Patrick Rabe

Are you experienced? - Amerika und sein Mythos seit 1966

„Are you experienced?“

 

Schlüsselsongs zum Verständnis der Hippiekultur im Licht der Gesamtgeschichte der USA im 20. Jahrhundert

 

Vorwort

 

„Um einander verstehen zu können, und einander die jeweilige gegenseitige Geschichte erzählen zu können, muss man zunächst einmal eine Sache miteinander teilen: Eine gemeinsame Sprache. Dann kommen Toleranz miteinander, Verständnis füreinander, Begreifen dessen, was einen trennt und einen eint, und dann Freundschaft, Liebe und ein Miteinander-den Weg –des Lebens-Gehen.“

 

Patrick Rabe

 

 

 

 

Wer sind eure Lieblingsfiguren in der Rocky Horror Picture Show? Meine – wärt ihr drauf gekommen?- sind Brad und Janet. Bin ich ein Langweiler? Ich glaube nicht. Ich mag ja das ganze Musical, auch MIT den ganzen Horrorgestalten, um die es da letztendlich geht. Und „The Rocky Horror Show“ ist schon eine geniale Parodie auf klassische Horrorfilme, wo einem jungen Pärchen der Sprit ausgeht, und sie deswegen versehentlich in einem Spuk-oder Vampirschloss unterkommen und sich dort bewähren müssen.

 

Ich sehe in der Story jedoch noch wesentlich mehr. Und mit Brad und Janet identifiziere ich mich letztendlich, weil sie die Menschen symbolisieren, und die für die Story klassischen Sympathieträger sind. Mich angesichts der gesamten Tragik des 20. Jahrhunderts nur alleine mit irgendetwas oder irgendwem anders als den Menschen identifizieren zu können, käme mir nicht in den Sinn. Ich bin doch selber Mensch. Und auch das 21. Jahrhundert hatte schon genug heftige und tragische Erlebnisse für uns parat, als dass wir dieser Tragik überhaupt ausweichen könnten oder sollten. Kunst, Kultur und Religion sollten eine Auseinandersetzung mit dem uns umgebenden Geschehen sein, keine Flucht vor ihm. Und gerade in den 1960er Jahren bis noch weit in die 70er hinein, waren Kunst und Kultur, die aus dem anglo-amerikanischen Raum kam, eine Auseinandersetzung MIT dem Leben, und eben keine Flucht in rosa-flauschige Traumwelten, wie dies in Deutschland mit dem Schlager und dem Heimatfilm der Fall war. Nicht umsonst sind deutsche Jugendliche der 1960er auf diese Kultur und ihre Echtheit und Ehrlichkeit angesprungen. Selbst mir – ich bin 1976 geboren, ging es noch so, dass ich das spüren konnte, etwa, als ich das erste Mal beim Tanzen in einem dunklen Club den Song „Help!“ von den Beatles hörte. Ich hörte am Text, an der Musik und a dem Gestus, wie John Lennon das sang, dass es hier „um die Wurst ging“. Er sang da etwas, was er WIRKLICH singen wollte, worum es ihm tief im Innern ging. Und das ist es, was Herz, Hirn und Seele erreicht. Immer.  Schon  im „Faust 1“ von Goethe sagt Faust zu seinem Assistenten Wagner: „Wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen.“, „Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen schaffen, wenn es euch nicht von Herzen geht.“ Und „Erquickung hast du nicht gewonnen, wenn sie dir nicht aus eig’ner Seele quillt.“ Das kann man aber nicht spielen oder künstlich erzielen. Man kann niemanden darauf trainieren, „ehrlich zu singen“, oder „ehrliche Rockmusik“ zu machen, selbst, wenn das in Deutschland ein noch so gerne gehörtes Schlagwort ist. Genau deswegen schlägt das auch immer fehl, wenn man damit für eine Agenda werben oder Mitglieder ködern will, wie dies in religiösen Bewegungen z.B. der Fall ist. Was jemand wirklich denkt und fühlt, ist nicht fälschbar. Und nur das erreicht Zuhörer. Genau deswegen ist Kunst eigentlich auch keine Manipulation. Und wenn sie zur Manipulation eingesetzt wird, ist es streng genommen schon keine Kunst mehr.

