Monika Litschko

Sultan del Arabika Teil5

Baron stand mühsam auf, beugte sich zu Beppo und schaute ihn böse an. Dabei schnaubte er laut aus und hob ein Bein. Dem kleinen Keiler würde er eins geben. So was Freches. „Willst du mir was mit deiner Hufe überziehen?“, fragte Beppo spöttisch. „Pass auf, dass du dabei nicht umfällst. Du wackelst jetzt schon hin und her, wie ein Schaukelpferd.“

Dem Schwarzen wurde es langsam zu bunt. „Was willst du?“, fragte er Beppo und baute sich in seiner ganzen Pracht vor dem Wildschwein auf. „Gar nichts will ich“, antwortete Beppo. „Ich war gerade in der Nähe und dachte, ich schaue mal vorbei. Und da habe ich gehört was ihr erzählt habt. Das ist alles.“
Samira, die sich mittlerweile wieder zu ihnen gesellt hatte, ergriff das Wort. „Ist ja gut, Beppo. Aber du darfst mit niemanden über Tubarzia reden, hörst du? Das Land der Einhörner ist ein geheimer Ort, wovon nur die Pferde wissen. Emma ist die große Ausnahme.“
„Ja, nur die Pferde“, wiederholte Quasselstrippe aufgeregt. „Alles Nonsens“, grunzte Beppo, „jedes Tier weiß von Tubarzia.“ Zufrieden betrachtete er ihre ungläubigen Gesichter. „Was?!“, riefen Samira, Sultan, Melchior und Quasselstrippe erschrocken. „Ja, wo lebt ihr denn?“, fragte Beppo und setzte sich. „Das kann nicht sein“, flüsterte Samira. „In Arabika wussten es nur die Pferde.“
„Hier ist nicht Arabika meine Liebe, hier ist die Realität“, antwortete Beppo. „Ja, aber…“, sagte Melchior unglücklich.

Sultan wollte nun mehr von Beppo wissen. „Erzähle uns, was ihr alles über Tubarzia gehört habt.“ Beppo grinste hämisch. „Erzähl du mir erst, warum dass kleine Ding mit euch sprechen kann, dann beantworte ich deine Frage.“ Sultan gab sich geschlagen, denn er kannte Beppo. Nicht umsonst war er überall als Nervensäge bekannt. Und sich mit einem verrückten Wildschwein herumzuschlagen, dafür war er zu stolz. „Diese kleine Dame heißt Emma und besitzt die große Gabe mit Tieren kommunizieren zu können. Und nun, sag es?“
„Schon immer?“, wollte Beppo wissen. „Komm Schwarzer, mach es nicht so spannend.“ Emma, die sich nach Beppos Rüsselangriff hinter Sultan versteckt hatte, kam wieder hervor und ging zu Beppo. „Nein, erst seit kurzem“, antwortete sie. „Und nun erzähle uns was du weißt.“

„Na gut, na gut“, sagte Beppo und wackelte aufgeregt mit seinem Rüssel. „Alle Tiere wissen das es Tubarzia gibt. Sie wissen von Tula, Barsus und Ziandra. Aber gesehen hat noch keiner von ihnen ein Einhorn. Das ist das Privileg der Menschen.“ Der schwarze Hengst war erleichtert. „Du sagst auch die Wahrheit?“
„Mama Mia“, stöhnte Beppo, „ja, ich sage die Wahrheit. Elefanten haben ihren Elefantenfriedhof. Pferde reisen nach Tubarzia und werden Einhörner. Der Rest von uns, wandert in das Tal der roten Sonne und da habe ich keine Chance, ein Einschwein zu werden.“ Melchior drehte aufgeregt ein paar Runden um Beppo, der sich ängstlich duckte. „Ein Einschwein?“ Melchior war entsetzt. „Du wagst es, solche Vergleiche zu ziehen?“ Beppo merkte schnell, dass er wohl einen Schritt zu weit gegangen war und flüchtete wieder vor den Zaun. „Ist ja gut, Melchior“, besänftigte er den wütenden Gaul, „dann eben Zweischwein.“ Bevor Melchior antworten konnte, sprangen ein Hirsch und ein Reh aus dem Wald.

