Heinz-Walter Hoetter

Jack Coopers temporäre Begegnung mit einem Außerirdischen

 

 

 

Dunkle Wolken waren aufgezogen und bald regnete es in Strömen. Zusätzlich blies noch ein heftiger Wind, der den Regen über das weite Land peitschte.

 

Jack Cooper saß an seinem Schreibtisch und las gerade ein wenig in der Zeitung. Hin und wieder schaute er zum großen Bürofenster raus und beobachtete argwöhnisch das turbulente Wetter.

 

„Verdammtes Wetter aber auch“, murmelte er in sich hinein und fuhr mit leiser Stimme fort: „Ich wollte mich doch nach der Arbeit mit meinen Kollegen zum Angeln treffen. Wird wohl nichts werden. Schade eigentlich, aber man kann jetzt nichts mehr machen.“

 

Mürrisch faltete er die Zeitung zusammen, blickte zuerst zur Bürouhr rüber, die über der Eingangstür hing und schaute dann abermals nach draußen.

 

„Wann hört das denn endlich mal auf? Gleich ist Feierabend und ich bin mit dem Fahrrad unterwegs. Pech muss man haben. Zum Glück habe ich einen Regenmantel dabei, der mich hoffentlich vor dem Unwetter ein wenig schützt. Ich kann froh sein, wenn ich trocken nach Hause kommen werde.“

 

Jack Cooper kramte seine persönlichen Sachen zusammen, verstaute alles in seine Ledertasche, verließ das Büro, schlüpfte im angrenzenden Gang noch schnell in seinen regenfesten Mantel und verließ das Gebäude.

 

Draußen empfing ihn das Unwetter aus Regen und Sturm mit aller Heftigkeit. Cooper fluchte vor sich hin, als er sein Fahrrad in dem Chaos bestieg und los radelte. Trotz des Unwetters hatte er dennoch einen Vorteil, der darin bestand, dass er Rückenwind durch den heftigen Wind bekam, der ihn schnell vorwärts brachte, sodass er sogar vorsichtig sein musste, nicht all zu schnell zu werden. Deshalb bremste er hin und wieder sein Rad vorsichtig ab, um die Geschwindigkeit zu verringern.

 

Jack Cooper kannte eine Abkürzung, die er nehmen wollte, um schneller nach Hause zu kommen Er kannte diesen gut geteerten, schmalen Weg, der für PKW's gesperrt war. Dadurch wurde seine Fahrtzeit um mehr als ein Drittel verringert. Schon bald hatte er diese Abkürzung erreicht, die links und recht von großen Bäumen gesäumt wurde, die ihn ein wenig vor dem herab prasselnden Regen schützten.

 

Schon nach knapp fünfzig Metern auf dieser Strecke blitzte plötzlich seitlich von ihm etwas auf.

 

„Jetzt kommt auch noch ein Gewitter“, dachte sich Cooper und kniff die Augen ein wenig zu. Unverdrossen radelte er dennoch weiter.

 

Dann blitzte es noch einmal auf, heftiger als beim ersten Mal. Kurz darauf tauchte direkt vor ihm die gesamte Umgebung in ein intensiv leuchtend blaues Licht, das ihn stark blendete. Cooper musste mit seinem Fahrrad stehen bleiben, weil er seine Augen mit beiden Händen bedecken musste.

 

Das Licht vor ihm wurde größer und noch heller als zuvor. Er hatte den Eindruck, als würde es näher kommen, verschwand aber kurz darauf ganz plötzlich wieder, als wäre es nie dagewesen.

 

Als Jack Cooper gerade wieder auf sein Rad steigen wollte, sah er mit einmal dieses seltsame Raumschiff, das gleich neben dem Weg auf einer weiten Ackerfläche gelandet war. Der Boden war heiß und es dampfte überall, sodass man zuerst die genauen Umrisse der Flugmaschine nicht erkennen konnte.

 

Dann erblickte Cooper einen großen Schatten, der direkt aus dem aufsteigenden Qualm auf ihn zukam. Er schreckte ein wenig zusammen. Bald darauf stand ein ziemlich wuchtig aussehender Mann vor ihm, der sich in einem glänzenden, eng anliegenden Raumanzug vor ihm aufbaute. Den gläsernen Helm trug er unter dem linken Arm.