 

Ich möchte mich in der hier nun zunächst mal als Einleitung vorliegenden Arbeit mit dem Selbstverständnis und der Innen-und Außenwirkung der amerikanischen Kultur und Gegenkultur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschäftigen, mit Schwerpunkt auf der Rock’n Roll-und Hippiekultur der 60er Jahre und diesen Blick erweitern und vertiefen auf die Hintergründe in der religiösen Kultur und Gegenkultur, insbesondere in Betracht auf die Bedeutung, die die europäischen Siedler auf Amerika hatten, die seit dem 30-jährigen Krieg in Europa aus religiösen Gründen ihren Stammkontinent verlassen haben, oder verlassen mussten.

 

Es geht immer um Ganzheit, Einheit, und Miteinander; die Einheit des „Leibes Christi“, die Einheit der Rock-und Hippiekultur; die Einheit von Völkern und Nationen, die Einheit der Menschheit und der Weltgemeinschaft;  und es geht um Unterschiede, die die Einheit verhindern, um die Tendenz, sich voreinander zu verschließen, voreinander und gegeneinander Mauern zu bauen, sich am gegenseitigen Wissen und den gegenseitigen inneren und äußeren Schätzen nicht mehr teilhaben lassen zu wollen, aus Angst davor, verletzt oder verraten zu werden, um die Frage, ob es einen Feind gibt, und wenn ja, wer es denn ist; und es geht darum, zu schauen, ob eine Einheit wirklich das erstrebenswerteste aller Ziele ist, oder, ob nicht gerade in der Verschiedenheit die Qualität und der Reiz von allem besteht; jedoch auch darum, ob diese Verschiedenheit dann bedeuten würde, sich nicht mehr begegnen zu können, oder zu dürfen. Diese Arbeit soll als Summe meines bisherigen Lebens und als in ein überdachtes, wenn nötig verändertes, und in sich verstandenes Weiterleben mündendes Werk verstanden werden, sozusagen als Zwischenbilanz, die für einen Mittvierziger wie mich ja auch nicht allzu ungewöhnlich ist. Öffentlich mache ich diese Arbeit, weil ich glaube, dass ihre Thematik für viele Menschen interessant ist, und auch genau den geschichtlichen Wendepunkt berührt, an dem wir uns gerade befinden. Eine neue Entwicklung sollte man erst dann angehen, wenn die zurückliegende alte Entwicklung verstanden und verarbeitet ist, gerade dann, wenn sie in sich gescheitert ist. In blindem Aktionismus weiter zu hasten, etwa, weil man meint, einem säße der Tod im Nacken, ist nicht besonders ergiebig. Man wird dann lediglich in verwandelter Form die alten Fehler wiederholen. Da diese Arbeit ein Work-in Progress ist, bitte ich alle, die ich daran teilhaben lasse, um Geduld. Ich kann weder schneller denken, noch schreiben, noch veröffentlichen, als ich es kann. Dass ich es aber tun werde, ist sicher. Über viele angeregte und interessierte Leser und Mitdiskutanten würde ich mich freuen. Man wird zunächst die Ergebnisse dieser Arbeit im Literaturforum „e-stories“ und auf Facebook finden. Vielleicht kann ich zwischenzeitlich auch andere Plattformen, Diskussionsforen und Medien zur Wissensvermittlung und kulturellen Bildung für meine neue Arbeit begeistern. Es würde mich freuen.

 

 

