Heinz-Walter Hoetter

Im Land der Fantasie

 

 

 

Über dem Eingang zum Land der Fantasie hängt ein großes Schild mit der Aufschrift

 

Herzlich willkommen!

 

Maike lebt in diesem wunderbaren Land mit vielen anderen Lebewesen zusammen schon seit langer Zeit, obwohl es hier eigentlich keine Zeit und auch keine Uhren gibt.

 

Heute ist sie gut gelaunt, denn Maike erwartet Besuch von ihrer besten Freundin Mira. Soeben hat sie zwei Becher mit Apfelsaft eingegossen, als es draußen an der Tür klingelt.

 

Maike stellt die Becher auf den Tisch und geht rüber zur Tür und öffnet sie.

 

„Hallo Maike!“ ruft Mira, „komm' nach draußen! Überall liegt Schnee. Wir können mit dem Schlitten die kleine Anhöhe hinter deinem Haus runter fahren. Das wird bestimmt viel Spaß machen.“

 

„Ich habe für uns beide zwei Becher Apfelsaft auf dem Tisch stehen. Die sollten wir vorher trinken. Komm also erst mal rein, Mira.“

 

Die beiden Mädchen gehen ins Haus, setzen sich an den Tisch uns trinken genüsslich ihren Apfelsaft. Als die Becher leer sind, gehen beide nach draußen, holen sich den Schlitten aus dem Keller und marschieren zu der Anhöhe, die gleich hinter dem Haus liegt.

 

Draußen ist es richtig schön. Überall glitzert der Schnee und die vielen Bäume, die überall herumstehen, hängen voller Obst, obwohl es geschneit hat.

 

So ist das eben im Land der Fantasie. Es ist Winter und gleichzeitig wachsen auf den Bäumen und Sträuchern alle möglichen Früchte. Wer Hunger hat, der geht einfach hin und pflückt das, was ihm gut schmeckt.

 

Maike und Mira setzen sich auf den Schlitten und rasen den Hügel runter. Unten angekommen, gehen die beiden gleich wieder nach oben, wo sich auf einmal immer mehr Wesen aus dem Land der Fantasie treffen. Alle wollen den Hügel runter fahren.

 

Da ist z. B. die Elfe Nameira mit den riesengroßen Ohren, die Gnom Bari mit dem roten Spitzhut auf dem Kopf, das Einhorn Kandy mit dem langen Horn auf der Stirn oder Maralaya, die Traumgestalt, die einen weißen Körper hat, der fast wie ein Kleid aus Seide aussieht.

 

Oben auf der Anhöhe angekommen begrüßen sich alle und klatschen vor lauter Freude in die Hände.

 

„Machen wir einen Wettkampf?“ ruft plötzlich das Einhorn Kandy und fährt fort: „Wir rodeln um die Wette. Seid ihr alle einverstanden damit?“

 

Alle rufen ganz laut JA!

 

Dann geht der Wettkampf los.

 

Es geht darum, wer am schnellsten den Hügel runter fährt und wieder oben ankommt.

 

Als der Wettkampf vorbei ist, steht die Gewinnerin fest, nämlich Maike. Auf Platz zwei landet die Elfe Nameira und auf Platz drei die Traumgestalt Maralaya, die sich über den dritten Platz dermaßen freut, dass sie wie wild Purzelbäume schlägt.

 

Von einer Sekunde auf die andere verschlechtert sich das Wetter, was im Land der Fantasie sehr oft vorkommt. Aber es kann auch ganz anders kommen, dann scheint plötzlich die liebe Sonne und lässt den Schnee wieder auftauen.

 

Die Schneewolken am Himmel verschwinden und machen einem wunderbar blauen Himmel platz, an dem hoch droben die liebe Sonne scheint. Im nahe gelegenen See schwimmen alle möglichen Traumfische herum, die in allen nur denkbaren Farben leuchten.

 

Jetzt gehen alle runter an den See, ziehen ihren warmen Sachen aus und springen übermütig ins Wasser, das so warm ist, dass darin keiner frieren muss. Auch das ist im Land der Fantasie möglich.

