Olaf Lüken

Impressionen am Furlbachmoor (Senne)

Anfang September (2020) besuchte ich meinen Heimatort aus Jugendzeiten. Es ist die Sennegemeinde Hövelhof, ein prosperierendes Städtchen zwischen Paderborn und Bielefeld. Michael, mein Freund und Gefährte aus Jugendtagen, lebt mittlerweile in Sennestadt und arbeitet - zusammen mit seiner Frau - für die Bodelschwinghsche Stiftung in Bethel. Michael holte mich vor der Kirche Sankt Nepomuk in Hövelhof ab. Dann starteten wir unsere abendliche Fahrradtour um den Moorteich am Furlbachhof. Mein Bericht:

Am Moorteich. Welche Ruhe, welche Tiefe: "Olaf, hörst du das leise Flüstern ? Sicherlich ist das ein junger Torfgnom !" "Quatsch, Michael !" "Moore sind perfekte Wasser und Kohlenstoffspeicher. Mehr nicht !"

Ein lautes Glucksen unterbricht die Stille des moorgeschwärzten Furlbachspiegels. Im Dämmergrauen sehen wir am Himmel einen Vogelzug. Es sind Kraniche, die das schwarze Wasser in Richtung Süden überqueren. Rohrkolben, Binsen und tote Birkenstümpfe ragen aus den sumpfigen Wassern. Schattenwürfe von Föhrenzwergen, kreuzen den Nebel zwischen den Bäumen. Über den verlandeten Moorsee segelt einsam der Mond, sein Gesicht von Wolken umkränzt. Am Waldrand, hinter dem Moorteich, lösen sich dunkelgraue Schemen, die Michael und ich nicht deuten können. Sind es lichtscheue Köhlergestalten, erdgebundene Geister, Kobolde, gar Wiedergänger ? Ist es Margarethe, die Hebamme vom Furlbachhof ? Grete wurde 1634 von getreuen Katholiken am Rand des Moores mit einem Ruder geschlagen, dann versenkt, als sie wieder auftauchen wollte. Die Ermordete war das Opfer einer gezielten Denunziation verwandtschaftlicher Kreise. Seither berichten Anwohner, Köhler und Spaziergänger von ihrer regelmäßigen Wiederkehr, bevorzugt in den ersten Septembertagen eines jeden Jahres. Birkenstümpfe und Sumpfgräser ragen aus dem Wasser und ähneln kleinen Monstern.

Wir hören ein undeutliches Stöhnen und Wehklagen. Glühende Augen überall. Schaurige Phantome aus Röhricht, knisternde Rasenhalme, die wie Speere spitz sind.Moorfrösche unterbrechen mit ihrem Quaken die Stille. Dann gluckst das Moor wieder vor sich hin. Etwas später hören wir eine Stimme, die unmittelbar aus unserer Umgebung zu kommen scheint: "Haut ab, wenn euch euer Leben lieb ist, sonst ziehe ich euch zu mir hinunter !" Nebelschwaden steigen empor. Die Luft riecht moddrig und schal. Es ist saukalt. Wir stehen auf einem holzverlegten Wanderweg und schauen uns entsetzt an. Wir schnappen die Räder und sehen zu, dass wir schleunigst Land gewinnen.

 

(c) Olaf Lüken (08.11.2020)






 

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