Francois Loeb

UNGEZÜGELT

Ungezügelt leben? Zu erleben in meiner Wochengeschichte:

 

„Ungezügelt, ungezügelt kommen sie daher“, nuschelt der Landwirt mir entgegen. Gefahr im Anzug denke ich sogleich. Ziehe meinen Kopf ein. Man kann nie wissen was einem da entgegen kommen kann! Der Hof behäbig. Altertümlich. Ein grosses Tenn, vor dem ich den Heuduft durch beide Nasenlöcher genussvoll einziehe. Doch die Gefahrengemengelage will nicht aus meinem Kopf weichen. Ungezügelt. Kann sich nur um ein durchgebranntes Pferdegespann handeln. Oder gar Wildpferde die im Galopp auf mich zu rennen, mich zertrampeln können. Mir sämtliche Knochen brechen werden. Oder gar fliegende Pferde? Pegasus lässt seine Flügel- und Hufspuren in meinem Kopf bildlich abkupfern. Das alles ungezügelt. Doch auch ungezügelten Genuss kann es geben. Wer will sich daran delektieren? Ich jedenfalls nicht. Zu gefährlich. Suchtgefahr! Da blinkt gleich gelb ein Licht in meinem Augenhintergrund. Ungezügelt will ich nicht leben. Nicht der Ausschweifung meine Tribute zahlen. Nicht beritten. Auch nicht unberitten. Da! Eine Staubwolke erhebt sich am Horizont. Dort hinter der Bergkuppe. Exakt Kimme und Korn ausgerichtet. Wie sonst als militärisch denkend, soll ich mich gegen das was über mich hereinbricht zur Wehr setzen?
Der Bauer zeigt auf den Staub. Verkneift sich das Lachen. Verkostet sich genüsslich an meinen angstgeweiteten Pupillen. Meint beinahe hämisch, dass es sich um einen Wetterwechsel handelt. Einen Fallwind, der solchen Staub auslöst. Das Ungezügelte liege noch vor mir. Ich würde aus dem Staunen nicht herauskommen wenn es dann eintreffe. Er werde sich dann in Sicherheit bringen. Ohne auf weitere ihn nicht betreffende Verluste zu achten. Nicht feige sei das. Nein, reiner Überlebenswille. Überlebensinstinkt. Was ich dann unternehmen würde liege ganz eindeutig nur an mir. Nun, wie sich auf eine Gefahr einstellen, die zwar sichtlich, aber doch nicht ersichtlich ist? Wer oder was kann ungezügelt sein, zermartere ich mein armes Hirn, das bereits im Überlebensmodus denkt. Besser ausgedrückt tickt. Wie ein altertümlicher Wecker tickt. Gleich wird die überlaute Schelle, das Gerrassel losgehen. Diese entsetzliche Lautfolge die mich einst aus dem friedlichen Schlaf des Gerechten gerissen, auf diesem Planeten landen liess. Nun denn, ich muss es geschehen lassen. Ungezügelt.
Meine Hirnwindungen beginnen sich zu begradigen. Schlagen die geniale Lösung vor: ‚Bereite ein Salatdressing vor. Eins‘, schlagen sie vor, wie es im (Koch)Buch der Bücher steht. Pflücke daraus das U+N. Werfe beides in die Schüssel. Lasse das U+N ziehen. Sich vollsaugen mit dem Dressing, als sei dies ein Dress Code. Richte das Gericht appetitlich an. Verzehre beides mit dem dich verzehrendem Genuss. Alles wird dann gezügelt sein.
Auch dein Appetit auf Ungezügeltes .....

Leseempfehlung:
GUIDE SCHISCHELIN Der etwas andere Gastroführer aus meiner Feder:
Dieser neue Gastroführer der vierten Dimension, führt Feinschmecker in neue noch nicht begessene und betrunkene Orte und 'gastliche' Häuser! Nicht mit schwarzem Pfeffer, aber solchem Humor wird die Leserschaft, vornehmlich Gaumenfreuden nicht abgeneigten und entsprechend wohlgebaute Geniesser an unbekannte Ufer, in Terra Incognito, geben den dadurch Beschenkten das einmalige Gefühl in die Haut eines Christoph Columbus oder ein Amerigo Vespucci zu schlüpfen! Eine fantastische nicht zu verpassende Reise durch Tempel des Geniessens aus denen es kein Entrinnen mehr gibt! Bon Appetit wünscht der Verfasser von ganzem Herzen!
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Und hier die Leseprobe:
Grand Hôtel Galaxe, Grill-Room Das Grand Hôtel Galaxe, dessen Grill-Room weltenbekannt ist, liegt nicht an einer Durchfahrtsstrasse. Seine himmlischen Speisen lohnen aber den Umweg. Der Grill-Room mit gläsernem Dach, auf einem unbewaldeten Hügel gelegen, verspricht neben Gaumen- auch Augenweiden. Der ungetrübte Blick – selbstverständlich nur in wolkenlosen Wochen – auf die Milchstrasse verspricht bereits beim Betreten ein einmaliges kulinarisches Abenteuer, das ebenso selbstverständlich nicht billig ist. Die Haus-Spezialität, schwarze Löcher an Aubergine-Sauce, hat eine übernatürliche Anziehungskraft.
Sobald aufgetragen, stürzen sich die Gäste, angezogen von der unheimlichen Dichte des Gerichts, auf die Platte, verschmelzen im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Mahl, das durch diesen Vorgang an weiterer Masse gewinnt und so am nächsten wolkenfreien Abend mit noch grösserer Anziehungskraft aufgetragen werden kann. Empfehlung: Nur Gourmands zu empfehlen, die bereits sprichwörtlich alles genossen haben!

Gute Herbstzeit wünscht herzlichst  Ihr François Loeb

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.10.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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