Die Horror-Musical-Komödie „The Rocky Horror-Show“, und ihre noch populärere Filmversion, „The Rocky Horror Picture Show“ werfen ein augenzwinkerndes Licht auf den Kulturclash, der in Amerika (USA) in den Jahren zwischen 1966 und 1969 stattfand, also das Aufeinandertreffen der Hippie-und Rock’n Roll-Kultur mit den sich im gleichen Alter befindenden amerikanischen „Jungspießern“, also den eher pietistisch christlich geprägten Jugendlichen. Hierbei stehen Brad und Janet in ihrer ganzen putzigen Gelecktheit und Naivität für letztere, und die Monster und Freaks aus Dr. Frank `n Furters Schloss für die Hippies und Rocker, die Brad und Janet nicht nur älter, sondern auch wie Zombies, Leichen und Gestalten aus Horrorfilmen vorkommen, einfach, denke ich, weil sie auf älteres Wissen und auf mehr Erfahrung zurückgreifen konnten. Dieses Wissen – so glaube ich – ist auch immer das Wissen vom „Alten Europa“, das vor allem den christlichen und jüdischen amerikanischen „Siedlern“, die ja eigentlich von den europäischen Kirchen verbannte sogenannte „Irrlehrer“  und ihnen folgende „Falschgläubige“ waren, verloren gegangen war, und das ihnen nach dem zweiten Weltkrieg von den nach Amerika einreisenden, geflüchteten Juden zurückgebracht wurde. Die europäischen Juden waren angesichts dessen, was sie dort in Amerika an Glaubensvorstellungen vorfanden, einigermaßen frappiert und verwundert, vor allem darüber, dass die Tatsache, dass man in Amerika an solche Sachen glaubte, nie nach Europa durchgesickert war, und auch darüber dass die Amerikaner trotz der aus ihrer Sicht kindlich bis kindisch naiven Weltsicht eine funktionierende Zivilisation hinbekommen hatten. Der große Krieg jedoch hatte beide Seiten – Europa UND Amerika- auf sehr unsanfte Weise wach gemacht. Und nun versuchte man, dies künstlerisch-kulturell in Worte, Bilder und Musik zu kleiden. Brad und Janet sind solche typischen pietistischen Naivgläubigen-Amerikaner, denen völlig der europäische, kulturelle Bodensatz und die entsprechende Bildung fehlt, und die, da sie sich auf naive Weise mit dem aber aus Europa kommenden Kapitalismus und der industriellen Entwicklung verbunden haben, auf „echte“ Europäer eigentlich wie „Zombies“, Roboter, ferngesteuerte Aliens, mit Lachgas aufgefüllte Irre und „Androiden von Outer Space“ wirken müssen. Auf Brad-und-Janet-Menschen hingegen wirkten die aus Europa Kommenden so. Was in der Rocky Horror Picture Show also letztendlich gezeigt und verarbeitet wird, ist das Aufeinandertreffen, dieser beider konträren Welten. Damit ist es jedoch nicht getan, denn die Uhr der Entwicklung war ja seit Ende der 1940er weiter gegangen. Nur verblüffender Weise für die Brad-und-Janet-Menschen nicht. Die blieben kleine, putzige Roboter-Menschen, die sich am Broadway ihre naiven Zuckerguss-Musicals ansahen. Jedoch: Irgendetwas rief und lockte. Nicht von Ungefähr ist es die Hochzeit, die Brad und Janet empfänglich macht für den Ruf aus Dr. Frank ´n Furters Schloss. Denn jetzt kommt ein Element ins Spiel, der diesen süßen, kleinen, christlichen Dummies ein wenig Würze in ihre Spießersuppe kippt: Der Sex. Das Lied, mit dem Brad und Janet in die Geschichte von „The Rocky Horror Picture Show“ eingeführt werden, „Dammit, Janet!“ ist zugleich ein Hinweis darauf, wie den beiden nun frisch Verheirateten die Lust nach etwas Neuem, was sie aus ihren amerikanischen Spießervorstädten nicht kennen, ins Gesicht geschrieben steht. („Dammit, Janet“ ist das einzige Lied aus der Rocky Horror Show, das eins zu eins klingt wie eine typische Boadway-Musical-melodie, alles andere ist bereits Rock’n Roll. Auch das Wort „Dammit!“ „Verdammt noch mal!“ deutet auf den Wunsch nach Ausbrechen aus der vertrauten Enge hin. ) Sie wollen mal so richtig versaut sein. Und zwar am Liebsten nicht nur in den Flitterwochen, nach denen sie sich dann wieder an den ermüdenden, amerikanischen Usus anpassen müssen, sondern, sie wollen das völlig andere. Das völlig neue. Und das ruft sie aus der nun vor ihnen liegenden, nach Amerika eingereisten, europäischen Kultur. Womit sie nur nicht rechnen, ist, dass diese von den Juden dort hin gebrachte, natürlich sehr reiche Kultur, von Krieg, Verfolgung, Holocaust und anderen Dingen zutiefst traumatisiert ist, und den offenen und neugierigen Brads und Janets nicht in voller Güte zur Verfügung steht. Die Eingereisten sind wie Schatten. Freaks. Vampire. Irre. Dennoch tragen sie all die ganze, von den Amerikanern so heiß ersehnte, europäische Hochkultur in und mit sich. Jedoch merken bald beide Seiten, dass man sich da in Hunger und Durst gegenübersteht und nicht in Wohlstand und  Haben, ja teilweise nicht mal in Sein. Beide Seiten, Brad und Janet UND die Vampir-und Frankenstein-Wesen aus dem Horrorschloss, sind ausgetrocknete Bedürftige, ferngesteuerte Zombies, Freaks und Verlorene. Sie sind wirklich wie zwei lediglich in der Form unterschiedliche Seiten derselben Münze. Was kann helfen? Die Beschwörung außerirdischer Kräfte, wie dies Frank´n Furter und Brad und Janet tun, wohl eher nicht. Jedenfalls nicht die Herabrufung von Aliens oder Spinnen vom Mars. Es gilt, das gemeinsame Trauma zu verstehen und zu verarbeiten. Was hilft? Der Rock’n Roll. In Woodstock, beim großen Love-and-Peace-Festival schien der Traum bereits verwirklicht. Und dann kam Altamont. Und der Absturz in ein weiteres Trauma.

