Peter Biastoch

Wo sind sie?

Bis anfang März waren sie aus dem Straßenbild von Städten und Gemeinden nicht wegzudenken. Sie standen mit ihren Trolleys und Infoständen an den Straßenrändern und auf Plätzen. Sie standen vor den Häusern und klingelten bei einelnen Bewohnern, die Bibel in der Hand, oder ein Tablet. Immer freundlich und oft lächelnd, gut angezogen und gepflegt.

Dann kam Corona und die entsprechenden Beschränkungen wurden erlassen. Das Resultat? Die Zeugen Jehovas verschwanden aus dem öffentlichen Bereich. Doch wohin sind sie? Geht ihre Religionsausübung weiter – und wenn ja, wie? Das haben sich inzwischen sicherlich schon viele gefragt und bevor es zu Spekulationen kommt, möchte ich ein paar Worte darüber verlieren.

Bin ich dazu befähigt? Nun ja, ich bin selbst ein Zeuge Jehovas und ich habe meinen Finger am Puls dieser Organisation. Für die Versammlung, mit der ich verbunden bin, schreibe ich seit etlichen Jahren eine Versammlungs-Chronik, damit sich auch nachfolgende Generationen über unsere Zeit informieren können. (Josua 4, Verse 5 bis 7) Doch zurück zu dem Verschwinden aus der Öffentlichkeit.

Dass wir den Predigtdienst in der Öffentlichkeit zurzeit nicht ausüben liegt daran, dass wir gehorsam sind. Gehorsam gegenüber den staatlichen Beschränkungen und wir haben große Hochachtung vor der göttlichen Gabe des Lebens! (Markus 12, Vers 17)

Entsprechend lauten auch die Anweisungen, die wir von der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas, aus Broklyn, oder Selters erhalten. Ich erinnere mich an den 14. März dieses Jahres. Man sprach in den Medien bereits von den geplanten Einschränkungen. Da erhielten, an jenem Samstagvormittag, die verantwortlichen Männer aller deutschen Versammlungen (sicher auch in anderen Ländern Europas) eine Mitteilung, in der es hieß, dass wir mit sofortiger Wirkung alle Aktivitäten in der Öffentlichkeit einstellen. Auch alle Zusammenkünfte in den Königreichssälen und in privaten Räumen wurden abgesagt. Sofort wurden alle anderen Zeugen Jehovas darüber informiert!

Verschiedene Verkündiger waren zu dieser Zeit bereits unterwegs, um ihren Dienst, von Haus zu Haus, oder anderer Art, auszuführen. Sie brachen sofort alle Bemühungen ab und fuhren wieder nach Hause.

Viele von uns fragten sich da noch, wie das wohl weiter gehen soll? Diese Fragen wurden sehr schnell beantwortet. Am 15. März fiel die Zusammenkunft nicht aus. Wir hier hätten an diesem Sonntag einen Kongress erlebt, den wir uns nun aus dem Stream herunter laden konnten, oder direkt am PC ansahen. Am darauf folgenden Mittwoch und Sonntag schauten wir uns die geplante Versammlung, mit Vortrag und dem Studium der Bibel, anhand des vorgesehenen Wachtturmartikels im Stream an.

Nur eine Woche später erhielten alle ihre persönlichen Zugangsdaten für „Zoom“, einen Internet-Konferenzraum, in dem seither unsere regulären Versammlungen abgehalten werden. Jeder, der sich dort mittels PC, Laptop, oder Tablet einwählt und eine Kamera an seinem Gerät hat, kann von den Anderen gesehen werden und so mit ihnen, nahezu Auge in Auge, sprechen. Das Programm läuft praktisch unverändert, wie vor Corona-Zeiten. In „Brackout-Session“ erhalten wir, nach dem regulären Programm, in kleinen Gruppen, die Gelegenheit des persönlichen Kontakts zueinander! Auch das ist vergleichbar, mit den Zeiten, als wir uns im Saal, im zeitlichen Umfeld des Programmes, persönlich unterhalten haben.

Schon seit Jahren wurden wir zur Verwendung von Tablet-Computern hingeführt. So ist es jetzt selbst den Senioren, mit weit über 80 Jahren möglich, sich nicht nur die Übertragung der Zoom-Konferenz anzusehen und anzuhören, sondern sich auch selbst daran zu beteiligen!

