Hans Pürstner

Kommissar sucht Frau

Der gute alte Tatort, wo ist er geblieben? Ein Gewaltverbrechen passiert, das Ermittlerteam fährt zum Tatort, sucht erste Hinweise auf Tathergang, Verdächtige, mögliches Motiv.
Danach werden Alibis überprüft, gleichzeitig sieht man das persönliche Umfeld des Opfers, rätselt über die Gründe, derentwegen das Verbrechen geschah. Man erkennt, wie sich Probleme wie Eifersucht o.ä. so sehr verstärken können, dass es zum äußersten kommt. Und dass in einer bestimmten Konstellation wohl jeder zum Mörder werden kann. Korrekt aber hartnäckig wühlen die Kommissare solange im Sumpf der Verdächtigen bis sie am Ende die Tat aufklären können.

Leider stehe ich mit meiner altmodischen Auffassung von gutem Krimi heute wohl ziemlich allein. Die einen erwarten halsbrecherische Verfolgungsfahrten, Explosionen und andere Gimmicks um nicht nach zehn Minuten enttäuscht abzuschalten, die anderen brauchen eine Portion Sturm der Liebe, Traumschiff oder Bauer sucht Frau.
Bevorzugt werden die Ermittler gezwungen, z. B. Kinder von der geschiedenen Ehefrau abzuholen, ode arbeiten Tag u n d Nacht an der Lösung des Falles um nicht nach Hause zu müssen, wo die böse Schwiegermutter zu Besuch ist. Wenn sie denn überhaupt Familie haben. Anscheinend gibt es bei der Mordkommission fast nur noch einsam Wölfe, Psychopathen oder zumindest chronisch schlecht gelaunte Menschen.
Hin und wieder gibt es eine kleine Liebesgeschichte die meist angeblich berufsbedingt im Drama endet aber auch schon mal über zahllose Folgen häppchenweise weitererzählt wird. Ich fürchte irgendwann kommt noch mal eine weiße Hochzeit zwischen Kommissar und Kollegin mit den üblichen Ingredienzien. Da werden dann Millionen von wohl vorwiegend weiblichen Zusehern gebannt vor der Glotze sitzen und mehr als eine Träne der Rührung vergießen.
Oft rennen auch Beamte mit nicht wirklich sportlicher Figur minutenlang mit gezogener Waffe einem Verdächtigen hinterher, treppauf, treppab, wobei ich schon beim Zusehen Konditionsprobleme bekomme.
Ich vermute dass die jeweilige Redaktion den Drehbuchautoren eine Art Kochbuch vorgibt á la: eine große Portion unerträgliche Spannung, ein Löffelchen Sozialkritik, endlos ausgewalzte private Probleme des Kripobeamten und eine Prise Rührung. Alles nur, um auch die Partnerinnen der Krimifans zufriedenzustellen, die ja diese ach so grausamen Szenen sonst kaum ertragen können. Dabei gibt es doch grade beim Sonntagabend Krimi im ZDF die perfekte Alternative für sie mit Liebe unter Palmen, erregten Streitgesprächen unter den Hauptdarstellern die stets mit Versöhnungsküssen in Großaufnahme enden, meist auch noch mit rührender Hochzeit in Weiß.
Schade, dass man nicht mehr echte Krimis für die einen und „Schnulzen“ für die anderen bekommt.
Wenn das jetzt frauenfeindlich rüber kommt tut mir das leid, doch ich kenne einige Frauen die genauso wie ich lieber unverfälschte Kriminalfilme sehen möchten
Mir bleiben halt nur noch Hubert und Staller, die persiflieren die Krimis und nehmen alles nicht so bierernst mit einer gehörigen Portion Schalk im Nacken.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.09.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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