„Thaddäus und Amber!“, rief Quasselstrippe erleichtert. „Schön, dass ihr auch mal wieder vorbeischaut. Ihr seid eine willkommene Ablenkung, denn Beppo nervt tierisch.“ Thaddäus, der ein riesiges Geweih auf seinem Kopf trug, nahm noch einmal Anlauf und sprang über den Zaun, zu ihnen auf die Wiese. „Nun mach schon Amber“, sagte er aufmunternd. „Spring!“ Amber blieb unsicher vor dem Zaun stehen und schaute ihn verzweifelt an. „Ach ne, ach ne, ach ne“, jammerte die lispelnde Amber, „das schaffe ich nicht. Ich werde auf dem Zaun liegenbleiben. Ach ne, ach ne.“ Thaddäus schüttelte den Kopf. „Sie wird immer glauben, dass alles viel zu hoch für sie ist“, entschuldigte er Ambers Verhalten. Aber es war, wie es war und würde wohl auch so bleiben. „Na ja, dann werden wir gleich zu ihr gehen“, beruhigte ihn Quasselstrippe. „Sie hat eben Angst.“

Amber lief unruhig vor dem Zaun hin und her. „Die denken alle, ich bin dumm“, sagte sie zu Beppo. „Aber ich schaffe das nicht. Ach ne, ach ne, ach ne. Huhu, ich bleibe hier stehen.“

Die kleine Gruppe setzte sich in Bewegung und gesellte sich zu der ängstlichen Amber. „Na ihr“, lispelte das Reh beschämt, „das ist einfach zu hoch für mich. Wer ist denn das Mädchen?“ fragte sie neugierig. „Mein Name ist Emma“, stellte sie sich höflich vor. „Emma Meier.“ Amber schmunzelte. „Ach, die Emma“, sagte sie freundlich. „Ja, ja, Sultan hat uns schon von dir erzählt.“ Thaddäus räusperte sich laut, aber Amber überhörte es einfach. „Ach, wirklich?“, fragte Emma. „Sultan hat von mir erzählt? Was denn?“ Amber freute sich, dass Emma mehr wissen wollte. „Dass er dir die Fähigkeit gegeben hat, mit uns zu reden. Weil du so ein liebes Mädchen bist. Schließlich hast du ihm jeden Tag etwas Leckeres vorbeigebracht, das hat ihm gut gefallen.“

Dem schwarzen Hengst war diese Angelegenheit äußerst peinlich. Er drehte sich um und jagte über die Wiese. Er drehte eine Runde nach der anderen und wieherte dabei wütend. „Habe ich etwas Falsches gesagt?“ lispelte Amber. „Oder warum ist er so wütend?“ Insgeheim freute Beppo sich tierisch. Aber er sagte: „Er ist der Sultan del Arabika und das Recht lag bei ihm, Emma das zu sagen, was du nun schon für ihn erledigt hast.“ Amber schämte sich sehr. „Huhu, Sultan, das wollte ich nicht, tut mir so leid.“ Thaddäus stöhnte und seufzte gleichzeitig. „Ich werde jetzt zu ihm gehen. Wenn der so weiter macht, hat er gleich einen Drehwurm.“ Elegant ging er über die Wiese und fing Sultans nächste Runde ab.

Die anderen beruhigten die lispelnde Amber. „Ist doch alles halb so schlimm“, sagte Samira und gab Amber mit ihrer Schnauze einen Stüber. „Genau, dass meine ich auch“, sagte Quasselstrippe und schaute zu Sultan. „Er denkt immer noch, dass hier die gleichen Gesetze herrschen wie in Arabika“, sagte Melchior. „So gut es geht, versuchen wir auch mitzuspielen, aber manchmal nervt er ganz schön.“ Dankbar schaute Amber ihn an. Sie wusste, dass sie manchmal zu redselig war. „Nun lasst mal“, mischte sich Baron ein, „wir haben auch Spaß dabei. Er war auch ein stolzes Paradepferd. Soweit habe ich, es nicht gebracht.“
„Ja, das stimmt“, hauchte Quasselstrippe und senkte verlegen den Kopf. „Sultan war der schönste, schwarze Hengst in Arabika. Und seine magischen Fähigkeiten hat er immer noch.“ Beppo spitzte die kleinen Schweineohren. „Wenn sich, dass mal nicht nach einer verliebten, alten Stute anhört“, grunzte er und schubberte seinen Rücken an einem Baumstamm. „Ich bin auch noch zu haben.“
„Igitt!“, keifte Quasselstrippe und schüttelte sich. „Du bist ein Schlammwühler und außerdem viel kleiner als ich.“
„Und du schmeißt mit Pferdeäpfeln“, antwortete Beppo stark beleidigt. „So eine wollte ich gar nicht. Außerdem wieherst du den ganzen Tag und reden willst du in einer Tour. Da bekäme ich Kopfschmerzen. Bäh, bäh, bäh, bäh.“ Quasselstrippe schäumte über vor Wut. Was bildete sich dieses kleine Schwein eigentlich ein. Wütend trommelte sie mit ihren Hufen. „Pass auf, dass Thaddäus dir nicht eines überzieht, mein Lieber“, sagte sie drohend. „Er guckt schon ziemlich sauer zu uns rüber. Du bist ein freches, kleines, verschlammendes, übelriechendes, widerwärtiges, pöbelndes Schweinchen.“ Beppo wurde unsicher. Es konnte sein, dass Thaddäus wirklich alles gehört hatte. Also hielt er lieber die Schnauze, denn Thaddäus konnte böse werden, wenn jemand andere beleidigte.

