Patrick Rabe

Warum ich mich nicht salomonisch entscheide

 

 

Ich möchte heute endlich einmal etwas zur Sprache bringen, über das es in der Vergangenheit viel Rätselraten, Zerwürfnisse und Probleme gegeben hat. Zwar nicht wegen mir, denn ich habe nie aus irgendetwas einen Hehl gemacht, und ihr hättet ja alle nur vernünftig nachfragen müssen (wer nicht fragt, bleibt dumm), aber unter anderem wegen der immer unübersichtlicher werdenden, politischen Lage.

 

Ich habe direkte jüdische Vorfahren, die jedoch vorm dritten Reich schon Christen wurden, und die sich im dritten Reich auf die Seite Hitlers gestellt haben, wenn auch nicht ganz freiwillig, sondern, weil sie in einem Dorf lebten, das finanziell von den Pietisten abhängig war. Das ist es bis heute. Die Dorfgemeinschaft Langenbach bei Kirburg „gehört“ finanziell und rechtlich der pietistischen, mittlerweile mit den Pfingstlern (Pentecostal Church) zusammengegangenen Kirche in Kirburg, Langenbach selber hat bis heute kein eigenes Kirchgebäude. Der Grund hierfür ist, dass die Gemeinde Langenbach eine lange Zeit im dritten Reich noch Partei für die Juden ergriffen hat. Das bis heute (2020, über 80 Jahre NACH dem 2. Weltkrieg!!!!!!!!!) dieses ziemlich große Dorf (Hier im Norden Deutschlands würde man da bereits von einer Kleinstadt oder großen Siedlung sprechen), kein eigenes Kirchgebäude hat, obwohl die Mehrheit der Menschen dort fromm ist, stellt einen schon vor Fragen. Zum Beispiel vor die Frage, wer Deutschland eigentlich wirklich regiert, und auch, wer im Bundesland Rheinland-Pfalz eigentlich das Sagen hat. Wenn eine Dorfgemeinde 80 Jahre nach Beendigung eines judenfeindlichen Regimes immer noch gemaßregelt wird, politische und religiöse „Prüfungen“ über sich ergehen lassen muss und im Jahr 2020 zwar von der Anwohnerzahl enorm gewachsen ist und viele neue Häuser dort gebaut worden sind, es aber immer noch keine Kirche dort gibt, und der einzige erkennbare Grund dafür der ist, dass das Dorf im Dritten Reich lange Zeit zu den Juden gehalten hat, dann MUSS man bitte die Frage stellen dürfen, ob in Deutschland nicht vielleicht doch noch die Nazis an der Macht sind, zumindest in einigen Bundesländern. Ich habe dazu mittlerweile eine klare Antwort.

 

Wie sicherlich vielen bekannt ist, ist sowohl die pietistische, als auch die evangelikal-pfingstliche Kirche im Westerwaldkreis eine Macht, ist dort auch zusammengegangen mit der evangelischen Landeskirche, und unterhält viele Bibelschulen, Ausbildungszentren, Kirchen etc. Diese Gemeinschaften geben viel Geld in die Region, bekommen aber auch dafür rechtlich, öffentlich und im Gemeinwesen viel Unterstützung. Dass viele dieser Kirchen, gerade auch nachdem sie sich die moralische, finanzielle und ökumenische Unterstützung aus Amerika geholt haben, eine mehr und mehr sehr offen und schamlos gelebte antisemitische, antijudaistische und tendenziell minderheiten-und menschenfeindliche Haltung pflegen, und dies auch in politische Entscheidungen einbringen, wissen nicht alle. Ich finde aber, darüber muss man informieren.

 

Von dort aus, das heißt vom Dreiländereck Taunus/Eiffel/Westerwald, agieren schon seit dem zweiten Weltkrieg viele mit Amerika verbundene Sekten, z.B. auch die Zeugen Jehovas. Diese Sekten differieren zwar alle ein wenig in der Haltung, die sie zu den Juden einnehmen, was sie jedoch eint, ist ihre recht  deutliche positive Haltung zum Opfer-und Menschenopfer-Gedanken, was sich auch in ihrer religiösen und politischen Praxis wiederspiegelt, und zwar in der auch bei besten Bemühungen zu gegenteiligen Ansichten und  Verhaltensweisen, nicht in den Griff zu bekommenden Tendenz, immer einen eindeutig Schuldigen noch in kleinsten Fragen benennen zu wollen, und diesen dann bestrafen zu „müssen“, selbst „wenn es einem dabei in der Seele weh tut“.

