Peter Kröger

Bergers Beichte

 

Können kann ich es nun. Alles sagen. Hier, wo geruht, gestorben wird, im Dämmerlicht, heute, morgen. Was aber will ich sagen? Wem? Hallodri nannten mich die Leute, Schlitzohr, Schuft. Noch ist Zeit. Kein Gott, kein Geistlicher, Ungläubiger, der ich bin. Kein Kind, das quengelt, starrt. Freunde gingen vor mir, längst.

Die Hand in ihrer, in seiner. Schwester Barbara, Irina, Gertrud, Pfleger Ahmed, Manfred, Michael, wer Dienst hat, nimmt meine Hand, heut Abend Ahmed, gut, Ahmed mit den starken Armen, er mag notieren, was ich zu sagen habe, was ich nun weiß, und dann das Ganze draußen gleich unter dem Fenster im Garten entzünden, einmal noch aussprechen die Worte und fort, darum, nur darum geht es.

Ahmed rückt ans Bett mit Blatt und Stift, ernst lächelt er, der brave, gute Mann und schüttelt die Streichholzschachtel. So ist es recht, denk' ich, was Kurzes sag ich ihm, ganz kurz, sonst schaff' ich's nicht. Sein Ohr berührt fast meinen Mund.


 

Je dreister die Lüge, desto kleiner das Leben.


 

Ahmed lauscht. Papier raschelt, ich hör' es.


 

Ahmed?

Herr Berger?


 

Etwas Kraft ist noch da:


 

Doch ausreichend allemal.


 

Ahmed zögert. Dann schreibt er. Die Nacht wird groß, denk' ich, hereinspaziert, immer hereinspaziert. Unter dem Fenster flackert ein Licht auf. Hell ist die Wahrheit. Ich muss kichern. Oder träum' ich schon? Ein Weilchen, alles nur ein Weilchen. Meine Hände sind frei. Menschen, Planeten, nun habt mich gern. Seelenruhig leg' ich ab. Lustig flattert das Segel.

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