Thaddäus hatte es geschafft den schwarzen Hengst zu beruhigen, und war mit ihm zurückgekehrt. Jetzt würde er sich Beppo vornehmen. Wütend senkte er den Kopf, damit Beppo sein mächtiges Geweih in voller Größe sehen konnte. „Damit werde ich dich bestimmt einmal aufspießen,“ drohte er, „wenn du weiterhin so frech bist, mein lieber Beppo. Musst du die arme Quasselstrippe immer ärgern?“ Quiekend rannte Beppo in denselben Busch hinein, aus dem er gekommen war. „Du traust dich ja sowieso nicht,“ grunzte er frech aus seinem Versteck heraus. „Und wenn doch, werdet ihr eben nie erfahren was ich gesehen habe. Falls es euch überhaupt interessiert, dass ich etwas weiß. Ignoriert mich ruhig, ist mir egal. Bei Fragen wendet euch an den Busch in der Mitte.“ Quasselstrippe rollte mit den Augen. „Sei jetzt ruhig, Thaddäus und Amber wollen uns etwas Wichtiges erzählen.“
„Ja, halte endlich deinen Rüssel,“ lispelte Amber „Wenn wir etwas von dir hören wollen, melden wir uns“. Beppo verstand die Welt nicht mehr. „Also gut, ich warte und schweige. Lange kann es nicht dauern, bis ihr mich braucht.“

„Also, eigentlich sind wir ja zu euch gekommen,“ lispelte Amber aufgeregt, „weil wir Kyrala suchen. Im Wald ist was los, das sage ich euch. Fremde Tiere sind in unser Zuhause eingedrungen.“ Sultan del Arabika trommelte aufgeregt mit seinen Vorderhufen. Sind sie gefährlich?“, fragte er nervös. „Was wollen sie und wer sind sie?“
„Wir haben sie noch nicht gesehen,“ antwortete Thaddäus „Nur ab und zu, rennen plötzlich flinke Schatten durch den Wald. So schnell, dass man ihnen mit den Augen kaum folgen kann. Amber hat große Angst vor diesem, was immer es auch sein mag.“
„Aber wir hören sie,“ lispelte Amber ängstlich. „Huch, ganz schrecklich hört sich, dass an. Darum suchen wir Kyrala, denn sie kann bei Dunkelheit gut sehen und muss uns unbedingt helfen.“
„Wer sagt denn, dass es böse Tiere sind?“, fragte Emma „Und außerdem hat Beppo gesagt, dass er etwas weiß. Wir sollten ihm mal zuhören.“ Und wieder war es Amber, die aufgeregt antwortete. „Du kannst dir gar nicht vorstellen, was sie für Laute von sich geben,“ lispelte sie und kuschelte sich ängstlich an Thaddäus. „Wie ein Vogel und dann wieder wie eine Katze. Aber das war noch nicht alles,“ flüsterte sie verschwörerisch. „Sie können auch brummen wie Bären. Aber Vogelkatzenbären gibt es nicht.“ Emma kam sich blöd vor, als sie bemerkte, dass Amber ihr gar nicht zugehört hatte. „Aber Beppo kann uns bestimmt auch etwas wichtiges erzählen!“, sagte sie noch einmal. „Ich finde es blöd, wenn ihr euch nicht wenigstens anhört, was er zu sagen hat.“ Nach einer kurzen, betretenen Pause nickte Samira ihr zu. „Du hast recht,“ antwortete sie, „es könnte wichtig sein. Also hören wir uns an, was er zu sagen hat. Also komm schon raus da und erzähle uns was du weißt. Aber lasse deine dummen Witze.“

Es raschelte und knackte im Gebüsch, als Beppo wie ein aufgeblasener Frosch auf sie zu stolzierte. „Das hättet ihr schon eher haben können,“ grunzte er und quetschte sich unter den Zaun hindurch. „Danke, Emma. Die haben immer Scheuklappen auf.“ Die finsteren Blicke, die er dafür erntete, ignoriert er einfach. “Stell dich direkt in die Mitte,“ forderte Baron ihn auf. „So können wir alle hören, was du uns erzählen willst. Und jetzt keine blöden Sprüche, verstanden?“ Sie bildeten einen Halbkreis um Beppo, denn so konnten Amber und Thaddäus, die vor dem Zaun standen, auch mithören.

