Peter Kröger

Der Rechtsstaat



Karen und ich streiten, wie wir es manchmal tun. Heute geht es um den Rechtsstaat, glaube ich. Nein, ich bin sicher. Einmal war es schon um Eulen gegangen, einmal um das reine Sein und sein Verhältnis zum Ding an sich, aber das war früher, wann genau kann ich nicht sagen.

Nun ist es nicht so, dass Karen für den Rechtsstaat ist und ich dagegen. So einfach liegen die Dinge nie. Vielmehr vergleicht Karen verschiedene Rechtsstaaten miteinander, den Dudischen, Sentischen und Gaporkischen, während ich den Begriff des Rechtsstaats syndisch verstanden wissen will und somit einen gänzlich anderen Ansatz habe. Es kommt zu einem Hauen und Stechen, und unsere Liebe leidet. Ich versuche, unseren Disput mit der Eulenkontroverse zu verbinden, die ja bereits irgendwann einmal zu einem guten Ende gebracht worden ist und für Entspannung sorgen mag. Eulen im Rechtsstaat nenne ich nun das zu verhandelnde Thema, Karen respektiert meinen guten Willen, verscheucht allerdings die Eulen und bevorzugt den Rechtsstaat als Ding an sich, was mir missfällt. Erneut bricht Streit aus. Mein Vorschlag, einfach so aneinander zu geraten, ohne einen Streitgegenstand gewissermaßen, wird von Karen sofort in Bausch und Bogen verworfen. Von Selbstachtung ist die Rede, die wir verlören, wenn wir uns in dieser Weise am Allerheiligsten vergingen: der Streitkultur. Dieses schützenswerte Pflänzchen zum Gegenstand einer gesonderten  Betrachtung zu machen, indem wir etwa über Die Streitkultur der Eulen im reinen Sein des Rechtsstaates debattieren, lehnt sie ab. Dann eben nicht.

Dabei muss ich hinzufügen: Ich mag den Rechtsstaat, ich vergöttere ihn geradezu, allerdings am liebsten den gaporkischen, und Karen weiß es. Und verhöhnt mich. Ginge es nach ihr, hätten wir uns längst schon auf Das reine Sein der Eule, syndisch betrachtet, gestürzt, denn darauf läuft alles hinaus. Aber unsere Ehe wäre darüber zerbrochen. Es gibt Grenzen. Und es herrscht Einigkeit darüber, an uns und unseren Gladen festzuhalten. Unseren Gladen? Sicher. Dem Sein an sich unser Dasein an den Kopf zu werfen. Gladisch zu agieren. Mehr ist es nicht.

Von der Dudie des Sentischen lernen, heißt: das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Wir rudern weiter, dulden uns, stechen, Eulen sehen uns zu. Karen überdenkt die Lage und behauptet: Sag, was du willst, dem Rechtsstaat entkommt keiner. Diesmal schweige ich.

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