Jürgen Malodisdach

So war das einmal

Das war`s wohl

 

Mutig wie ich mit sechzehn Jahren sein wollte, manchmal auch blöd, die physikalischen Grundsätze mißachtend, wollte ich auf meinem Fahrrad von der Straße auf den Radfahrweg rüber wechseln . Da war aber noch eine Bordsteinkante. Die wollte ich schräg überfahren. Dachte ich.

Der Versuch glückte nur halb. Ich kam zwar hinüber lag dort dann aber mit meinem Fahrrad auf der Schnauze.

Passiert war glücklicherweise nichts weiter. Nur meine zwei jüngeren Brüder, die hinter mir fuhren , haben sich köstlich amüsiert. Wie kannst du nur so etwas machen, meinten sie.

Habe ich mich dann auch gefragt.

Dabei fielen mir einige Erlebnisse von vor einigen Jahren ein. Einmal im Jahr gab es einen Wandertag an dem die Schüler unserer Klasse gemeinsam etwas unternehmen konten. Wir wohnten zu dieser Zeit in einer bergigen Gegend. In den oberen Klassen wurde dann eine Klassenfahrt mit Fahrrädern organisiert.

Immer quer über die Berge. Auf Waldwegen die mal schmal und mal breit waren. Mal gab es Spurrinnen mal waren die Wege mit dem Laub der Bäume überdeckt. Wie das im Wald so üblich ist. Im Winter wurden einige Wege als Schlitten-und auch Bobbahnen benutzt.

Da konnte man nicht mehr sehen, was darunter lag. Ich hatte kein Fahrrad. In unserer Familie gab es auch nicht so ein Ding. Also konnte ich auch nicht fahren. Wußte auch nicht, wie man mit so einem Rad umgehen muß und kann. An der Klassenfahrt wollte ich aber unbedingt mitmachen. Also besorgte Vater leihweise von Bekannten ein Fahrrad.

Darauf machte ich meine ersten Versuche , um zu üben , wie man damit umgehen muß. Es war aber trotzdem viel zu wenig Zeit um das zu beherrschen. viel zu wenig Übung für mich . Auf einer glatten Straße ging es ja so leidlich. Aber dann , im Gelände wurde es kritisch.

Das merkte ich bei dem Schulausflug sehr oft. Es gab in unserer Klasse noch zwei weitere Schüler, denen es genauso ging. Ein Junge und ein Mädchen waren betroffen. Auf dieser Bergtour haben wir Drei immer abwechselnd irgendwo gelegen. Einmal über , ein anderes Mal unter den Rädern. Es ist überhaupt nichts passiert. Außer dem Gelächter der anderen gab es keine Schäden an Mensch oder Maschine. Später hat sich das gebessert, als ich ein eigenes Rad hatte.

Dann haben wir in der Familie gemeinsame Ausflüge gemacht.

So auch an diesem schönen warmen Sommertag. Es waren ja Schulferien und wir wollten unseren Opa besuchen. Der wohnte aber fünfunddreißig km weiter in einem Dorf entfernt von uns.

Die km waren für unsere Altersgruppe kein Problem. Wir sind diese Tour schon öfter gefahren. Als wir aus unserer Stadt raus waren haben wir die Hauptstraße verlassen und dann die viel angenehmeren Wald und Feldwege benutzt.

Erstens war der Weg kürzer und außerdem kamen wir an kleinen Seen vorbei, wo wir uns erfrischen , also baden gehen konnten. Danach ging es weiter.

Opa war ein ehemaliger Bergmann. Jetzt aber in Rente. Es ging ihm nicht besonders gut. Paul, so hieß er, hatte vor kurzer Zeit seine Frau, die Pauline verloren. War also allein. Er freute sich immer, wenn seine Enkel ihn besuchen kamen. Sein kleiner Garten hinter der Wohnanlage garantierte ihm eine tägliche Beschäftigung. Naja, es war schon eine schwierige Zeit nach dem Ende des letzten Krieges. er lebte ja allein, hatte also nur eine kleine Lebensmittelkarte zur Verfügung. So wie sie damals üblich war. Und so haben wir ihm ein paar Lebensmittel mitgebracht.

Der Bergbau in dieser Gegend war weitest gehend eingestellt. War nicht effizient genug. Viele Stollen und Eingänge waren noch zugänglich. Das war für uns natürlich ein bisschen Abenteuer. Opa kam manchmal mit und zeigte und erklärte immer wieder etwas aus der vergangenen Arbeit. Es war schon interessant.

Heute existiert dieses Dorf nicht mehr. Liegt teilweise unter Wasser. Die ganze Landschaft ist nicht wieder zu erkennen. Wird zum Urlauberzentrum umgebaut.

Mir fiel diese kleine Episode ein , als jetzt vor kurzer Zeit auch noch mein zweiter Bruder verstarb.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.10.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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