Reiner Mayr

Bauernschlau oder Abitur

Der arme Bauernbub Seppi hatte keine rosige Zukunft vor sich,
der ältere Bruder bekam den Hof, seine Zeugnisse waren miserabel,
nur in Erdkunde und Geschichte bekam er eine 1, das war halt seins.
Er bekam gerade noch eine Lehrstelle bei einem großen Weltkonzern,
die suchten.noch einen Lehrling für ihr Archiv.

Der wohlerzogene Philipp dagegen, noch dazu von einer vermögenden
Stadtfamilie stammend, hatte als 1 er Schüler die besten Voraussetzungen,
eine große Karriere zu machen, schließlich war die unterste Stufe dieses
Familienclans Studiendirektor, nach oben keine Begrenzung.

Der Seppi machte gewissenhaft seine Arbeit, lernte durch das Archiv 
seines fast 200 Jahren alten Konzerns alle Kniffe und Tricks kennen,
wie es so auf der Welt zugeht, um erfolgreich zu sein. Seppi hatte immer schon
eine gewisse Bauernschläue, aber durch dieses Weltwissen, konnte er dieses
natürlich noch verfeinern. Beim durchstöbern alter Dokumente entdeckte er außer
viel Staub schon vergessene Rechte des Konzerns, die nicht mehr wahrgenommen
wurden. Er bekam dadurch viel Lob, aber leider keine Beförderung dazu, die steht 
nur studierten zu, trotz mehrmaligem Versagens in Archivangelegenheiten, die er
ebenfalls entdeckte und daher aufdeckte.

Der Philipp dagegen, trat nach erfolgreichem Abitur, Bachelor und Master in eben
diesen Weltkonzern ein, er legte los wie die Feuerwehr, man war begeistert von ihm,
das ist sicherlich der Mann, der diesen Konzern einmal super leiten kann.
Da erschien einmal der Archivleiter bei ihm und fragte an, wenn man jetzt einmal
zur Vorbereitung des anstehenden 200 Jahr Jubiläums fangen könnte an.
Philipp war aber durch die zahlreichen Beförderungen schon etwas träge geworden,
ich bin ja sowieso schon bald der Boss, der Lenker und Denker des Konzerns,
was war, das zählt doch nichts mehr, nur durch mich kann es Erfolg noch geben mehr.
Also gut, meinte er, schicken sie halt jemanden vom Archiv her, der soll mir die fast
200 Jahre kurz erklären, dieses Wissen und der weitere Erfolg geht aber dann auf meine Ehren.

Der Archivleiter schickte ihm dann seinen besten Mann, Seppi wusste alles auswendig,
Philipp bewunderte insgeheim diesen einfachen Mann, wie er so einfach fast 200 Jahre
im Kopf haben kann. Er fragte dann Seppi, ob er drüber nicht eine Masterarbeit schreiben
würde, dann müsste er sich dies nicht alles merken, oder wäre dies für ihn eine zu große Bürde.

Der Seppi hatte darüber aber nur ein müdes Lachen über, wissen sie, ich brauche keinen Master,
ich bin schon lange selber meisterlich, ich erkläre ihnen hiermit kurz meine Konzerngeschicht:

Von meinem ersten Lohn kaufte ich mir gleich eine Aktie, schließlich muß man ja das Gefühl
haben, das man ab jetzt zu einem Weltkonzern gehört, mit Leib und Seele und Gefühlen.
Die erste Aktie betrachtete ich wie einen Ziegelstein vom Schornstein, dann kaufte ich noch dazu
und schon bald gehörte mir der ganze Schornstein. Der Schornstein rauchte aber erst richtig,
als sich das Töchterlein des Konzernschefs in mich verliebte, es ist ja sein einziges Kind.
Das höchste der Gefühle aber für mich war, als meine Frau erst neulich zu mir sagte,
liebster Seppi, hoffentlich werden unsere Kinder einmal genau so bauernschlau wie du,

man muss nicht unbedingt studiert haben um einen Konzern zu leiten,
ich habe nähmlich erkannt, das du der Mann bist mit den besonderen Gaben!












 
 

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