Jürgen Malodisdach

AUA - Aua

Fernsehnächte

 

Naja, es wird langsam Feierabend. Abendbrot und Fernseher locken einem auf die Couch. Wenn man den ganzen Tag herum rennt um all das zu erledigen was so notwendig erscheint, freut man sich schon mal darauf , sich richtig gemütlich platzieren zu können.

Dazu noch einmal richtig gähnen, irgend etwas essen, trinken, vielleicht noch ein bißchen naschen. Dann nachsehen, was heute so in den Programmen angeboten wird.

Ein Haufen Krimis und genau so viele Rätselsendungen. Musik natürlich auch. Dann ein Beitrag über die Entwicklung von Kultur in der Menschheitsgeschichte.

Vielleicht gar nicht so uninteressant. Gucken wir mal etwas rein. Wenn es langweilig wird, kann man immer noch weiter schalten und etwas anderes suchen.

Das Handy bimmelt. Wie immer stört es . Man quatscht lange genug. Der Fernseher läuft so vor sich hin.

Alles langweilig. Museen werden gezeigt mit Bildergalerien. Sieht nicht schlecht aus. Sehr vielseitig. Bunt und abwechslungslos reich.

Dann ist da eine Hand. Winkt , man soll doch mitkommen. Habe aber keine Lust dazu. Die Hand gibt nicht auf. Winkt immer mehr.

Kriecht dann am unteren Bildschirmrand von einer Seite zur anderen und wieder zurück. Seine Finger klettern über den Bildschirmrand . Gehen zu den Knöpfen und Tasten. Das wundert mich schon etwas. Eigentlich hat das Gerät doch gar keine Knöpfe und schon gar keine Tasten.

Und was ist das überhaupt für eine altmodische Kiste von Fernseher, die da auf dem Schränkchen steht.

So ein altes Gerät habe ich überhaupt nicht mehr. Schon lange nicht mehr. Ein großer Flachbildschirm müßte hier stehen mit ein paar ganz kleinen Druckknöpfen auf der Rückwand. Und schalten kann man dieses Ding per Fernbedienung . Und die liegt auf den kleinen Tisch vor der Couch.

In diesem ollen Ding kriecht die Hand immer wieder herum und winkt zu mir. Dann bläht sich die Scheibe auch noch auf und die Hand wird immer länger.

Kommt auf mich zu bis an die Couch , ganz freundlich und zutraulich. Nimmt mich mit in den erleuchteten Kasten .Widerwillig folge ich.

Ich frage mich, wie ich großer Kerl in den kleinen Kasten kriechen soll. Aber dann, je näher ich dem Gerät komme, desto größer wird der. Bis ich vor der leicht gewölbten Mattscheibe stehe staune ich über soviel Mut, meinem Eigenen.

Wer kriecht schon einer Hand hinterher, die aus einem Fernseher kommt. Auch wenn das Alles sehr freundlich abläuft. Na egal. Der Anfang ist gemacht und ich habe soviel Abenteuerlust um hier das Angebotene mitzumachen.

Vor der gedachten Glasscheibe bemerke ich, das das hier gar keine Scheibe ist, sondern ein leicht durchsichtiger , seidiger Vorhang. Der flattert auch noch ein bißchen. Die Hand schiebt ihn vorsichtig zur Seite damit ich besser sehen und dann hindurch gehen kann. Das mache ich mit einem Stolpern.

Habe ja übersehen, daß ich über den Rand der Einfassung meine Beine heben muß. Wollte einen großen Schritt darüber machen. Auf der Innenseite waren aber noch drei kleine Stufen. Meine Güte denke ich noch , ist das hier umständlich.

Dann endlich, stehe ich in dem richtig grell erleuchteten Raum. Muß erst einmal etwas blinzeln wegen der Lichterfülle. Ein großer Saal empfängt mich, voll mit großen Bildern an den Wänden und Statuen, die überall herum stehen. Sehen manchmal aus wie im Panoptikum auf einem Rummelplatz.