 

„Die Atemluft ist voller Sauerstoff. Tut mir richtig gut nach dem langen Flug durchs All. Oh, du musst keine Angst vor mir haben, Erdling!“ sagte der fremdartige Raumfahrer ganz ruhig, hob die rechte Hand zum Gruß und deutete damit an, dass er in friedlicher Absicht kam.

 

Cooper stand wie angewurzelt da. Er bekam vor lauter Staunen kein Wort heraus. Mit so einer außerirdischen Begegnung hätte er niemals gerechnet, noch dazu mitten im stürmischen Regen auf einer abgelegenen Strecke. Außerdem redete der Außerirdische perfekt seine Sprache, was ihn noch mehr verwunderte.

 

Dann sprach der Fremde aus dem All weiter.

 

„Leider wurde mein Treibstofftank von einem kleinen Meteoriten getroffen und ist ein wenig undicht geworden. Die Roboter reparieren gerade den Tank. Deshalb musste ich hier notlanden. Ich brauche neues Wasser, weil ich dieses kostbare Nass für meinen Kernfusionsantrieb brauche. Ich bin gerade dabei, den Regen aufzufangen, der hier im Augenblick in gewaltigen Mengen runter kommt. Einfach grandios. Das war meine Rettung. Allerdings konnte ich nicht wissen, dass ich hier in dieser abgelegenen Gegend einen Erdling wie dich antreffen würde, der ausgerechnet in diesem Wetterchaos unterwegs sein muss. Nun, wenn du willst, kann ich dich nach Hause teleportieren. Wir können aber auch ein wenig miteinander plaudern. Ganz wie du willst. Ich bin so wahnsinnig neugierig darauf, was du mir zu erzählen hast von deiner Welt“, sagte der Fremde zu dem völlig versteinert da stehenden Jack Cooper.

 

Plötzlich standen beide nicht mehr im Regen und auch der heftige Wind schien ihnen nichts mehr anhaben zu können. Der Außerirdische hatte ein unsichtbares Energiefeld um sie herum aufgebaut, das beide vor dem Unwetter perfekt schützte.

 

In Jack Cooper stieg auf einmal das seltsame Gefühl hoch, dass er diesem Fremden aus dem All absolut vertrauen konnte. Warum, das wusste er nicht. Es war einfach so. Vielleicht wurde er von ihm beeinflusst.

Aber beide unterhielten sich schon bald immer angeregter miteinander. Der Außerirdische redete dabei mehr, als er. So liefen sie gemeinsam mehr als eine Stunde durch den Regen, der an dem unsichtbaren Energiefeld abprallte und wie an einer Glasscheibe herunter perlte.

 

„Dein Planet ist so wunderschön. Ich habe schon viele bereist, aber noch keinen gesehen, der es mit der Erde des Menschen aufnehmen könnte. Die meisten Planeten bestehen nur aus Wüsten oder felsiger Landmasse, die oft nur über eine geringe Vegetation verfügen. Aber die Erde ist voller Wasser und Leben. Wir lieben solche Planeten, dürfen allerdings keine anderen Planeten besiedeln, sondern müssen alle Lebensformen, die darauf existieren, ihrem Schicksal selbst überlassen. Wir kommen überall im Universum zurecht und haben keine Überlebensprobleme, was bei euch Menschen anscheinend anders ist. Meine Scanner haben das schnell heraus gefunden. Geht also mit dem Leben auf der Erde sorgsam und verantwortungsbewusst um. Davon hängt eure Zukunft ab.“

 

Jack Cooper nickte nur bestätigend, weil er auch so dachte. Er konnte dem Außerirdischen eigentlich nur zustimmen.

 

Plötzlich blieb der Fremde aus dem All abrupt stehen. Ein Signal leuchtete an seinem linken Handgelenk auf.

