Johann Bolech

Das man sogar den Geschmack verlor

Da sitze ich.

Ich sitze. Ich sitze wirklich auf einem Stuhl.

Wenn ich mich nach hinten bewege, zieht sich leicht die Rücklehne, vom Stuhl zurück.

Die vier Füße am Stuhl bestehen aus Holz, aber die Sitzfläche aus Kunststoff. Ein gewisses Polster.

Das Holz, der eine Fuß am Stuhl, aus dem er besteht. Es ist so unfassbar glatt wenn ich mit dem Finger darüber streife.

Nur ein Genie, konnte solch eine Konstruktion kreieren. Hat er darauf ein Patent? Für einen Stuhl?

Der Kühlschrank macht auch solch komische Geräusche. Er brummt leise, paar Minuten, dann hört er auf einmal wieder auf.

Mir fällt auf, irgendwie wirkt dieses Brummen leicht beruhigend. Wie eine Art „Entspannungsmusik“.

Warum hat man eigentlich immer so einen grossen Kleiderschrank im Schlafzimmer. Eine gewaltige Platzverschwendung. Ich würde lieber alles bügeln und falten. Optimal Platz gespart.

Der Boden ist leicht staubig. Ich nehme meinen Mop, wische kurz darüber. Es glänzt nun, wenn hinunter blicke.  

Das Wohnzimmer sah früher mal besser aus. Paar leere Flaschen, Reste von Chips, unter dem Tisch. Kein Problem, ich ziehe es durch, einmal gewischt, schon glänzt es wieder mit aller Pracht im Winkel vom Licht.

Beim sauber machen, fand ich einen Ring, unter dem Tisch. Er funkelte schön. Wem der wohl gehörte?

Ich steckte ihn in die Hose, es folgte dann das Staubsaugen.

Nun war ich fertig und fühlte mich gut dabei. Wer lässt sich so überhaupt gehen, verrückt im Dreck zu leben.

Draußen im Flur, schrie jemand herum. Eine Frau, ein Mann. Hörte sich an wie ein Streit unter den zwei. Am Ende folgte nur ein lauter Knall, plötzlich war es dann vorbei.

Mir ist es mulmig. Ich mochte es nicht, wenn eine Frau weinte, so kamen mir die schlechten Gedanken.

Was ich auch nicht mag sind Leute, die vor sich hin schwafeln. Immer darüber reden, man wäre nicht wie die Anderen.

Ich ging dann ins Bad und verpasste mir eine Dusche. Der Bart ist schon ziemlich lang, dass ich aus Reflex immer daran wuschelte.

Mein Spiegelbild glich einem Bären. Die Zeit vergeht ziemlich schnell. Hätte nicht gedacht das ich einmal so aussehen würde.

Nach dem rasieren putzte ich mir noch einmal die Zähne. Die Bürste war leicht staubig, im Becher lagen sogar zwei, als würde hier noch jemand mit mir sein.

Ich putzte mir langsam weiter die Zähne. Es fing leicht an zu schäumen. Immer weiter und weiter. Allein in Quarantäne.

Ich spülte mir mit Wasser den Mund aus, griff dann zu meiner Hose, nahm den Ring aus der Hosentasche heraus. Es gab mal jemanden, den nannte ich, meine hübsche Maus.

Ich wartete auf jemanden, fiel mir irgendwie ein. Es gab da jemanden, denn es sieht doch hier aus, hier lebte mal jemand zu zweit.

Auf meinem Handy besaß ich keine Fotos, von einer fremden Person. Sonst fand ich kein Bild, in der Wohnung, als wäre man spurlos verschwunden.

Ich bekam leicht Hunger, dachte mir nach einem Snack, fällt mir bestimmt etwas ein.

Öffnete den Kühlschrank. Alles lag verteilt herum. Als hätte jemand hier rum gewühlt, oder nach etwas gesucht.

Da lag sogar ein grosses Stück einer Erdbeertorte. Ich liebe Erdbeertorte.

Doch es war nicht normal. Denn normalerweise blieb nie etwas übrig von meiner Lieblingssorte.

Als hätte ich den Geschmack verloren, lies es stehen und vergaß es, ich verstehe nicht, warum ist dies geschehen.

Doch in der Einsamkeit, während eine Krankheit, draußen umherstreift. Du zur Sicherheit Zuhause bleibst, ist es mir nach und nach, von Teil zu Teil eingefallen.

Der Schmerz, den ich von mir vertrieb.

Denn Sie ist gegangen, zu einem anderen Mann hin. An meinem Geburtstag. Der Tag an dem ich zu heiraten mag, was ich fast grundsätzlich vergaß.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.11.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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