Siegfried Fischer

Die Tiefkühlpizza wird 50 - PIZZA-STUDIE neu aufgelegt


Eigentlich war meine PIZZA-STUDIE schon lange gegessen,
aber heute am 5. Oktober wird die Tiefkühlpizza 50 Jahre alt.
Aus diesem Grund habe ich die PIZZA noch einmal aufgewärmt.


Wie der Untertitel unter dem Titel unten vermuten lässt,
könnte es sich in der folgenden Studie um eine wissenschaftliche Arbeit handeln,
jedoch ist aus geschmacksmusterrechtlichen Gründen
weder die Studie und noch viel weniger meine Pizza wissenschaftlich belegt.


MEINE PIZZA-STUDIE
- wissenschaftliche Mouse-Arbeit -

 

Als Einstieg in die Thematik der Pizzaherstellung habe ich ein paar

brandheiße Schlagzeilen aus der Tagespresse ausgeschnitten:

- 14. Juni 2014: „Neapel feiert 125 Jahre Pizza Margherita“

- Deutsche belegen in jeder Pizzeria im Ausland die vorderen Plätze

- Auffällig hoher Ausländeranteil bei deutschen Pizzabäckern

Daneben sind mir noch folgende Meldungen ins Auge gesprungen:

- Essen und Trinken nimmt zentrale Rolle beim Wissenserwerb ein

Neben dem Tee-Modell soll auch die Ess-Klasse eingeführt werden!

- Dass Pizzabäcker besondere Schüsselqualifikationen brauchen,

gehört ganz augenscheinlich zu den pädagogischen Linsenweisheiten.

 

So, damit wäre der Ofen nach Vorschrift mäßig vorgewärmt, es kann losgehen:
Die Wiege der Pizza stand nicht - wie oft vermutet wird - im Hause von Dr. Oetker
oder gar bei einer gewissen Familie Wagner, sondern ganz ofen-sichtlich
in der süditalienischen Stadt Neapel. Pizza-ähnliche Geschöpfe gab es zwar
schon zu Zeiten der Etrusker wie auch bei den alten Griechen und den Römern,
aber etymologisch gesehen tauchte der Begriff „picea“ oder „piza
das erste Mal vor rund tausend Jahren in der Gegend um Neapel auf.

Jahrhunderte lang galt der heiße Teigfladen als „Arme-Leute-Essen“:
Billig, schmackhaft und sättigend.

Um das Jahr 1500 zeichnete sich eine ganz entscheidende in den Belag
einschneidende Veränderung ab: Die Tomate, die Grundlage aller Pizzabeläge,
reiste aus Südamerika über Spanien gen Italien.
Anfangs führte sie hier lediglich ein Nachtschattendasein,
doch knapp 50 Jahre später tauchte das Gewächs unter anderem
als „pomi d'oro“ (Goldener Apfel) erstmals in der einschlägigen Literatur auf.

Im Jahre 1830 wurde wiederum in Neapel die erste Pizzeria eröffnet.
Die erste Pizza-Auslieferung gab es allerdings erst im Jahre 1889
durch den Pizzabäcker Raffaele Esposito.
Er fertigte für König Umberto I und dessen Gattin Königin Margherita
drei verschiedene Pizza-„Brot-O-typen“,
wovon die patriotische Kreation in den italienischen Nationalfarben
mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum der Königin am besten geschmeckt haben soll.

Auch heute noch gehört die „Pizza Margherita“,
wie sie seit dieser Zeit genannt wird, zu den beliebtesten Variationen überhaupt
und die Königin Margherita zu den wohl bekanntesten Königinnen ihrer Art,
weil sie damals der Pizza Margherita ihren Namen gegeben hat.

Auf dem langen Weg zum Erfolg machte die Pizza vor etwa 100 Jahren
mit italienischen Immigranten als so genannte „Mafia-Torte“
einen kleinen Umweg über den „großen Teig“ nach Amerika.
Hier entwickelte sich, bedingt durch das Vorhandensein fehlender Zutaten
wie Mozzarella oder Oregano, eine neue Linie von Pizzen im „American Style“.

Wohl eher durch einen dummen Zufall kreierte ein sehr ungeschickter Pizzawerfer
bzw. ein noch etwas ungeschickterer Fladenfänger den bekannten Pizza-Hut.
Wer schon mal solch ein heißes Teil auf seinem Kopf getragen hat, weiß wovon er bricht!

Bis zum Jahre 1948 musste dann die gesamte Menschheit
auf den ersten Fertig-Pizza-Teig warten.
In den 50er- und 60er-Jahren schließlich gesellte sich die Pizza in den USA
zu den Standard-Fast-Food-Gerichten wie Hot Dog und Burger,
in denen viele Lästermäuler heutzutage kaum noch ein gutes Haar finden:
„Fast food“ kann man fast essen!

Aber was nützt die beste Pizza, wenn man sie nicht frisch halten kann,
dachte sich wohl ein italo-amerikanisches Brüderpaar
und brachte 1957 die tiefgefrorene Fertigpizza auf den Markt,
welche seitdem ihren weltweiten Siegeszug in die Gefrierschränke
und Kühltruhen angetreten hat.
Und so ist die Pizza heute weltweit in aller Munde.

Wer sich selbst als Pizzabäcker oder pizzaiolo versuchen möchte,
braucht zur Herstellung des Pizzateigs nur Mehl, Wasser, Hefe und Salz.
All diese Zutaten werden zunächst einmal sorgfältig vermischt.
Danach lasse ich mir den Teig immer ausführlich durch den Kopf gehen.
Nach drei Stunden wird er auf einem Brett flach ausgerollt,
Profis schleudern ihn zusätzlich noch - wie oben bereits beschrieben -
durch die Luft. Anschließend - die richtige Reihenfolge
ist unbedingt zu beachten - kann der plattgedrückte Fladen eigentlich
mit allem belegt und gewürzt werden, was einem gerade so in den Sinn kommt.
(Zur Not würd‘s ich auch mit etwas Mozzarella und Tomatengeschmack belegen.)
Und zu guter Letzt muss dann das Teil noch ordentlich gebacken werden.

Aber ich verlasse mich da lieber auf meinen mit Teig-Rohlingen bestückten Gefrierschrank.

sifi © 2006 / 2020


Noch ein letzter Dip:

Besondere Vorsicht ist beim Stapeln der Teigrohlinge geboten,

denn dabei entsteht sehr schnell ein schiefer Turm von Pizza!

 

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Quelle: „Nicht alltägliche Hausmannspost –

Scherzartikel und Küchenzeilen mit Wortspüle …“

erschienen 2012 im tredition Verlag, Hamburg

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.10.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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