Horst Lux

Hallo Opa !?

Die Mittagsruhe ist mir heilig, seit ich nicht mehr ins Arbeitsleben eingespannt bin. Und so lebe ich dann auch genüsslich und tief versunken in irgendwelchen Traumwelten. Dann, im Halbschlaf die Melodie der »schönen blauen Donau«! Ist das nicht etwas Wunderbares? So zart mit Johann Strauß geweckt zu werden, das ist fast ein Märchenzauber.
Aber die schöne blaue Donau scheint doch irgendwelche anderen Pläne zu haben, ich stelle überrascht fest, dass es mein Smartphone ist, das mich den seligen Träumen entreißt. Meine freundlichen Gedanken nehmen sekundenschnell eine andere Färbung an. Noch schlaftrunken melde ich mich:
»Ja, Waldmann. Was gibt’s?«
»Hallo Opa,« eine jugendlich frische und sympathische Stimme meldet sich am anderen Ende der Leitung, »nu sag bloß, du kennst mich nicht mehr? Ich wollte dir ein glückliches Neues Jahr wünschen. Und viel Gesundheit!«

Ich laufe ein wenig neben der Schiene. Wer wünscht mir was? Mein Doc etwa? Glaub ich nich, der ist doch froh, wenn ich ich öfter bei ihm erscheine.
»Wer wünscht mir alles Gute?« Langsam komme ich zu mir. »Wer ist denn da?«
»Na ich, dein Enkel!« 
Oha! Jetzt wird es spannend.
Ich frage ganz ostentativ: »Krischan?« Ein anderer Name fällt mir so schnell nicht ein.
»Klar Opa, der Christian, was denkst du denn. Mama hat mir extra aufgetragen, dich ja nicht zu vergessen. Sie ist gerade auf ’ner Kreuzfahrt im Mittelmeer!«
Soso, Kreuzfahrt. Na dann pass mal auf, du Kolkrabe, ich bin jetzt unter vollen Segeln.
»Na mien Jung, was hast du denn auf dem Herzen?« Ich bringe das so richtig mitfühlend rüber, meine eigenen Gefühle spielen schon Achterbahn.
»Ach Opa, ich hab da ein Problem. Ich muss da eine Kaution für eine Wohnung in Wilhelmshaven hinterlegen, und meine Kröten reichen nicht ganz!«
»Was machst du denn in Wilhelmshaven? Arbeitest du da?« Wollen wir doch mal sehen, wie weit der Clown da noch geht. Jetzt macht es so richtig Spaß.
»Nee, Opa, Ich studier doch an der Seefahrtsschule. Will doch Käpt’n werden , so auf großer Fahrt!«
Ist doch gediegen - da gibt es gar keine Seefahrtsschule, die ist hier bei uns in Leer. Na gut, lassen wir ihm seinen Willen.

»Also Krischan, wie viel brauchst du denn für die Kaution?«
Bin nun mal gespannt, wie hoch der Kerl jetzt pokert!
»Ach Opa, du weißt doch, wie das heut mit den Wohnungen ist. Zweitausendfünfhundert Euronen will der haben, ist das nicht unerhört?
Kannst du mir die vorschießen? Kriegst auch auf Heller und Pfennig alles wieder.«

Tja, das ist wirklich »unerhört«, will der Knilch zweieinhalb Mille von mir! Wie gehe ich da nun weiter vor?
»Also, so viel hab ich aber nicht im Hause, da muss ich erst zur Bank!« Da fällt mir noch ein Trick ein.
»Du Krischan, ich kann dir das doch überweisen, ist doch auch sicherer!« Vor Lachen kann ich schon bald nicht mehr reden; Was macht er nun?
»Ist was, Opa, du klingst so komisch? - - Also, der will das doch in bar! Und heute noch.«
»Nee, mien Jung, is allens klor! Ich geh gleich zur Bank. Kannst das dann ja hier abholen.«
Eine kurze Stille, ich frage nach: »Bist du noch da?«
Dann seine Stimme: »Ja. Nein. Das geht ja nicht, Opa, ich bin doch in Wilhelmshaven. Aber ich schick dir meinen Freund Till vorbei, der ist heute noch zu Hause in Augustfehn und kommt heut abend zu mir. Dem kannst du das mitgeben! Der kommt so gegen Drei zu Dir, ist das recht?«
Und ob mir das recht ist. Nebenbei bemerkt: ich hab gar keinen Enkel, meine Kinder haben alle Mädels auf die Welt geschickt!

So, es ist jetzt halb Zwei. Mein Skatbruder Willi, der Polizeimeister, den werde ich gleich informieren. Und der liebe Christian - oder wie er heißt - der kriegt dann alles, was er braucht ..
.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.12.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Jahre wie Nebel: Ein grünes Jahrzehnt in dunkler Zeit von Horst Lux



Es wurde sehr viel geschrieben über jene Jahre der unseligen Diktatur eines wahnwitzigen Politikers, der glaubte, den Menschen das Heil zu bringen. Das meiste davon beschreibt diese Zeit aus zweiter Hand! Ich war dabei, ungeschminkt und nicht vorher »gecasted«. Es ist ein Lebensabschnitt eines grünen Jahzehnts aus zeitlicher Entfernung gesehen, ein kritischer Rückblick, naturgemäß nicht immer objektiv. Dabei gab es Begegnungen mit Menschen, die mein Leben beeinflussten, positiv wie auch negativ. All das zusammen ist ein Konglomerat von Gefühlen, die mein frühes Jugendleben ausmachten. Ich will versuchen, diese Erlebnisse in verschiedenen Episoden wiederzugeben.

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