Also,“ begann Beppo, „vor ein paar Tagen habe ich einen Ausflug zu den Menschen gemacht und unten im Dorf stand ein Käfig auf einem Wagen. Ein riesiger Käfig, dass sage ich euch. Eine hässliche Frau stand davor und schimpfte. Ich habe mich etwas weiter vorgewagt, konnte aber nichts sehen, da ein Vorhang vor dem Käfig alles verdeckte. Sie sagte, wenn ihr mir bei der nächsten Show wieder so schlecht seid, bekommt ihr noch weniger zu essen. Dabei haute sie immer wieder mit einem Stock vor die Gitterstäbe. Ausstopfen werde ich euch lassen, schrie sie dann noch. Damit kann ich bestimmt mehr Geld verdienen. Aus dem Käfig kamen ängstliche und aufgeregte Laute. So wie Amber schon sagte,“ beendet er seinen Vortrag. „Wie Vögel, wie Katzen und auch Bären. Das wollte ich euch schon die ganze Zeit erzählen, habe es aber dann vergessen,“ grunzte er zerknirscht. „Aber es war so witzig hier und dann kam Tubarzia noch dazwischen."

Quasselstrippe bekam es mit der Angst und zitterte am ganzen Pferdekörper. „Alles sofort in Deckung!“, rief sie hysterisch. „Wilde Tiere, so groß wie Bären, die fauchen können wie Katzen und Klauen wie ein Vogel haben, machen den Wald unsicher! Bestimmt können sie auch fliegen! Lauft alle schnell in den Stall und versteckt euch unter dem Heu!“
„Huhu, ganz ruhig.“ Kyrala die weiße Vampirin, die die Gestalt einer Eule annehmen konnte, ließ sich auf Melchiors Rücken nieder. „Alles halb so wild.“
„Da bist du ja endlich,“ lispelte Amber. „Wir haben dich schon überall gesucht.“
„Huhu, huhu ich weiß,“ antwortete Kyrala und flatterte mit ihren Flügeln. „Jetzt werde ich erst einmal meine Gestalt annehmen, dann erzähle ich euch mehr.“ Sie weitete ihre Flügel aus und schüttelte sich.

Emma war nicht fähig den Mund zu schließen, als sie sah, dass auf Melchiors Rücken plötzlich eine wunderschöne weiße Frau saß. Ihr Haar und auch die Farbe ihrer Haut, war schneeweiß. Sie trug ein schwarzes kurzes Kleid, welches von einem schwarzen Gürtel gehalten wurde und schwarze geflochtene Stiefel.
„So, das wäre erledigt. Amber, ich hatte so viel zu erledigen. Ich bin über Wälder und Felder geflogen, um die kleinen Ausreißer zu suchen, doch ich konnte sie nicht finden.“
„Kleine Ausreißer?“, fragte Quasselstrippe. „Keine großen Vogelkatzenbärengestalten?“
„Nein,“ antwortete Kyrala, „wie kommst du denn da drauf? Es sind kleine süße Fellbündel. Sie haben das Gesicht eines Bärenkindes und auch das einer kleinen Katze. Ach ja, und sie singen wie die Vögelchen, die mir jeden Tag begegnen.“
Sultan del Arabika, der bis vorhin noch an wilde Tiere geglaubt hatte, war ziemlich verlegen. Er scharrte mit einer Hufe in der losen Erde herum und schnaubte vor sich hin. Harald wetzte sein Geweih an einem Ast, Melchior drehte ihnen sein Hinterteil zu und Baron stand einfach nur da.

„Buh!“, rief Beppo laut. „Aufwachen bitte, die Gefahr ist gebannt.“ Er schmiss sich auf den Rücken und grunzte mit gefährlicher Stimme. „Ich bin ein verkleideter Bärenkatzenvogel, nehmt euch in acht vor mir. Versteckt euch unter dem Heu, aber zackig, sonst fresse ich euch allesamt zum Abendbrot.“
Melchior gab ihm mit seinem Huf einen Schubs und dann gleich noch einen. „He,“ grunzte Beppo beleidigt, „verstehst du keinen Spaß?“

Melchior schüttelte den Kopf. „Nicht, wenn er auf unsere Kosten geht mein Lieber.“ Kyrala, die mittlerweile auf Ambers Rücken saß, sorgte für Ruhe. „Ich werde euch erzählen was ich gesehen habe. Aber nur, wenn ihr aufhört zu streiten. Aber erst möchte ich Emma begrüßen. Hallo Emma, sicher wunderst du dich, warum ich weiß, wie du heißt. Aber wir alle kennen deinen Namen. Auch wissen wir, dass du mit Tieren sprechen kannst.“ Bevor Emma Fragen stellen konnte, sprach Kyrala schon weiter. „Keine Angst, ich beiße nicht zu, denn ich bin Vegetarierin. Blut schmeckt mir absolut nicht und einen Sarg brauche ich auch nicht. Hast du Angst vor mir?“
„Nein, habe ich nicht“, antwortete Emma erleichtert.

