J. Hackbart

(un)glück

Ich sitze auf dem Balkon. Mein rechtes Bein zittert und die Zigarette in meiner Hand folgt der Bewegung. Mein Blick schweift nach oben in den Himmel. Der große Wagen zeichnet sich deutlich ab. Die Hausnummer vom Haus von gegenüber blendet mich. Bin ich eigentlich glücklich?

Ganz klar: Ich weiß es nicht. Ich werde geliebt und ich liebe. Ich habe einen Job, der mir Spaß macht - für ein Jahr. Ich habe ein Dach überm Kopf und dafür bin ich dankbar. Für all das bin ich dankbar. Aber bin ich deswegen glücklich?

Ich kann auch nicht sagen, was mich stört. Nicht, was mich in Frage stellen lässt, ob ich glücklich bin. Vielleicht sind es die ständigen Fragen: Wie gefällt es dir denn in der neuen Stadt? Wie ist der Job? Läuft alles glatt? Hast du schon neue Freunde? Und vielleicht ist es auch meine Antwort, die immer die selbe ist: Ist ganz nett hier. Der Job macht Spaß, die Leute sind nett. Ja, läuft alles ganz gut. Nicht so richtig, ist ja auch schwierig in dieser Zeit.

Und vielleicht auch meine Gedanken, wenn ich antworte: Die Stadt hat schöne Ecken, aber die Menschen machen doch eine Stadt aus, oder? Der Job ist toll, aber in der gesamten Etage bin ich mit Abstand die jüngste, bei Gesprächen kann man einfach nicht mitreden, wenn man diesen einen Film von 1989 noch nie gesehen hat. Mein Tag verläuft glatt, es ist egal welcher Tag ist - immer ähnlich. Morgens zur Arbeit laufen und Podcast hören. Computer anmachen, Mittagessen in den Kühlschrank - mal dies mal das erledigen. Dann auf dem Nachhauseweg Podcast hören. Ab in die Jogginghose. Ab und zu einkaufen, was kochen. Dann gehts ins Bett zum Netflixen. Tausendmal aufstehen und zum Kühlschrank gehen, reinsehen und enttäuscht wieder zu machen. Zur Abwechslung mal telefonieren mit Freunden, die ewig weit weg sind - meine einzigen sozialen Kontakte neben der Arbeit. Und da sind wir schon bei der letzten Frage. Neue Freunde…was sind eigentlich Freunde? Hier, in der neuen Stadt gibt es zwei drei Leute, die wirklich nett sind, aber eben keine Freunde. Niemand dem ich mein Herz ausschütten kann, niemanden zum Kaffee trinken - wo auch? Hat ja alles zu.

Natürlich habe ich auch Momente bei denen ich denke, dass ich glücklich bin. Wenn ich zufrieden bin mit mir und meinem Tag, dann blitzt der Gedanke von Glück auf. Kurz, aber er ist da. Und dann fällt mir wieder ein, dass ich das Glück nicht teilen kann. Nicht von Angesicht zu Angesicht ein wahres Strahlen loswerden kann. Dann fühle ich mich leer und einsam, wenn dieser Gedanke kommt. Und irgendwie bin ich es auch. In diesen Momenten fühle ich mich wieder unglücklich. Glück und Unglück hängen zusammen, wie Knete in den Haaren einer Barbie.

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