 

Eben so weit verbreitet ist dort eine nicht immer nur latente, sondern manchmal auch sehr konkrete Ablehnung und bis in politische Entscheidungen hinein reichende Herabwertung und Diskriminierung von angeblichen Randgruppen (Behinderte, Schwule und Lesben, Andersgläubige, Menschen aus anderen Ländern und mit anderen Ethnien etc.). Wenn jemand dort seine konkrete Leistungsfähigkeit (Einbringen des Bruttosozialproduktes für den Staat) verliert, ist er schnell in menschenunwürdigen Verhältnissen gelandet. Auch für Integration von „Ausländern“ und Flüchtlingen in würdige, menschenfreundliche Berufe tut man dort wenig. Der sprichwörtliche, afrikanische „Klomann“ und die muslimischen, polnischen und afrikanischen Müllmänner sind dort noch gang und gäbe. (Was nicht heißen soll, dass man den Traumberuf „Sanitäre Reinigungskraft“ oder  „Müllwerker“ nicht haben und ausüben darf, wenn man das gerne tut. Dass diese Berufe aber so oft von ausländischen Mitbürgern gemacht werden, sollte einen schon nachdenklich stimmen.)

 

Diese, im gesamten deutschen Bundesgebiet auf politische Entscheidungen einwirkende Grundhaltung basiert auf der religiösen Vorstellung, Menschen seien vor Gott schuldig geworden, und müssten nun eigentlich bestraft werden. Da Gott aber offensichtlich diese Strafe aussetzt, dürfe man als Mensch auch nicht mit der vollen Härte strafen, sollte aber zur Besserung der betreffenden Menschen zu leichten, mit der Menschenwürde noch zu vereinbarenden Sanktionen und gesellschaftlichen Herunterstufungen greifen, damit die betreffenden Menschen sich läutern und bessern können, und davon Abstand nehmen, ihre fürchterlichen Sünden zu begehen. Die Anschauung, eine psychische, körperliche oder geistige Krankheit, und auch Schicksalsschläge wie der Tod von geliebten Menschen, Unfälle, die einem passieren, Schäden der eigenen Ortschaft durch Stürme, Erdbeben oder Überflutungen, oder auch das „weltlich“ unverschuldete Hineingeraten in Justizirrtümer und auf Verleumdung basierenden Anklagen (das ist mir konkret ja passiert) sei das Ergebnis von Sünde, d.h. dem vor Gott unrechten Verhalten, ist in Deutschland immerhin noch so weit verbreitet, dass auch Menschen, die eine solche Anschauung gar nicht teilen, unter den Auswirkungen solcher, in konkrete Handlungsentwürfe und politische Entscheidungen mündenden Anschauungen leiden müssen.

 

Sogenannte Behinderte (heutzutage sind sie mit dem Wortungetüm „Menschen mit Assistenzbedarf“ belegt), mussten bis in die späten 1980er noch ziemlich einheitlich in Werkstätten für Behinderte arbeiten, weil man davon ausging, dass sie nichts anderes können. Das waren meistens Arbeiten wie Fließbandproduktion oder auf wenige Handgriffe beschränkte handwerkliche Tätigkeiten, mit denen z.B. Billigmöbel oder ähnliches hergestellt wurde. Diese Tätigkeiten waren meistens äußerst stupide, langweilig und körperlich auf lange Sicht anstrengend und verschleißend (wie z.B. acht Stunden Fließbandarbeit im Stehen.). Wie soll z.B. ein als geistig Behinderter oder Minderbemittelter eingestufter Mensch jemals den „Beweis“ erbringen können, dass er vielleicht doch zu höherer geistiger Leistung in der Lage ist, wenn er permanent nur Tätigkeiten ausführt, die den Körper auslaugen und den Geist nicht fördern?