 

Im Folgenden versuche ich mich diesen spannenden Dingen zu nähern. Was genau war es, das diesen gemeinsamen Traum zum Einsturz brachte, noch ehe er richtig blühen konnte? Was genau war das „Eine“, mit dem niemand rechnete? Und warum wirkte es zerstörerisch? Es ist eine Entdeckungsreise, deren Endpunkt auch ich noch nicht erreicht habe. Nicht in allen Fragen bin ich zu fertigen Antworten gekommen. Aber ich möchte wissen. Ich möchte verstehen. Und ich möchte andere daran teilhaben lassen, was ich auf meiner Reise finde. Seit ihr bereit, mich zu begleiten?

 

Zunächst habe ich hier drei Songs aus dieser Umbruchszeit, zwei davon aus den 1960ern, einer aus den 1970ern, die sich diesem zunächst beglückenden und dann erneut traumatisierenden Aufeinandertreffen von Amerika und Europa nähern. Es sind aus meiner Sicht alles drei Schlüsselsongs des entscheidenden Wendepunktes, der die Sache zum Kippen brachte. Hier sind sie:

 

Und im Folgenden wünsche ich euch viel Freude und viel interessanten Zugewinn auf der gemeinsamen Entdeckungsreise.

 

 

 

Patrick Rabe, 28. September 2020, Hamburg.

 

© by Patrick Rabe

 

 

*

 

 

 

Ballad of a thin man

 

(by Bob Dylan)

 

You walk into the room with your pencil in your hand
You see somebody naked and you say, "Who is that man?"
You try so hard but you don't understand
Just what you will say when you get home
Because something is happening here but you don't know what it is
Do you, Mr. Jones?

 

You raise up your head and you ask, "Is this where it is?"
And somebody points to you and says, "It's his"
And you say, "What's mine?" and somebody else says, "Well, what is?"
And you say, "Oh my God, am I here all alone?"
But something is happening and you don't know what it is
Do you, Mr. Jones?

 

You hand in your ticket and you go watch the geek
Who immediately walks up to you when he hears you speak
And says, "How does it feel to be such a freak?"
And you say, "Impossible!" as he hands you a bone
And something is happening here but you don't know what it is
Do you, Mr. Jones?

 

You have many contacts among the lumberjacks
To get you facts when someone attacks your imagination
But nobody has any respect, anyway they already expect you to all give a check
To tax-deductible charity organizations

 

Ah, you've been with the professors and they've all liked your looks
With great lawyers you have discussed lepers and crooks
You've been through all of F. Scott Fitzgerald's books
You're very well-read, it's well-known
But something is happening here and you don't know what it is
Do you, Mr. Jones?

