Karin Keutel

Wanderung zur Apostelbrücke

Wanderung zur Apostelbrücke

Meine Wanderung führt mich heute am Flusslauf der Wipper entlang. Sie entspringt im Eichsfeld in dem kleinen Städtchen Worbis und

fliesst auf einer Länge von 88 km bis sie bei Sachenburg, an der Thüringer Pforte, in die Unstrut mündet.

Leise plätschert das Wasser in ruhigem Lauf vor sich hin.

In den alten Bäumen erwacht der Vogelgesang und langsam geht im Osten die Sonne auf. Noch ist die Morgenluft erfrischend und kühl.

Am kleinen Wehr wird das Rauschen des Wassers lauter und sprudelt in die Tiefe.

Am Ufer ruhen noch die Entenfamilien und vermitteln einen ruhigen, friedlichen Anblick.

Rechts und links säumen erntereife Kornfelder meinen Weg. Auch in diesem Jahr erfreuen mich wieder die herrlichen blauen Kornblumen und der rote

Klatschmohn, die sich im leichten Morgenwind wiegen.

Schon sehe ich das alte Wasserschloss, erbaut 1735 und einstiger Sitz der Grafen von Hagen. Wegen seiner Schieferbedachung wurde das Schloss auch als “Blauer Hof" bezeichnet und hat eine geschichtsträchtige, eigene Geschichte.

Weiter führt mich mein Weg am Fluss entlang, bis ich entlich mein Ziel erreicht habe, den Rastplatz an der neu errichteten Apostelbrücke.

Die Sonne steht schon hoch am Himmel, es ist warm geworden und ich entschließe mich

hier zu verweilen, inne zu halten und die Umgebung zu genießen.

Nach einem kühlen Schluck und einer kleinen Stärkung, schaue ich mir die Brücke an, die zwischen 2010 - 2013 neu errichtet wurde und heute Wanderern und Radfahren den Weg über die Wipper frei gibt.

Die kleine Brücke hat eine zeitumspannende Geschichte und so soll sie ihren Namen Apostelbrücke, dem Heiligen Bonifatius verdanken, der hier gepredigt haben soll.

Meine Gedanken schweifen in die Vergangenheit, als hier im 12. und 13. Jahrhundert Reiter, Pferdewagen und Pilger die damalige Furt über die Wipper nahmen.

So reiste auch Adelheid von Lare, Burgherrin und Tochter des Grafen Berengar von Lare, mit ihrem Gefolge hier entlag, um das von ihr im Jahr 1127 gestiftete Zisterzienserkloster Walkenried zu besuchen oder die Kaiserpfalz in Goslar.

Mit etwas Fantasie kann ich den Reitertross von der nahen Burg kommend und hier entlangziehend noch erahnen, Hufgetrappel, Wagenräder knarren und Ketten klirren, lange Strecken zu Reisen mit Pferd und Wagen, welche Anstrengung.

Neben dem leise plätschernden Wasser, kann man mit Blick über Kornfelder, Wiesen und sanfte Hügel, die Zinnen der Burg Lohra, auf dem Bergsporn der Hainleite in 410m ü. NN, den ehemaligen Sitz der Grafen von Lare sehen. Noch heute kann man die zum Teil noch guterhaltenen, mittelalterlichen Bauten betrachten.

Die Furt über die Wipper war im Mittelalter, in das Wegenetz verschiedener Handelsstrassen, wie auch in die via regia eingebunden. Nach dem eine hölzerne Brücke viele Jahre ihren Dienst tat, wurde 1803 die erste steinerne Brücke, aus den Steinen des Lohraer Bergfrieds errichtet und tat viele Jahre ihren Dienst und verband den Zugang zu den umliegenden Feldern.

In den darauffolgenden Jahren mit zunehmender Technisierung änderte sich das Wegenetz und die kleine Brücke geriet in Vergessenheit und war somit dem Verfall preisgegeben.

Es ist Bewundernswert, dass sich im 21. Jahrhundert Menschen zusammentaten, einen Verein gründeten und mit viel Mühe und Aufwand diesem Kleinod der Geschichte zu neuem Leben verhalfen.

Gerne legen heute Menschen, aus unterschiedlichen Gründen, auf diesem neu errichteten Rastplatz, eine Pause aus dem hekischen Alltag ein und genießen die Natur.

Bevor ich meinen Heimweg antrete, pflücke ich mir noch einen schönen Feldblumenstrauss und nehme ihn, mit guten Gedanken an eine schöne Wanderung, mit nach Hause.

 

Text & Bild Karin Keutel

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.09.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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