„Gut, dann rückt alle zusammen, denn ich will nicht zu laut reden. Also hört zu. Ich bin an dem gleichen Abend wie Beppo zum Dorf geflogen, und habe alles gesehen und auch gehört. Wie du Beppo. Nur ich bin noch sehr lange geblieben und habe gewartet. Und als die Frau, die man Paula nennt, schlafen ging, bin ich zum Käfig geflogen und habe mit meinem Schnabel den Vorhang ein Stück zur Seite geschoben. Da saßen sie. Fünf kleine verängstigte Fellbündel. Wie ich schon sagte, mit dem Gesicht einer kleinen Katze und doch auch wieder eines kleinen Bären. Sie haben sich so erschrocken und eng aneinandergedrückt. Sie gehen aufrecht wie die Menschen und summen sehr schöne Lieder.“
„Ach, wie schrecklich,“ flüsterte Samira unter Tränen. „Erzähle weiter, bitte.“.
Kyrala holte tief Luft, bevor sie weitersprach. „Ich habe die Kleinen beruhigt und ihnen gesagt, dass ich ihnen nichts tun will. Aber sie sollten mir erzählen, warum sie so traurig sind. Dann würde ich versuchen ihnen zu helfen. Sie haben mir erzählt, dass diese grässliche Paula sie von einer Frau gekauft hat, deren Mann gestorben war. Er hatte sie von einer Mondmission mitgebracht und gut für sie gesorgt. Er war früher Astronaut gewesen, müsst ihr wissen. Diese kleinen Wesen kommen von Pursien und mussten auf dem Mond notlanden. Und da es uns unmöglich ist, ein so kleines Raumschiff zu bauen, welches auch noch sehr weit fliegen kann, sorgte er für sie. Aber als er gestorben war, verkaufte seine Frau sie an Paula. Von da an mussten sie in ihrem kleinen Wanderzirkus als Attraktion auftreten. Sie hat ihnen kaum zu essen gegeben und wenn sie bei einer Vorstellung nicht laut genug summten, hat sie die kleinen Würmer mit einer Nadel gestochen. Die meiste Zeit sperrte sie die Kleinen in einen Käfig. Und du hast es ja auch gesehen Beppo, wenn sie wütend ist, schlägt sie mit einer schweren Stange gegen das Gitter, um die Purrisander zu verängstigen.“
„Was hast du dann getan?“, wollte Baron wissen und schniefte vor sich hin. „Ich bin zu Almate, der kleinen Waldkönigin geflogen und habe ihr alles erzählt. Sie war so traurig über das Schicksal der Kleinen, dass sie sofort Benuar den Traumkobold aufgesucht hat. Zusammen sind sie dann zu dem Wagen geschlichen und Benuar hat Paula in einen schlimmen Traum fallen lassen. Dann haben sie das Gitter geöffnet und die Kleinen freigelassen. Aber die Purrisander waren so schnell, dass Almate und Benuar ihnen nicht folgen konnten. Ja, und seitdem verstecken sie sich in unserem Wald.“
„Aber woher weißt du, dass sie Purrisander sind?“, lispelte Amber. „Und was sind Purrisander überhaupt? Von solchen Tieren habe ich noch nie gehört.“
„Sie kommen von Pursien, einem kleinen Planeten hinter dem Mars. Er ist überzogen von grünen Wiesen und bunten Blumen. Und die Bäume auf Pursien, blühen das ganze Jahr. Schnee und Kälte kannten sie nicht. Auf einem Plakat vor dem Zirkuswagen steht geschrieben … die summenden Purrisander. Wir müssen uns jetzt zusammentun und ihnen helfen, denn sie kennen den Wald nicht und werden sich fürchten.“

„Oh Menno“, maulte Emma. „Ich darf nicht allein in den Wald und somit kann ich euch nicht helfen. Außerdem muss ich jetzt nach Hause, denn es ist bestimmt schon spät.“
„Das wäre auch viel zu gefährlich, Emma“, sagte Kyrala. „Wir schaffen das schon.“
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.12.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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