 

Die grundsätzliche Weltsicht, die dahintersteht, ist, dass alles, was uns widerfährt, im letzten Kern selbstverschuldet ist, bzw. entweder durch eigene Sünden oder durch Sünden der Eltern hervorgerufen wurde, und man diese Schuld nun im Sinne eines Abbezahlens (mit mehr oder weniger geringem oder eindeutigen Strafcharakter) abtragen müsse und dabei zu einer Läuterung finden müsse, die es einem ermöglicht, die begangenen Sünden NICHT mehr zu begehen. (ein dies betreffendes Bibelzitat aus dem Johannesevangelium: „Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war.  Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?“ Kleine Anmerkung am Rande vom Verfasser dieses Artikels: Nicht unwesentlich für die daraus zu folgernde Ethik ist die Antwort Jesu auf diese Frage. Ob man jedoch an die ganze dem zugrunde liegende Vorstellung glauben muss oder sollte, sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall gibt Jesu Antwort keine Handreichung zur ethischen oder sozialen Ächtung oder Bestrafung solcher Menschen. Sie lautet:  „Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.  Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.  Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“)  Das permanente Einreden von mehr oder weniger persönlicher Schuld und Verantwortung für das eigene Leid kann in konkreten Fällen zur kompletten Zerrüttung einer Persönlichkeit führen, z.B. dann, wenn sich keine konkrete Sünde und kein konkretes Fehlverhalten ermitteln lässt, auch nicht durch Dinge wie „Rückführung“ in vergangene Leben, vergangene Lebensjahrzehnte, die Kindheit oder pränatale, also vorgeburtliche Erlebnisse im Mutterleib oder der angeblichen „Ebene“ wo sich Seele und Geist vor der Geburt aufhalten sollen.

 

Bei mir z.B. soll all mein Leid und all meine „schuldhafte Verstrickung“ dadurch ausgelöst worden sein, dass ich mir einmal als Fünfjähriger im evangelischen Kindergarten einen runtergeholt habe (wohlgemerkt an einem Ort, wo mir dabei niemand zuschauen konnte, das heißt; bereits das Eindringen der Kindergärtnerin in diesen intim-privaten Ort war aus meiner heute erwachsenen Sicht ein unzulässiger Übergriff, von der anschließenden Standpauke, dem Einbeziehen meiner Eltern und der sich daran anknüpfenden und massiven Einfluss auf meinen schulischen Werdegang nehmenden Diagnose „Verhaltensgestörtheit“, die später „herabgemildert“ wurde auf ein immer unlogischer werdendes Gemisch aus ADHS, Schizophrenie, Borderline, Autismus, posttraumatischer Belastungsstörung, schwerer bis leichter geistiger, psychischer und körperlicher Behinderung, der Neigung zu sexueller Perversion, Gewalt, Drogenabhängigkeit  und politscher Renitenz mal ganz zu schweigen. Wenn ich nur 50 % von all diesem Unsinn glauben würde, hätte ich überhaupt kein funktionierendes Leben leben können. Was mir natürlich eindeutig dabei half, diesen Unsinn zu durchschauen, war, dass diese Diagnosen alleine inhaltlich teilweise total krass voneinander abweichen.

 

Wie gesagt, alles Schreckliche, was ich im Leben erlebt habe, hat seinen Ursprung darin, dass ich mir als Fünfjähriger einen gerubbelt habe. Und implizit bin ich deswegen auch Schuld an der derzeit prekären Weltlage. Aha. Ach nee, ich vergaß noch eines. Der am Tiefsten liegende Grund ist, dass meine Vorfahren Juden waren. Deswegen bin ich auch heute, wie ja jeder weiß, Antisemit, da ich mich „im tiefsten germanischen Instinkte“ vom „jüdischen Ungeist in meinen Genen“ reinigen will. Und meine „Verbrüderung“ mit Randgruppen und Behinderten sei reiner Eigennutz. Dies sei mir natürlich nicht bewusst, da ich ja sowieso ein chronischer Nichtspeiler sei.

 

Gegen Verdummung ist kein Kraut gewachsen. Da hilft nur eins. Gehirn anschalten.

 

Aber Spaß beiseite.

 

Es ist nämlich nicht ganz ohne, wenn man ein derart verquastes Denken auf Menschen anwendet, die sich wirklich nicht, nicht mehr oder nicht ausreichend artikulieren können. Menschen, die nicht sprechen können. Menschen mit Down-Syndrom, die Zusammenhänge nicht so gut verstehen können, und manchmal auch nicht (teilweise alleine nur akustisch!) verständlich mitteilen können, was sie meinen. Menschen, die nach Schlaganfällen gehandicapt sind und ihre Bedürfnisse und ihren Willen nicht mehr formulieren oder selbstständig ausführen können. Menschen, die sich z.T. nur vorübergehend in Psychosen oder anderen seelischen und geistigen Ausnahmesituationen befinden. Etcpp.

Und nun komme ich zum entscheidenden Punkt.

