24. Dezember wie alle Jahre. Draußen strahlend blauer Himmel, kein Gewurl, kein Getümmel. Vereinzelte Spaziergänger bestaunen die weihnachtlich geschmückte Stadt. Niemand hetzt heuer durch die Gässchen, um die allerletzten Weihnachtseinkäufe zu erledigen.
Drinnen mein morgendlicher Cappuccino und ein leichtes Chaos von wegen Weihnachtsbäumchen schmücken. Mitten drinnen, ich, noch im Bademantel und noch nicht so ganz munter.
Ich schmücke den Baum fertig, wie alle Jahre, und als ich nach einigem Hin- und Hergezupfe endlich mit meinem Werk zufrieden bin, wird mir einmal mehr bewusst, dass ich dieses Jahr nicht aus der vor Weihnachtshektik boomenden Stadt zu fliehen brauche.
Trotzdem, an dieser Tradition sollte ich auch in dieser außergewöhnlichen Zeit festhalten. Ist schon herrlich schön, so ein frühlingshafter Weihnachtstag am See. Und während ich normalerweise ganz traditionsbewusst gebackenen Karpfen mit Kartoffel Mayonnaise Salat auf einer Restaurantterrasse geschlemmt hätte, schlendere ich jetzt gemütlich das Ufer entlang.
Meine Blicke schweifen übers Wasser, und meine Gedanken schwelgen in Erinnerung an so viele traumhaft schöne Weihnachten im Salzkammergut, manchmal im Schnee, manchmal frostig kalt und eben manchmal im Sonnenschein, doch niemals so still, so ruhig.
Und trotzdem immer ein, mein Weihnachtsmärchen. Kein Weihnachtswunsch. Kein Wunschtraum. Ganz einfach Zufriedenheit. Das kleine Glück eines wunderschönen Weihnachtstages, der sich nahtlos an so viele schöne Weihnachtstage reiht. Diesmal eben ohne Restaurantbesuch. Allerdings genau so schön, auf einem Bankerl am See mit warmen Kaffee aus der Thermosflasche.
Die Sonne senkt sich herab, und es wird sofort frostig kalt. Winter am See eben. Nichts wie heim zum Christbäumchen! Nun locken Wärme, Punsch, und Weihnachtskekse, ganz viele Weihnachtskekse.
Die Geborgenheit der Heiligen Abende meiner Kindheit, das Läuten des Christkinds, der Duft der Bienenwachskerzen, all das habe ich mir bewahrt. All das zelebriere ich Jahr für Jahr, auch in diesem so besonderen Jahr. Es tut so gut, dieses tiefe Gefühl der Geborgenheit, der Verbundenheit mit all jenen, mit denen ich ein Stück des Weges gegangen bin.
Ich setzte mich auf die Couch, nehme einen Schluck vom köstlichen Punsch, knabbere an einem Keks, und betrachte zufrieden lächelnd mein Weihnachtsbäumchen.
Ich entdecke in einem der vielen Fernsehsender eine weihnachtliche Liebesschnulze, viel Herz, viel Schmerz und faszinierend schöne Aufnahmen von einer winterlichen Traumlandschaft.
Den Krug mit Weihnachtspunsch habe ich geleert, und auf dem Keksteller liegt nur mehr einsam und verlassen ein letztes Vanillekipferl. Ich greife zu.
Der viele Punsch macht müde. Ich blicke nochmals aus dem Fenster. In den Gässchen ist es ruhig geblieben. Nicht einmal ein einziger einsamer Nachtschwärmer. Sterne am Himmel, Eisblumen am Fenster. Weihnacht in der Stadt. Idyllisch und ein ganz klein wenig „a Weihnacht wie’s früher war“.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.11.2020.
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