Georges Ettlin

Das Schreiben als Experiment

Man kann sich einfach hinsetzen und Schreiben...ohne Vorbereitung und langes
Nachdenken... Ich gehöre zu den Leuten, die sofort schreiben können und wollen,
sobald eine öffentliche Schreibunterlage vorhanden ist: Das Risiko besteht darin,
dass man die innere Schere nicht anwendet und einfach die Wahrheit von der Leber weg
veröffentlicht, ohne an politische Konsequenzen zu denken. Frühere Schrifsteller wurden dadurch bekannt,
dass sie eben auch "verbotene" Gedanken veröffentlicht haben.
Demendsprechend interessant sind noch heute ihre Texte, aber als Langweiler
wird man meistens in Ruhe gelassen und eben auch selten gelesen.
Hinsetzen und Schreiben, das mache ich, aber es klappert dabei die geistig-moralische Schere
die angsterfüllt vor- sich- hin- schnippelt.
Ich schreibe gern was mir gerade einfällt und es schalten sich automatisch Themen ein,
wie das momentane Körpergefühl oder das lästige ewige ICH.
Das lyrische ICH ist etwas Anderes, kann aber vom Leser nicht immer als Solches erkannt werden.
Wenn das lyrische ICH onaniert, dann tue ich das in wirklichkeit nicht,
ich weiss auch nicht so genau, wie man das macht... ich bin ja verheiratet.
Beschreibe ich meine katholische Umgebung meines Wohnortes, dann schnippelt sofort
die inner Schere und ich beschreibe mit Begeisterung die heimeligen Lichter im Dunkeln der Strasse,
die seit 1. Advent dort  blinken und trösten. In Wirklichkeit aber knallen die Blitzlichter optisch
wie Bomben, ein rauschendes Fest von kitschigen Kläusen,Krippen, Herzen, Säuglingen, Engeln, Heiligenscheinen, Päpsten die
als Gottesersatz hilfreich ihre ewig -leuchtenden, heiligen und keuschen Arme
und sauberen, fetten Zölipatenfingerchen auf- und-zuklappen und uns im Dorf den Himmel versprechen...aber nur an Weihnachten,
denn unterm Jahr wird mit Kirchensteuer und Gottes Zorn gedroht. So existiert vor meinem Haus ein Lichtgewitter ohne Ende
wie vor einem Hamburger Puff.
Ich könnte nun viele Seiten lang so weiterschreiben, beziehe mich hier aber nur auf mein
auftringliches, immer-präsäntes ICH, welches meine Empathie gegenüber fremden Menschen eindämmt.
Mein ICH kontolliert automatisch meine Person im Umgang mit
den anderen Menschen, indem es versucht, Lob, Ruhm Wohlstand und Ehre zu kriegen, denn mein ICH
ist Schmeichelein sehr zugetan.
Die Wirklichkeit ist aber so, dass es viele nette  fremde ICHS gibt, die mit mir wohl oder übel
verbunden sind und ich empfehle deshalb meinem Ego, endlich auch den fremden Ichs gegenüber
Liebe und Empathie zu empfinden.. und dies auch zu zeigen.

***

c/G.E..

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.11.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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