 

Die Abwertung von angeblich nicht (mehr) leistungsfähigen Menschen, und auch Vorstufen zur Euthanasie (Gnadentod) finden bereits statt. Unter anderem mit der Legitimisierung durch bereits erwähntes religiöses Weltbild.

 

Dafür jedoch die Schuld „den Juden“ oder „reichen jüdischen Organisationen“ zu geben, greift deutlich zu kurz. Denn das „Opfer/Schuld-und Sühne/Heimsuchung und Verfluchung über mehrere Generationen hinweg“-Denken wird aus dem Judentum lediglich entlehnt, um auf der Basis und mit angeblicher Begründung durch diese Anschauung eine aus rein ökonomischen Gründen herbeigeführte soziale Beschränkung und im steigenden Maße auch einer Dezimierung (in klarem Deutsch: Tötung) von Menschen durchführen zu können. Dies wurde seit Beginn der Industrialisierung immer wieder gemacht, mit wechselnden offiziellen Begründungen.

 

Der wahre Grund dafür liegt jedoch in dem Wunsch, unsere technischen Standards aufrecht erhalten zu können, sowie unsere kapitalistisch organisierten politischen Staaten und das damit verbundene internationale Handelsgefüge, das allerdings voraussetzen würde, dass in den einzelnen Ländern keine sozialen und religiösen Veränderungen oder Umbrüche geschehen dürfen (im Grunde auch überhaupt keine Veränderungen und Entwicklungen mehr), dass die Wetterlage (also das Wechselspiel von Sonne, Regen, Frost, Hitze-und Kälteperioden,etc.) immer gleich bleibt, um entsprechende Ernten zu gewährleisten, und dass sich die Meinungen, Gefühlslagen und Einstellungen von Menschen niemals ändern.

 

Es fällt nicht schwer, darin eine Erstarrung oder die Forderung nach einer solchen zu sehen, die manifest ist in klassischer, konservativer Politik (eine Konserve ist künstlich haltbar gemachtes und auf einen sich nicht mehr verändernden Stand gebrachtes Essen, das dann also auch nicht mehr schlecht werden kann. Konserven schmecken aber eigentlich immer mies, wenn man ehrlich ist.) Jemand, der sich mit der Bibel auskennt, wird gerade darin die Sünde und den „ewigen Tod“ erkennen können, genau genommen sogar die sogenannte Sünde gegen den Heiligen Geist, nämlich die Sünde gegen den Geist des Lebens, bzw. das Widerstreben gegen lebendige Impulse. Behauptet wird von offizieller Kirchenseite natürlich das glatte Gegenteil.

 

Also, um es auf den Punkt zu bringen: Hier geht es nur darum, dass wir angeblich zu viele Menschen sind, um gleiche Standards, ausreichendes Essen und Trinken und genügend vielfältige Arbeit und Freizeitbeschäftigung für alle zu gewährleisten. Deswegen müssen wir doch bitte so vernünftig sein, zu verstehen, dass ab und zu welche einen Schlaganfall kriegen müssen, zeitlebens auf Hartz4 oder anderen Sozialgeldern leben müssen oder gleich aus undefinierbaren Gründen hopps gehen. Am besten deswegen, weil sie sich an Gott versündigt haben, z.B. weil sie sich als Junge beim Schulfasching mal als Pippi Langstrumpf verkleidet haben (Es gibt ein entsprechendes Gebot im Leviticus, dass männliche Kinder keine Kleidung von Frauen anziehen dürfen).

 

Meiner Meinung und der Erfahrung meiner offenen Augen nach ist jedoch bereits in meiner unmittelbaren Umgebung (Ich lebe ich der Hamburger Vorstadt, in der Nähe von Park-und Waldgebieten und Feldern von Bauern) genug Essbares und auch sehr Gesundes vorhanden, was wild wächst, überhaupt nichts kostet und  bei geringer botanischer Bildung auch als bedenkenlos essbar erkannt werden kann; und alleine davon kann man leben, ohne jemandem etwas „wegzuessen“, dem „Staat aufs Portemonnaie zu fallen“ oder asozial zu werden. Aber dann zaubert „Väterlein Staat“ ja immer folgende Begründungen aus dem Hut: „Wenn das jeder tun würde, hätten wir bald keine Wälder und Naturschutzgebiete mehr“, bzw. das gegenteilige Argument, „Die Früchte, die am Wegrand wachsen, sind alle atomar und von Abgasen verseucht, die Früchte, die wir im Supermarkt kaufen, aber natürlich nicht.“.

