Heinz-Walter Hoetter

Der Traum

 


 

Ich lag in meinem Bett und wurde durch ein komisches Geräusch aus meinem Schlaf geweckt. Ich kroch langsam unter meiner Decke hervor und öffnete die Augen. Um mich herum herrschte völlige Dunkelheit. Plötzlich hatte ich dieses seltsame Gefühl, dass sich jemand in meinem Zimmer aufhielt. Vielleicht bildete ich mir das auch nur ein, dachte ich.

 

Ich taste mit der rechten Hand schließlich nach der Nachttischlampe, drückte den Schalter runter und im nächsten Augenblick ging das Licht an, das aber sofort wieder ausging. Offenbar war die Lampe durchgebrannt.

 

Es blieb dunkel. Trotzdem stand ich auf und verließ das Bett. Von draußen drang etwas Licht durch die Ritze des geschlossenen Rollos. Langsam tastete ich mich weiter. Fast wäre ich über meine Schuhe gestolpert, die unten am Fußende des Bettes herum lagen.

 

Endlich erreichte ich den Türrahmen, fand den Schalter ziemlich schnell und drückte ihn nach unten. Das Licht der Deckenbeleuchtung erhellte aber auch diesmal nur für einen kurzen Moment das Zimmer. Dann ging es mit einem lauten Knall wieder aus.

 

„Verflucht noch mal. Das kann doch gar nicht sein“, sagte ich zu mir selbst und fuhr verärgert fort: „Gleich zwei Birnen brennen nacheinander durch. Was geht hier eigentlich vor?“

 

Eine leichte Panik stieg in mir auf, als ich von der gegenüber liegenden Zimmerseite plötzlich so ein seltsam hämisches Lachen vernahm, das zuerst nur ganz leise war, dann aber an Intensität zunahm.

 

„Wer ist da?“ rief ich mit erstickter Stimme und unterdrückte meine Furcht so gut ich konnte. Ich zitterte am ganzen Körper wie Espenlaub. Irgendwer stand da in der Dunkelheit des Zimmers, rührte sich nicht vom Fleck und lachte wie jemand, der sich über meine Angst lustig machte.

 

„Los, zeig' dich!“ schrie ich voller Verzweiflung, wusste aber sogleich, dass das gar nicht möglich war, da ja alle Birnen kaputt waren.

 

Meine Panik nahm zu. Ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle. Meine Knie wurden weich. Dann rutschte ich an der Wand runter auf den Boden, wo ich wie erstarrt sitzen blieb.

 

Im gleichen Moment verstummte das höllisch anmutende Lachen. Im nächsten Moment spürte ich direkt vor mir den heißen Atem eines geöffneten Rachens, der mich fast zu Tode erschreckt hätte.

 

„Lass' mich wieder zurück in deine Träume. Ich habe hier nichts in deiner Welt zu suchen. Du hast mich hier hin gebracht und du musst mich auch wieder hier raus bringen, ganz egal, wie du das machst“, sagte eine krächzende Stimme zu mir.

 

„Wie soll ich das machen?“ fragte ich wie ein kleines Kind mit halb erstickter Stimme.

 

„Ganz einfach! Du gehst in dein Bett zurück, schläfst ein und träumst einfach weiter. Und wenn es soweit ist, kann ich wieder in deinen Traum zurück. Los, mach' schon, bevor die Nacht vorbei ist!“

 

Wie ein Zombie stand ich auf, tastete mich zum Bett hinüber, legte mich unter die Decke und schlief auch bald wieder ein, als würde mich jemand dazu zwingen.

 

***

 

Ich träumte von einer düsteren Welt, die mir vorkam wie ein Ort der Finsternis. Auf einmal stand der Höllenfürst direkt vor mir, der mich hämisch grinsend ansah. Sein Lachen kam mir irgendwie bekannt vor. Dann sagte er zu mir: „Da bist du ja endlich wieder. Ich dachte schon, du kommst nicht mehr zurück. Aber diesmal bleibst du hier und zwar für immer. Dafür werden meine Dämonen schon sorgen, die aufpassen, dass du nicht wieder abhaust.“

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

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