 

Als es draußen langsam dunkel wird, fragt Maike die anderen, ob sie alle die Nacht in ihrem Haus verbringen möchten. Wer will, kann bei ihr schlafen. Das Haus ist groß genug.

 

„Es ist sehr nett von dir, liebe Maike, dass du uns in deinem Haus schlafen lässt“, sagt Mira. Es ist so gemütlich in deiner Wohnung. Ich komme gerne zu dir. Was ist mit euch?“, fragt sie die anderen.

 

Alle wollen natürlich auch zu Maike, denn die serviert ihren Gästen immer ein schönes Abendessen, was alle wissen.

 

Alle lachen und machen Späße bis tief in die Nacht hinein. Dann geht jeder nach und nach in seine Schlafecke oder legt sich gemütlich ins Bett. Bald wird es ruhig in Maikes Haus.

 

Am nächsten Morgen hat sich draußen das Land der Fantasie wieder völlig verändert. Man kann den Duft der bunten Traumblumen riechen, die überall auf weiten, grünen Wiesen wachsen. Fantasievögel mit langen, bunten Federn fliegen in der morgendlichen Sonne in der Luft lebensfroh rauf und runter und zwitschern dabei lustige Melodien. Auch die Bäume singen gemeinsam leise ein Lied und wiegen dabei im sanften Wind ganz langsam hin und her. Überall sieht man Rehe mit großen Kulleraugen, die einen weißen, durchsichtigen Körper haben.

 

Als Maike die Tür ihres Hauses öffnet, traut sie ihren Augen nicht. Überall hat das Land der Fantasie für seine Bewohner schöne Traumhäuser gebaut. Als alle endlich wach geworden sind und nach draußen gehen, blicken sie mit weit geöffnetem Mund staunend in der Gegend herum.

 

„Hurra!“ rufen sie auf einmal gemeinsam. „Jetzt hat von uns jeder ein eigenes Haus. Hoch lebe das Land der Fantasie!“

 

„Das muss gefeiert werden!“ ruft Maike und lädt alle zu einer großen Party auf dem Dorfplatz ein. Alle helfen mit und besorgen Gläser mit Trinkhalmen oder Teller und Tassen mit Messer, Gabeln und Löffeln. Die fleißigen Bienen bringen den süßen Honig und Maike holt einen übergroße Torte aus ihrem Haus, von der jeder ein Stück abbekommt. Auch die Blumen freuen sich darüber, dass sie mitfeiern dürfen und duften jetzt noch betörender als vorher.

 

Auch die Traumtiere des Waldes finden sich ein und jedes von ihnen bringt irgendetwas mit.

 

„Woher kommen all die vielen Sachen?“ fragt Mira ihre beste Freundin Maike.

 

„Das Land der Fantasie sorgt gut für uns. Die Sachen stammen von den Träumen der Menschen, die in der Nacht von den guten Geistern der Fantasie besucht werden. Dann nehmen sie hier und da mal ein paar Dinge mit, denn die Menschen merken nichts davon, wenn man ihnen von ihren Träumen etwas nimmt. Sie träumen immer wieder von schöne Dingen, die sie von Geistern der Fantasie geschenkt bekommen, sozusagen als Ausgleich dafür, dass sie dafür aus ihren Träumen Sachen für uns mitnehmen. Solange nämlich die Menschen träumen, solange wird auch das Land der Fantasie existieren“, antwortet Maike.

 

„Ach“, sagte Mira, „ich bin ja so glücklich hier im Land der Fantasie leben zu dürfen. Wenn die Menschen glückliche Träume haben, dann können auch wir zufrieden und glücklich leben.“

 

„Und am Ende sind wir das alle, die hier im Land der Fantasie leben“, sagt die Elfe Nameira, die den beiden aufmerksam zugehört hat.

 

So ist eben das Leben im Land der Fantasie, das von den schönen Träumen der Menschen lebt. Umgekehrt bekommen die Menschen die schönen Träumen von den Geistern der Fantasie geschenkt, damit auch sie innerlich glücklich und zufrieden sein können, denn ohne Träume würden die Menschen sterben.

 

Das weiß doch jeder – oder?

 

ENDE

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.09.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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