Katja Baumgärtner

Eine komische Liebesgeschichte

Ein Junge aus dem Reich der Toten erwacht, um seine ewige Ruhe zu finden?

Er kam öfters.Vielleicht hat er immer noch nicht seine ewige Ruhe gefunden und kommt wieder.

Auf alle Fälle hat er menschliche Züge angenommen und sprach zu ihr, zu Hanni, die fühlte, dass er tot war. Er kam eigentlich des nachts und bewegte Gegenstände hin und her und machtein ihrem Schlafzimmer gespenstigen Krach.
Dieses Mal machte er sich nicht als Geist bemerkbar, sondern er war aus Fleisch und Blut, das dachte wenigstens Hanni, als sie mit ihm redete, mit einem jungen Mann. Aber nichts war wie sie dachte.

Sie lernten sich am Telefon kennen. Hanni hatte damals große Angst, das Herz raste und ihr war schwer zu Mut. Sie griff einfach zum Telefonhörer und rief eine Servicenummer an.

Das machte sie, weil sie keinem etwas erzählen konnte, nur einem Fremden und das war dieser junge Herr, der den Hörer abnahm und mit ihr redete. Er war sehr einfühlsam und ruhig und fragte sehr eindringlich nach. Das gefiel Hanni. Sie spürte Nähe und Vertrautheit. Er verlange ihre Telefonnummer. Bei seinem zweiten Versuch gab Hanni sie endlich heraus. Er wollte sie anrufen, wenn immer er konnte, und sie sich bei ihm meldete. Hanni freute sich. Sie wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht wie verliebt sie war, aber sie war es und wie.

Zur Zeit verliebte sie sich zwar dauernd, aber dieser jungen Mann tat es ihr besonders an. Er war so ruhig und vertrauensvoll. Es stellte sich bald heraus, dass er ihr neues Herzblatt war.

Früher wenn sie jemanden anrief, war das nicht so, sondern sie freute sich einfach nur wenn jemand mit ihr redete. Hanni rief wieder die Servicenummer an und nach dem zweiten Versuch erreichte sie ihn wieder zufällig.

Der Mann am Apparat vorher war auch ganz nett, aber er war nicht so wie er, wie Felix, den sie ihre Telefonnummer gab. Felix war so ruhig und vertrauensvoll. Sie fragte, warum er sie nicht angerufen hatte. Er sagte jetzt nur, er mache es mal.

Er wusste, dass er es nicht machen würde, wie konnte er auch - er war ja ein Geist. Der Geist, der einfach im Himmel aufgefahren war und seine ewige Ruhe nicht fand. Hanni erinnerte sich, er war wie der Junge von damals, den Hanni vergeblich suchte und nicht fand. Den Hanni für tot glaubte, weil er wie vom Erdboden verschluckt war. Den Hanni aus den Augen verlor, als sie nicht bei ihm war, als er sie brauchte.

Hanni wurde damals verrückt, sie sprach wirres Zeug. Sie war nicht mehr Herr ihrer selbst. Damals als sie verrückt war, half ihr jemand. Er schwieg und rief sie an und schwieg.

Felix war wie er, wie der Junge am See, meine ich. Er war so geheimnisvoll, der Telefonist. Er gab Hanni seine Telefonnummer, bei der sie auch anrief. Er musste geweint haben, er hatte große Sorgen, schien es Hanni. Es musste mit ihr zu tun habe. Hanni wusste es natürlich nicht. Sie hatte nur so ein Gespür. Einmal verlangte Hanni nach seiner Adresse. Eine Adresse, die es auf der ganzen Welt nicht gab, gab er ihr.

Er war wohl der Weihnachtsmann, dachte Hanni, aber sie wollte doch den jungen Mann kennenlernen, der so ruhig und vertrauensvoll war.

Hanni rief ihn öfters an. Er war nun immer so kurz angebunden und abweisend bis er sich öffnen wollte. Es schien zu spät, der Brief kam zurück. Es gab diese Adresse nicht. Der Brief erreichte Felix nicht. Es stimmte einfach gar nichts.
Hanni rief an, beschimpfte ihn. Er wurde immer kleinlauter. Dann war alles still, und Hanni spürte Todeskälte. Es war plötzlich so kühl und still, als war noch nie jemand auf der anderen Seite des Telefons gewesen, Hanni fühlte den Tod. Seitdem war die Leitung tot gewesen und Hanni hörte nachts dieses Gepolter nicht mehr – im Schlafzimmer, wenn sie wach war und nachdachte.

Er löste sich damals wie ein Geist auf, der Felix mit samt dem Spuk nachts.

Er hatte für einen Moment wieder menschliche Züge, der Junge von damals. Sie hatte ihn damals versetzt. Sie sah ihn noch im Auto. Vielleicht kommt er wieder einmal - natürlich als Geist, dachte Hanni und lachte. Ihre Schwärmerei zu beiden vergaß sie ganz, nur die Erinnerung an diese komische Liebesgeschichte blieb, die ich dann aufschrieb.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.09.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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