Peter Kröger

Obstbäume

 

 

 

 

Es ist dunkel. Die alten Obstbäume im Vorgarten träumen. Auf dem Gehweg zeigen sich Umrisse der letzten lärmenden Versprengten, die heimwärts streben. Wer in sich gehen, empfinden und erkennen will, hat sich zurückgezogen.

Im Bücherzimmer brennt noch Licht. Iris und Barbara sitzen in großen Sesseln mit blanken, abgewetzten Polstern. Sie sind Schwestern und teilen ihr Leben. Sie lesen und schweigen, wie jeden Abend. Dann schlägt die Uhr zwölf und Iris liest den letzten Satz einer kurzen, schaurig-schönen Geschichte mit gutem Ende. Sie schlägt ihr Buch zu und sieht zum Fenster. Wen die Nacht umarmt, den würgt sie nicht.

Barbara schaut auf die Bücher in den Regalen. So viel Bekennen, so viele Fragen bleiben. Der Roman in ihren Händen gibt ihr zu denken. Warum zerstört Emily, was sie liebt? Glaubt Emmy, wie sie genannt wird, irgendetwas änderte sich durch Leid und Schmerz, glaubt sie gar, es änderte sich nicht? Glaubt sie es wirklich? Barbara fühlt ein Loch auf der Armlehne.

Jetzt nickt sie und tut es der älteren Schwester gleich. Eichendielen knarren leise. Vorhänge rascheln. Die alten Obstbäume räuspern sich und träumen weiter. Das Licht wird gelöscht.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.09.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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