 

Aus meiner eigenen Erfahrung – ich habe Kontakte und Freundschaften in der Barner 16, einer künstlerischen Einrichtung für Behinderte, in der diese beruflich Musik, Schauspiel, Tanz und bis vor einigen Jahren auch Film ausüben-speist sich die Erkenntnis und das Wissen, dass Menschen mit geringen geistigen Behinderungen –und dazu gehört auch das Down-Syndrom!- keineswegs „verblödet“ sind und nichts können, als an einem Fließband Schrauben einzutüten, sondern teilweise große musikalische Fähigkeiten haben und Gitarre, Schlagzeug, Keyboard oder Blasinstrumente spielen können, in einer Weise, die sich in nichts von dem Können „gesunder“ Musiker unterscheidet. Außerdem ist auch hinlänglich belegt, dass Menschen mit geistigen Behinderungen in der Lage sind und waren, vollwertige, akademische Abschlüsse zu machen (Stichwort „Downie-Professor“). Bei einer bestimmten Art der Fließbandarbeit ohne jeden Ausgleich aber würde jeder irgendwann verblöden, alleine nur deswegen, weil er seine geistigen Fähigkeiten dabei nicht nutzt. Man sollte sich also, wenn man irgendwelche Thesen aufstellt, gerade dann, wenn sie menschenfeindlich sind, immer fragen: „What’s the bow, and what’s the arrow“ („Was ist der Bogen und was ist der Pfeil“, zu gut Deutsch „Was ist die Ursache und was die Wirkung“).

 

Natürlich ist die Vorstellung, man könne den Reichen nehmen und den Armen geben (Robin-Hood-Prinzip), die in der Barner teilweise gepflegt wird, und die die Vorstellungen von linker Revolution und Umverteilung der Güter auf die Umverteilung von Fähigkeiten transponiert („Man nimmt durch magisches Gedöns den Intelligenten ein bisschen was von ihrer ungenutzten Intelligenz weg und gibt diese den zu kurz gekommenen Behinderten“) genau so ein Unsinn, der auf einem Mix falsch verstandener östlicher Spiritualität, falsch verstandenem Christentum und falsch verstandener Anthroposophie beruht. Um es mal ganz nüchtern zu sagen: Wenn jemand eine bestimmte Fähigkeit nicht hat, kann er sie auch nicht durch Glauben, Weißmagie, Schwarzmagie, esoterische Tricks oder Bescheißung der göttlichen Kräfte bekommen. Man kann immer nur das entwickeln, was vorhanden ist. Daher, um noch einmal in eigener Sache zu sprechen, sind auch alle Vermutungen, ich könne ein Autist, schwer geistig behindert oder unheilbar schizophren sein, völlig obsolet. Wenn ich das alles wäre, könnte ich all diese ganzen Artikel nicht schreiben. Über die Inhalte der Artikel kann und darf man natürlich aber gerne streiten (auch mit mir persönlich).

 

Was ich letztendlich sagen will, und worum es mir geht, ist, dass ich in der Krisen-und Umbruchszeit, in der wir gegenwärtig leben, keine salomonische Position einnehmen werde, also eine Position, die sich um Ausgewogenheit um jeden Preis bemüht. Denn erstens wäre es vermessen, nur alleine zu glauben, man könne das (außer man sei ein von Gott zum spirituellen Obermotz und Gottkönig Berufener, und so etwas wurde mir bisher nicht geoffenbart…), und zweitens ist eben dies auch weder gut, noch hat es sich geschichtlich je irgend bewährt. Sogar in der Geschichte von Salomo selber sehen wir, dass der Preis, den er und sein Volk für seinen Wunsch nach unbedingter Weisheit, Gerechtigkeit und Ausgewogenheit zu zahlen haben, viel zu hoch ist. Wer Fehler, Irrtümer, und das Schwanken der Waage um jeden Preis vermeiden will, erschafft damit auch ein Klima von Vermeidung, Rechthaberei, Unlebendigkeit und politischer Unflexibilität. Der Preis, der dann „gezahlt werden muss“, ist das Beugen und Übertreten von Recht, Gesetz, Wahrheit und Menschlichkeit. Und eben dies erleben wir zur Zeit.

 

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Patrick Rabe, 2020, Hamburg.

© für diesen Text by Patrick Rabe

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.10.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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