Ebenfalls schon seit Jahren weisen wir in unserem Predigtdienst auf unsere offizielle Website www.jw.org hin. Man findet diese Adresse und auch einen Quell-Code dafür auf allen unseren, seit dieser Zeit, herausgegebenen Publikationen. Inzwischen haben die meisten Zeugen Jehovas ein eigenes Tablet und darauf unser „JW-Library“, anstelle des Wachtturms aus Papier. Es würde zu weit führen, jetzt alle Vorteile dieses Programmes aufzuzählen. Nur eines vielleicht. Früher waren wir mit schweren Aktentaschen voller Literatur unterwegs. Nun haben wir das Tablet dabei und darauf eine reichhaltige Bibliothek mit Bibel, Büchern, Zeitschriften und Videos.

Wir alle werden also weiterhin, für das eigene, persönliche Leben, sowie für den Predigtdienst geschult! Sicher fragt sich nun jemand: Und predigt ihr jetzt auch? Die Antwort ist eindeutig, ein Ja. Noch immer besteht für uns die Aufforderung Jesu, aus Matthäus 28, Verse 19 und 20: „Darum geht und macht Menschen aus allen Völkern zu meinen Jüngern, tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehrt sie, sich an alles zu halten, was ich euch aufgetragen habe. Und denkt daran: Ich bin die ganze Zeit über bei euch bis zum Abschluss des Weltsystems.“

Wir gehen zwar nicht mehr von Haus zu Haus und auch in keine andere Form des öffentlichen Predigens. Doch wir halten den Kontakt zu denjenigen, die bisher bereits ein gewisses Interesse an der biblischen Wahrheit gezeigt hatten. Wir telefonieren mit denjenigen, die uns dazu ihre Erlaubnis gegeben haben und wir schreiben Briefe an alle, irgendwo eingetragenen, offiziellen Adressen, von Privatpersonen, Ämtern und Geschäften. Außerdem verbietet uns niemand, mit jemanden über Gott und die Bibel zu sprechen, mit dem wir sowieso zufällig zusammen sind, z.B. in Wartezimmern, oder am Gartenzaun – mit 1,50 m Abstand. Da sind wir nicht nur in biblischen Dingen geschult, sondern auch einfallsreich!

Doch gern möchte ich noch einmal auf unsere Website zurück kommen. Wer sie sich einmal unverbildlich ansieht, wird erstaunt sein, was er alles dort findet. Eine riesige Bibliothek, zu allen Themen, die mit der Bibel und einem biblischen Leben zu tun hat. Unser Lieder, als Notenblatt, instrumental gespielt, gesungen und als mit Bild- und Filmsequenzen unterlegtes Video. Pädagogisch wertvolle Videos für Kinder. Auch komplette Spielfilme.

Darüber hinaus wird die Seite, unter „Neu auf jw.org >“ nahezu täglich aktualisiert. Dort findet man die aktuellen Meldungen. Unter anderem, über unsere Kathastrophenhilfen weltweit. Ganz am unteren Rand findet man viele weitere Links. Unter anderem zu „JW Broadcasting“, das monatliche Fernsehprogramm von Jehovas Zeugen.

Mein ganz persönlicher Rat ist: Einfach mal stöbern! Es passiert niemanden etwas. Man muss sich nicht anmelden und diese Seite ist vollständig kostenfrei! (Matthäus 10, Vers 8) Es kommt auch keine Werbung hinterher!!!

Als unser aller Vorbild, Jesus Christus, auf der Erde war, wollten skeptischen Menschen oftmals ein Wunder von ihm sehen. Nun, sie bekamen in aller Regel keines zu sehen. Denn sie hätten es nicht als solches anerkennen wollen. Das verhält sich heutzutage nicht anders. Doch ich möchte ein paar erwähnen, für diejenigen, die ehrlich nach Gott suchen. (Apostelgeschichte 13, Vers 48)

Die eben erwähnte Website ist ganz, oder teilweise, in über 600 Sprachen online! Der regionale, dreitägige Kongress, den wir in diesem Jahr als Stream erlebt haben, wurde in über 500 Sprachen übersetzt und synchronisiert – innerhalb eines halben Jahres! (Matthäus 24, Vers 14)

Wo findet man darüber hinaus noch eine solche Einheit, in allem? In der biblischen Belehrung, der gegensetigen Hilfeleistung, den zwischenmenschlichen Beziehungen? (Johannes 13, Vers 35)

Noch ein Wunder erwünscht? All das und viel, viel mehr, wird ausschließlich mit freiwilligen Spenden finanziert! Keine Kolekten, keinen „Zehnten“!

Und, was unsere Tätigkeit in der Öffentlichkeit anbelangt: Der Virus kam. Er wird auch irgendwann wieder gehen. Dann sind wir wieder für alle da, die sich der Tatsache bewusst sind, dass sie Gott brauchen! (Matthäus 5 Vers 3)

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