Karl-Heinz Fricke

Eine Weihnachtsüberraschung

Während unserer 17 Jahre in Nord Manitoba unweit der Hudson Bai zwischen den Breitengraden 55 und 56, war es uns Bürgern erlaubt einen Weihnachtsbaum aus dem Wald zu holen. Das war allerdings nicht sehr einfach, denn die meisten Bäume waren wegen  den extrem kalten und langen Wintern mit Temperaturen  bis zu 60 Grad unter Null knüppelhart gefroren. Der Stamm eines 30 jährigen Baumes zum Beispiel hat einen Durchmesser von höchstens 8 Centimetern. Einen kleineren, gut gewachsenen Baum für das Weihnachtsfest zu finden war sehr schwierig und man musste schon weit von der Straße in den Wald eindringen, um eine passende Tanne zu finden. Das Eindringen war schwierig, denn meistens musste hoher Schnee durchquert werden, um überhaupt an einen Baum heranzukommen. Es war leichter sich einen Baum vom Baumhändler zu kaufen. Schön sahen die jedoch nicht aus. Ich ging schon im Sommer auf Baumsuche und merkte mir genau die Stelle, wo ich einen fand. Im Winter, wegen der verschneiten Landschaft sah alles verändert aus.Ich hatte jedoch Glück einen schönen einundeinhalb Meter hohen Baum zu entdecken, den ich mir wenige Tage vor dem Heiligen Abend zu holen gedachte. Wir folgten der alten deutschen Tradition den Weihnachtsbaum erst am frühen Nachmittag des Heiligen Abends  ins Haus zu holen und zu schmücken. Es war wie immer ein schneereicher Winter und mit einer Bügelsäge bewaffnet fuhr ich kurz nach dem Mittagessen am vierten Advent los. An der Stelle angelangt, musste ich zuerst eine hohe vom Schneepflug aufgetürmte Schneewand  überwinden. Zwischen den Bäumen lag der Schnee etwa einen Meter hoch. Ich hatte ungefähr 40 Meter vor mir die hohe Schneefläche bis zu dem Baum zu gehen. Nach etwa 10 Metern wurde es mir trotz der Kälte warm. Als ich endlich den Baum erreicht hatte, schaute nicht viel von ihm aus dem Schnee heraus. Ich hatte nicht daran gedacht etwas mitzunehmen, um den Schnee rings um das Bäumchen zu entfernen, um es kurz über dem Boden absägen zu können. Als es halbwegs geschafft war, dauerte das Absägen nicht lange und ich konnte mich, den Baum tragend, auf den Heimweg machen. Es war etwas leichter, weil ich auf meiner Spur zurückgehen konnte. Endlich war ich wieder auf der Straße, öffnete den Kofferraum meines alten Chevrolets und fuhr zurück nach Haus. Dort angekommen stellte ich die Tanne in den Schnee. Am Nachmittag des Heiligen Abends holte ich sie dann ins Haus und begann sie in den Ständer zu setzen. Egal, wie ich sie stellte, sie sah von allen Seiten ebenmäßig aus. Nach etwa 20 Minuten beim Schmücken, war der Baum aufgetaut und es  machte sich  im Hause plötzlich ein unangenehmer Geruch breit. Es wurde uns gewahr, dass ein Skunk den Baum mit seinem Spray berieselt hatte. Tief betroffen und enttäuscht  ließen wir die Köpfe hängen und ganz besonders ich nach all der Mühe. Da wir das Weihnachtsfest nicht unter diesem Umstand zu feiern gedachten, musste das Bäumchen schleunigst aus dem Haus. Es wurde schon dunkel und ich beeilte mich zum Baumhändler zu kommen, um noch einen Baum zu erstehen. Der war schon im Begriff das Tor zu schließen, ließ mich aber noch durch. An einen hohen Drahtzaun gelehnt standen noch ein halbes Dutzend  Bäume. Man kann sich denken, wie die aussahen. Es waren bessere Krücken, die Aufbesserungen brauchten. Der Händler gab mir mehrere Zweige, die es mir ermöglichten, den Baum noch halbwegs anschaubar zu machen. So wurde es dann doch noch ein schöner Heiliger Abend, obwohl noch ein Hauch von dem Skunkspray in unsere Nasen drang.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.11.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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