Monika Jarju

Café au lait (3)

Händler stürzen hinter ihren Ständen hervor, stecken schnell einen von ihnen eine Flöte oder ein Stoffkamel in die Hände. „Geschenk“, rufen sie eindringlich, verneigen sich und nennen einen Preis. Andere halten die Touristen am Arm fest und bedrängen sie mit Ledertaschen, die sie ihnen an den Körper drücken oder halten ihnen geöffnete Parfümflaschen unter die Nase. Dabei gestikulieren sie wild mit den Armen und reden in Bruchstücken verschiedener Sprachen lautstark auf sie ein. Aus der ruhigen Distanz, in der sie sitzt, verfolgt sie das Spiel, das sich hemmungslos vor ihr entfaltet. Die Händler sind aufdringlich und unverschämt zugleich, sie dulden die fremden Menschen in ihrer Stadt. Skrupellos tauschen sie für schmutziges Geld ihre gegenseitige Verachtung aus. Jeder bekommt, was er gibt, kommt ihr in den Sinn, während ihr Mann dem Wirt ein paar Dinar in die Hand drückt.

Als sie aus dem Café treten, versperrt ihnen ein Händler den Weg. Er mustert ihren Mann abschätzig, dann sieht er sie lange an. Seine Augen huschen flink hin und her, verraten seine Gedanken aber nicht. „Heute machen wir Karneval“, sagt er herausfordernd, ein verächtlicher Zug umspielt seinen Mund. Sie ist sich nicht sicher, ob er ihnen gilt oder der Maskerade des Marktes.

Sie verlassen die Medina und den Souk, und weichen in die engen Gassen zur Seite aus. Ihr Mann blickt stur geradeaus aus, seine Gesichtsmuskeln sind angespannt, sie kennt diesen Ausdruck seit Tagen an ihm. Eine stille Wut zerrt an ihm, er setzt die Kopfhörer seines Walkmans auf und klinkt sich einfach aus. Erstaunt über sich selbst, denkt sie mit einem leichten Anflug von Zufriedenheit: So fühlte ich mich manchmal in deinem Land.

Jemand beobachtet sie von hinten, sie spürt es deutlich wie einen heißen Fleck auf ihrem Rücken und dreht sich gespannt um. Der Händler steht noch am gleichen Platz, jetzt dicht mit zwei anderen Männern zusammengedrängt. Abrupt unterbrechen sie ihr erregtes Gestikulieren und starren sie schamlos an. Eine Mischung aus Verachtung, unverhohlener Neugier, Begehren trifft sie. Sie wendet sich ab, fühlt das Kleben der Blicke wie Schmutz auf ihrem Kleid.



 

 

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