 

Well, the sword swallower, he comes up to you and then he kneels
He crosses himself and then he clicks his high heels
And without further notice, he asks you how it feels
And he says, "Here is your throat back, thanks for the loan"
And you know something is happening but you don't know what it is
Do you, Mr. Jones?

 

Now, you see this one-eyed midget shouting the word "Now"
And you say, "For what reason?" and he says, "How"
And you say, "What does this mean?" and he screams back, "You're a cow!
Give me some milk or else go home"
And you know something's happening but you don't know what it is
Do you, Mr. Jones?

 

 

Well, you walk into the room like a camel, and then you frown
You put your eyes in your pocket and your nose on the ground
There ought to be a law against you comin' around
You should be made to wear earphones
'Cause something is happening and you don't know what it is
Do you, Mr. Jones?

 

 

 

 

*

 

Lola

(by the Kinks)

 

I met her in a club down in old Soho
Where you drink champagne and it tastes just like cherry-cola [LP version - Coca-Cola:]
C O L A cola
She walked up to me and she asked me to dance
I asked her her name and in a dark brown voice she said Lola
L O L A Lola la-la-la-la Lola

Well I'm not the world's most physical guy
But when she squeezed me tight she nearly broke my spine
Oh my Lola la-la-la-la Lola
Well I'm not dumb but I can't understand
Why she walked like a woman and talked like a man
Oh my Lola la-la-la-la Lola la-la-la-la Lola

Well we drank champagne and danced all night
Under electric candlelight
She picked me up and sat me on her knee
And said little boy won't you come home with me
Well I'm not the world's most passionate guy
But when I looked in her eyes well I almost fell for my Lola
La-la-la-la Lola la-la-la-la Lola
Lola la-la-la-la Lola la-la-la-la Lola
I pushed her away
I walked to the door
I fell to the floor
I got down on my knees
Then I looked at her and she at me

Well that's the way that I want it to stay
And I always want it to be that way for my Lola
La-la-la-la Lola
Girls will be boys and boys will be girls
It's a mixed up muddled up shook up world except for Lola
La-la-la-la Lola

Well I left home just a week before
And I'd never ever kissed a woman before
But Lola smiled and took me by the hand
And said dear boy I'm gonna make you a man

Well I'm not the world's most masculine man
But I know what I am and I'm glad I'm a man
And so is Lola
La-la-la-la Lola la-la-la-la Lola
Lola la-la-la-la Lola la-la-la-la Lola

 

 

 

*

 

 

 

Hotel California

 

(by the Eagles)

 

On a dark desert highway
Cool wind in my hair
Warm smell of colitas
Rising up through the air


Up ahead in the distance
I saw a shimmering light
My head grew heavy and my sight grew dim
I had to stop for  the  night

 

There she stood in the doorway
I heard the mission bell
And I was thinkin‘ to myself
‚This could be heaven or this could be hell


Then she lit up a candle
And she showed me the way
There were voices down the corridor
I thought I heard them say:

 

Welcome to the Hotel California
Such a lovely place (such a lovely place)
Such a lovely face
Plenty of room at the Hotel California
Any time of year (any time of year)
You can find it here

 

Her mind was Tiffany-twisted
She got the Mercedes Benz, uh
She got a lot of pretty, pretty boys
That she called friends
How they danced in the courtyard
Sweet summer sweat
Some dance to remember
Some dance to forget

 

So I called up the Captain
„Please bring me my wine“
He said, „We haven‘t had that spirit here since 1969“
And still those voices are calling from far away
Wake you up in the middle of  the night
Just to hear them say

 

Welcome to the Hotel California
Such a lovely place (such a lovely place)
Such a lovely face
They livin‘ it up at the Hotel California
What a nice surprise (what a nice surprise)
Bring your alibis

 

Mirrors on the ceiling
Them pink champagne on ice
And she said, „We are all just prisoners here of our own device“
And in the master‘s chambers
They gathered  for the feast,
They stab it with their steely knives
But they just can‘t kill the beast

 

Last thing I remember
I was running for the door
I had to find a passage back
To the place I was before


„Relax“, said the night man
„We are programmed to deceive
You can check out any time you like
But you can never leave“

 

 

***

 

