auf der : „Kaffeesatzbehälter leeren“ stand. „Na schön, dann nicht“ dachte er mit einer zufriedenen Aphatie. Warum jetzt anfangen sich aufzuregen. Zu müde. Zu früh am Morgen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.09.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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