Patrik Müller

Memoiren eines Wurmes

Es verbrachte seine Zeit in Dunkelheit und Kälte auf der Jagd nach Nahrung. Lautlos durchstreifte es dabei die morastigen Gefilde und algenbewachsenen Hügel des seit Äonen daliegenden Grundes des großen und tiefen Sees, in dem schon dutzende unachtsamer Schwimmer ihr nasses Grab fanden. Sein grauenhafter Schnabel, umrandet mit einer Reihe kleiner scharfer Zähne, durchpflügte den Schlamm und packte jedwedes lebendige Wesen, dessen es habhaft werden konnte. Die Jahrmillionen der Evolution, in denen zuerst Dinosaurier die Elemente der Welt beherrschten, hatten ausgereicht, um sich perfekt an seine Umgebung anzupassen. Riesige, mit Krallen besetzte Füße halfen ihm, aus der Dunkelheit des Wassers unvermittelt hervorzustoßen. Binnen eines kurzen Augenblicks hatte das Ungeheuer seine Beute erreicht und schloss erbarmungslos den grausigen Schnabel über seinem Opfer. Oh welch teuflischer Gott konnte solch eine Kreatur erschaffen, die bösartiger nicht hätte sein können? Charun, du Ausgeburt der Hölle. Dein Dämon soll auch dich nicht verschonen und mit in sein Totenreich nehmen!
Es verschlang gierig den kleinen, noch zuckenden Körper, der erst auf dem Weg in sein Inneres das Leben aufgab. Anschließend begann es sich langsam aufwärts zu bewegen, vorbei an kleinen Fischen und Pflanzen bis hinauf an die Wasseroberfläche. Mit einem lauten „Quaak!“ tauchte die kleine Ente auf und schwamm fröhlich zu seiner Mutter.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.10.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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In meinen Gedichten, schreibe ich mir meine eigene Realität, meine Träume auch wenn sie oft surreal, meistens abstakt wirken. Schreiben bedingt auch meine Sprache, meine Denkmechanismen mein Gefühl für das Jetzt der Zeit.

Ich vernehme mich selbst, ich höre tief in mich rein, bin bei mir, hier und jetzt. Die Sprache ist dabei meine Helfershelferin und Komplizin, wenn es darum geht, mir die Wirklichkeit vom Leib zu halten. Wenn ich mein erzähltes Ich beschreibe, beeinflusse, beschneide, möchte ich begreifen, wissen, welche Ursachen Einflüsse bestimmte Dinge und Menschen auf mein Inneres auf meine Handlung nehmen, wie sie sich integrieren bzw. verworfen werden um mich dennoch im Gleichgewicht halten können.

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