Drei Songtexte, die aus meiner Sicht alle denselben, entscheidenden Wendepunkt beschreiben, auch wenn dies zumindest von den Songwritern der ersten beiden Songs wohl kaum so begriffen worden sein dürfte. Es markiert in allen drei Fällen das Treffen der Unschuld (eines Unschuldigen) auf eine Welt, die er nicht versteht; mit weitreichenden Konsequenzen. Die von vielen auf Homosexualität gedeuteten Metaphern in Dylans "Ballad of a thin man", wie "The sword swallower" "clicks his high heels" etc. griff Ray Davies von den Kinks in "Lola" auf und ließ in diesem Song ein unbelecktes britisches Landei in einem Club mit einem Transvestiten tanzen, den er erst ganz zum Schluss als einen solchen erkennt. "Lola" darf, denke ich, als direkte Parodie auf "Ballad of a thin man" gewertet werden, wobei klar sein dürfte, dass Bob Dylan seinen Song weder so vereindeutigend, noch so komisch meinte, sondern mehr im Sinne einer grundsätzlichen Verstörung, die über Homosexualität und ihre Spielarten weit hinausgeht. Es geht in seinem Song mehr um die Frage: "Wo zum Teufel bin ich hier eigentlich!!!???" Im Song "Hotel California", den die Eagles knapp ein Jahrzehnt später schrieben, wird die Frage beantwortet mit "Hölle". Jedenfalls für den, dem der Schleier von den Augen gezogen wird. Die Ausgangslage ist ähnlich wie in "Ballad of a thin man" und "Lola". Ein "ganz normaler", unschuldiger Mensch fährt mit seinem Auto durch die Wüste. Der Sprit geht ihm aus, und er hält bei  einem  mystisch auf ihn wirkenden Hotel. Die weibliche Person, die ihn in Empfang nimmt, klingt an Janis Joplin an (Her mind was Tiffany-Twisted, she got the Mercedes Benz), und er hat gleich das Gefühl, dieser Ort könnte der Himmel oder die Hölle sein. Arglos bestellt er Wein. Frappiert sagt ihm der Kellner, man habe "diesen Geist" nicht hier gehabt seit 1969. Der Gast denkt, dass der Kellner von dem Wein redet. Der Kellner meint aber den Ankömmling. Einen echten, unverbrauchten Menschen, der noch den Geist Christi ausstrahlt, jenen Geist, der in Woodstock und auch schon davor alle auf so harmonische und schöne Weise miteinander verbunden hatte. In den Alpträumen der Nacht kippt die Szenerie. Als der Gast nachts aufwacht und abermals hinunter in den Tanzsaal geht, sieht er, dass die Leute dort immer noch feiern. Aber nun ist es eine Horrorszenerie. "Spiegel an der Decke, Pinker Champagner auf Eis, und sie sagte: 'Wir sind alle Gefangene hier, auf unseren eigenen Wunsch.'. Und in den Räumen des Meisters gierten sie nach dem Festmahl, sie stachen mit stählernen Messsern auf es ein, doch sie konnten das Tier nicht töten." (Mit dem Tier ist hier das Tier aus der Offenbarung des Johannes mit der Nummer 666 gemeint.) Der Gast sieht, dass dies hier nicht das "Abendmahl des Herren" und das "Neue Jerusalem" ist, sondern das armselige, elende Vegetieren und Sich-In-Einen-Rausch-Feiern auf miesen und gepanschten Drogen. Aber auch er kann nun nicht mehr fliehen. Die Stimme des "Nachtmannes" sagt ihm: "Wir sind programmiert, zu täuschen. Du kannst jederzeit auschecken. Doch du kannst niemals gehen."

 

Ich finde es spannend, nun, fast 45 Jahre nach "Hotel California" einerseits einmal wieder zu schauen, wo wir stehen, und andererseits zu versuchen, das Zurückliegende angemessen zu VER-stehen, ohne das noch aktive Trauma des 2. Weltkrieges. Wie gehen wir Heutigen an diese ganze Thematik heran?

 

Patrick Rabe, 2. Oktober 2020, Hamburg.

 

© by Patrick Rabe

 

Das Copyright © für die drei von mir hier aufgeführten Songs liegt bei den entsprechenden Künstlern.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.09.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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