 

„Oh, der Tank scheint voll zu sein. Der Fusionsreaktor hat seinen Betrieb wieder automatisch aufgenommen. Ich muss leider wieder auf mein Raumschiff zurück. Hat mich sehr gefreut, mal einen Erdling kennen gelernt zu haben. Ihr seid eine intelligente Rasse, das muss ich schon sagen. Wenn ihr den richtigen Weg geht, habt ihr noch eine großartige Zukunft vor euch. Andere Lebensformen im Universum sind an ihrer eigenen Gier und Ignoranz untergegangen. Sie zeigten in vielerlei Hinsicht einfach keine Einsicht. Wir haben das selbst beobachten können. Aber eingreifen durften wir nicht. Ich hoffe doch sehr, dass es bei euch Menschen anders sein wird. Eine so intelligente Rasse, wie ihr es seid, kann jedes Problem lösen. Das konnten wir doch auch.“

 

Der Außerirdische schüttelte Jack Cooper noch einmal die Hand, winkte ihm freundschaftlich zu und verschwand von einer Sekunde auf die andere.

 

 

***

 

Jack Cooper saß an seinem Schreibtisch und las gerade in der Zeitung. Es war kurz vor Feierabend. Hin und wieder schaute er zum großen Bürofenster raus und beobachtete das schöne Wetter da draußen. Der Himmel war wolkenlos blau. Nur vereinzelt zogen einige kleine weiße Wolken vorbei, die aussahen wie zerzauste Wattebäuschchen.

 

Cooper wollte sich heute noch mit ein paar Freunden zum Angeln treffen, wobei ihm das sonnige Wetter gerade recht kam. Er freute sich schon ganz besonders darauf.

 

Als er gerade seine persönlichen Sachen zusammen kramte, fiel ihm eine glänzende Platte aus einem unbekannten Metall auf, die auf seinem Schreibtisch lag. So etwas hatte er noch nie gesehen. Von ihm konnte sie nicht stammen. Verwundert griff er nach ihr und betrachtete sie etwas näher. Im gleichen Augenblick erschien plötzlich eine Nachricht in leuchtender Schrift auf ihr.

 

Dann las eine sanft klingende Stimme die Nachricht vor, die ihm irgendwie bekannt vorkam.

 

„Hallo Jack! Vielleicht erinnerst du dich nicht mehr an mich. Das wäre auch kein Wunder, denn die Vergangenheit hat für dich neu angefangen, die jetzt wieder deine Gegenwart ist. Aber wir sind uns zufällig in einem heftigen Unwetter begegnet. Du hattest Feierabend und wolltest nach Hause radeln. Ich musste mit meinem Raumschiff notlanden, um Wasser auf eurem Planeten für meinen Fusionsreaktor aufzunehmen. Das war eigentlich kein Problem, da es ja ununterbrochen geregnet hat. Dann sind wir sind uns näher gekommen und haben uns später echt prima unterhalten. Du warst allerdings ein bisschen wortkarg, aber das hat mir nichts ausgemacht, weil ich deine Gedanken lesen konnte. So habe ich auch heraus gefunden, dass du mit deinen Kumpels zum Angeln gehen wolltest, aber das blöde Wetter dir einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Um dir zu helfen, habe ich die Zeit ein wenig für dich zurück gedreht und für dich, anstatt des Unwetters, ein sonniges Wetter gemacht. Wir verfügen nämlich über die besondere Fähigkeit der temporalen Zeitverschiebung. Denke nicht darüber nach, wie wir das machen, sondern freue dich einfach nur darauf, mit deinen Bekannten Angeln gehen zu können. Wir werden uns nicht wiedersehen, denn unsere Rasse darf bewohnte Planeten normalerweise nicht betreten. Das ist nur in Notsituationen erlaubt, wenn es anders nicht geht. Ich habe mich sehr gefreut, einen von eurer menschlichen Rasse kennen gelernt zu haben. War wirklich sehr interessant. Übrigens habe ich keinen Namen, so wie du. Wir erkennen uns nur auf geistigem Wege, weil jedes Individuum von uns seine eigene biologischen Struktur hat, die es bei einer Begegnung sofort mit seiner geistigen Gabe erfasst. Deshalb kann ich dir auch nicht sagen, wie ich heiße. So, dir alles noch erdenklich Gute, mein lieber irdischer Freund! Was diese Metallplatte angeht, wird sie sich nach Ende der Nachricht von selbst auflösen. Das ist Vorschrift bei uns. Behalte mich also immer in guter Erinnerung! Ihr seid nicht alleine im unendlichen Universum. Das wollte ich dir noch nachträglich sagen.“

 

 

ENDE

 

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.11.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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