Jürgen Malodisdach

Kennt das Jemand

Vergiß mal nicht

 

Es klingelt oder piept oder musiziert oder macht sonst für einen störenden Lärm, ein Telefon oder auch Handy oder Sm Ph, genannt.

Er nimmt es in die Hand, sagt ja Hallo.

Ja hier auch Hallo, sagt die Stimme. Und dann sagt sie, kannst du mich wieder abholen aus dem Garten. Ich habe einiges zu tragen. Zu schwer für die Busfahrt. o.k. Sagt er und legt auf.

Für die Autofahrt muß er sich etwas umziehen. Tut das. Will sich beeilen und geht gut gelaunt aus der Wohnung.

Die Tür fällt ins Schloss als ihm einfällt, daß er zum Auto fahren auch die dazu gehörenden Schlüssel und Papiere braucht. Na gut, nicht so tragisch. Noch einmal zurück in die Wohnung und das Vergessenen holen.

Denkt er. Fasst in die Hosentasche, will den Wohnungsschlüssel heraus nehmen. Greift aber ins Leere. Na so eine Sch. Kein Schlüssel da. Das kommt davon, wenn man alles schnell machen will und dabei Wichtiges vergisst einzustecken. Na so etwas ist ihm noch nie passiert.

Er geht zum Parkplatz, steht vor dem Auto und überlegt. Dann greift er zum Sm Ph und tippt auf eine Nummer. Wieder das übliche Hallo.

Dann die Darstellung der Situation und die Bitte ohne Gepäck mit den Öffentlichen zurück zu kommen. Gut sagt sie, es dauert aber zwei Stunden.

Er steht wieder da, hat nicht gedacht, daß es so lange dauern würde. Was macht man nun in soviel Leerlaufzeit ohne Schlüssel vor verschlossenen Türen.

Schlüsseldienst holen ist Quatsch.. dauert erstens viel zu lange und ist außerdem nur etwas für Millionäre. Wenn man nicht aufpasst hauen die einem mächtig übers Ohr.

Also abwarten. Irgend wann ist es doch soweit . Sie ist da. Ohne Gepäck. Jetzt alle Schlüssel einstecken. Hast du die Gartenschlüssel, frage ich. Nein meint sie. Habe vergessen sie einzustecken. Alle Türen sind offen.

Das ist gut sage ich. Wir brauchen also keine größeren Reparaturen befürchten, wenn uns jemand besucht obwohl wir nicht da sind. Vielleicht auch noch einiges mit nimmt. Soll er wenigstens das mitnehmen, was wir nicht brauchen können.

Die Fahrt dauert nicht so lange. Die Gartentür ist offen. Die Tür zum Häuschen aber nicht. Wieso ist die zu. Ach ja, die Tür schließt automatisch zu, wenn sie zu gemacht wird und dreißig Minuten nicht bewegt wird. Haben wir vergessen.

Als alter gelernter Elektroniker hat man mitunter ein paar Spielereien eingebaut. Dann aber vergessen wenn es darauf ankommt. Und alle Schlüssel liegen im Haus. Was nun sprach Zeus, die Götter sind besoffen. Denn Vergessenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr. Frei nach Wilhelm Busch. Es folgt eine Kontrolle aller Fenster und sonstiger Ein-oder Ausstiegsmöglichkeiten. Und siehe da, es gibt noch einen kleinen Trick. Verrate ich hier, denn niemand weiß, wo diese sonderbare Hütte steht. Also die Hütte der Vergesslichkeiten..

Eine kleine Luke knapp unterm Dach bietet noch eine Einstiegsmöglichkeit. Um da rauf zu kommen brauchte man eine Leiter. Gut , haben wir. Steht aber im Schuppen. Die Schuppentür ist abgeschlossen. Naja , ist aber kein so großes Problem.

Ein ganz altes Schloss, wahrscheinlich noch aus irgend welchen altertümlichen Kaiserzeiten lässt sich leicht öffnen. Man muss die Tür nur leicht anheben damit die Riegel aus einer Halterung springen. Und schon geht die Sache auf. Man muss nicht einmal eine Kurbel drehen.

Wissen andere Leute Gottseidank nicht. Denn der Maschinen und Werkzeugpark im Inneren ist auch nicht zu verachten.

Nun kann man eine Leiter nehmen und am Gartenhäuschen so anstellen, das man möglichst dicht an die Luke heran kommt. Wer dann nicht allzu dick und unbeweglich ist, kommt so auf einen Zwischenboden. Natürlich gebückt, denn das Dach ist ja gleich darüber.

Sucht und findet bestimmt die Einstiegsluke in die darunter liegenden Räume der Hütte. Geschafft , die Schlüssel liegen auf einem Tisch. Jetzt kann man die Tür ganz bequem öffnen. Und ins Freie treten um Luft zu schnappen. Das ist auch nötig, denn die Anstrengungen um zu diesem Ergebnis zu kommen, waren nicht ganz ohne.

Jetzt ist es schon fast dunkel. Die Winterzeit ist angebrochen und es ist auch merklich kühler. Durst ist auch dabei. Also erst einmal noch schnell ein kleines Bierchen aus den vorhandenen Beständen trinken. Ach so, haben wir fast vergessen. Wir wollten ja eigentlich wieder nach Hause fahren. Aber mit Bier im Bauch ist das ein Widerspruch zu den geltenden Rechtsvorschriften im Staate. Das haben wir nun aber absolut nicht vergessen.

Na ganz einfach, jetzt kann man noch ein Bier trinken. Wir bleiben hier zur Übernachtung. Es gibt zwar keine Nahrung zum Abendbrot. Aber einmal geht das schon. Kann man ja vergessen.

Beim nächsten Arztbesuch müssen wir mal fragen, wann Vergesslichkeiten zum Problem werden.

Heute jedenfalls haben wir beschlossen, die Sache einfach zu vergessen und anschließend kräftig darüber zu lachen.

Übrigens , die Tür zum Gartenhaus konnte man auch anders öffnen. Denn auf dem Handy gab es ein kleines Knöpfchen, bei dessen Betätigung hätte man die elektronische Verriegelung lösen können. Haben wir aber vergessen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.10.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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