Peter Kröger

Der Mörder

 

 

 

Robert Schlaghuber schläft.

Vertrackt, regelrecht vertrackt. Die Existenz, wie er sie versteht (und irgendwie muss sie schließlich verstanden werden), ist an Bedingungen geknüpft, um kein Minusgeschäft zu sein, um, so sonderbar es klingen mag, als Existenz Gültigkeit beanspruchen zu können. Eine Bedingung ist, sich gefasst und zuversichtlich Tag für Tag dem Leben zu stellen und keine zersetzenden Fragen an eben dieses Leben zu richten, eine andere, jedes Desaster, wie beispielsweise die Trennung von Irmtraut Schlaghuber (eine geborene Zartmayer, dann Ringner, dann Bullinger) als Prüfung zu begreifen, eine dritte, Haferlschuhe nur zwiegenäht und ausschließlich beim Fachmann zu kaufen, eine vierte, einen Angreifer oder eine Angreiferin nur dann restlos unschädlich zu machen, also zu töten und gewissermaßen existenziell zu vernichten, wenn es unvermeidbar ist und das eigene Überleben sichert.

Unvermeidbar. Dass die Schlaghuber, die im Begriff ist, sozusagen mittels juristischer Rückabwicklung den Zartmayerstatus wiederzuerlangen, durch den Liebesentzugsangriff auf ihn, Robert Schlaghuber, die furchtbaren Tritte der hochwertig-stabilen Haferlschuhe auf sich lenkt, steht außer Frage; dass der gemeine Träger derselben in seinem tiefsten Inneren angesichts des Angerichteten kein Bedauern empfindet (das Gericht spricht von einer 'enthemmten und dennoch geplanten Gewalttat ohne jede erkennbare Reue'), hat allerdings neben dem verneinenden Aspekt, den eine Tötung zweifellos in sich trägt, aus seiner Sicht etwas brutal Bejahendes wenn nicht sogar Philosophisches an sich: Es erhält ihn in seiner Wesenheit, seinem Vermögen, seiner Diesseitigkeit. So empfindet Robert.

Das Schlusswort des Angeklagten Schlaghuber vor seiner gerechten Verurteilung wegen Mordes aus niederen Beweggründen lässt jedoch Freund und Feind aufhorchen (und Schlaghubers Anwalt verzweifeln): Verehrte Frau Richterin! (Gemeint ist die Vorsitzende der 2. Schwurgerichtskammer Frau Dr. Ricarda Naumann, geborene Naumann dann Naumann-Löns.) Das Sein in seiner nackten Unerbittlichkeit tröstet mich. Es geht restlos auf. Es ist gerecht. Es erscheint stimmig. Dennoch wünschte ich zuweilen, ich flöge davon.

Robert Schlaghuber wacht auf.

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