Manche könnten auch direkt von Madame Tussauds geschaffen worden sein.

Viele Menschen sind in dem Raum. Hübsche und nett anzusehende Leute sind da, grüßen freundlich. Manche kommen mir bekannt vor. Manche Bilder sind klein, manche größer.

Alle haben aber schöne Rahmen. Mal goldfarben, mal silbrig glänzend. Andere haben so einen , sagen wir einmal, modernen Tatsch in Form und Farbe. Langsam gehe ich weiter.

Plötzlich stutze ich. Der Mensch auf dem Bild kommt mir bekannt vor. Dann geht auch schon das Bild auf und ein Mann steigt daraus herunter. Begrüßt mich mit Hallo. Frank denke ich noch, wie kommst du hier in diese Galerie. Und dann auch noch in deinen Arbeitsklamotten. Hättest dir ja für die Ausstellung hier einen schicken Anzug anziehen können.

Ging nicht sagte er. Als Arbeiter vom Bau und verantwortlicher Bauleiter mußte ich hier so erscheinen. Jetzt fiel mir auch auf, daß der Hintergrund des Bildes eine große Baustelle zeigte. Übrigens , sagte Frank zu mir. Du hast ja auch mal kurz für mich gearbeitet. Habe damals vergessen, dich zu bezahlen. Warte mal bitte einen Moment, ich komme gleich wieder. Ich hole dir nur schnell was dir zusteht. Du bekommst noch einen Hunderten von mir.

Laß mal gut sein, sagte ich zu ihm. Ist alles längs vergessen. Nein nein meinte er. Ich habe keine Ruhe im Bild , wenn ich meine Schulden nicht begleiche. Dann verschwand er im Bilderrahmen.

Mir war die Sache sehr seltsam bis unheimlich und ich ging deshalb weiter.

Wieso lebte er hier im Museum, wo er doch schon vor Jahren verschieden war. Ich vergaß die Sache aber doch. Ging weiter, weil da ein Hubschrauber im Raum kreiste, etwas kleiner als im Original und Rolf sah aus dem Fenster und rief mir zu, ich solle verschwinden. Er muß hier arbeiten und es wäre zu gefährlich für mich , hier herum zu stehen. Na gut sagte ich , mache ich.

Dafür werde ich von ein paar netten Frauen begrüßt mit den Worten, nanu du auch schon hier.? Damals war es ganz schön mit uns aber zu kurz. Jetzt haben wir keinen Spaß mehr an der Sache. Meine Güte waren das schöne Zeiten mit viel Liebelei und Schmuserei und natürlich Sex in allen Varianten. Entschuldigt bitte ihr hübschen Evi, Heidi, Ingrid, Erika, Doris, Christiane, Brigitta. Ich will weiter und entschuldigt bitte, das nicht mehr aus uns wurde.

Irgendwie fühlte ich mich nicht mehr so richtig wohl. Denn jetzt kam ich an einer Auto-Rep.werkstatt mit Tankstelle vorbei. Da standen zwei alte Bekannte vor der Tür. Begrüßten mich mit den Worten hallo altes Haus. Wieso bist du hier, wir haben noch gar keine Mail bekommen, daß du im Anmarsch bist. Oder ist dein Auto kaputt. Dann bring es her. Wir machen es wieder flott. Besser als es vorher war. Mit ein paar Besonderheiten , die da oben bei euch keiner hat, außer vielleicht J.B. 007.

Au verflucht sagte ich zu mir. Hier treffe ich meine Brüder. Das habe ich nicht erwartet. Tschau, ich will weiter, sage euch Bescheid wenn ich eintreffe.

Mir wurde ständig wärmer. Auch deshalb, weil mit einem Male eine Frau vor mir stand, die mir einmal alles bedeutete, mit der ich aber nur eine kurze Zeit zusammen sein konnte. Intriganten zerstörten dieses wunderschönen Vorhaben. Dazu die großen Entfernungen, die zwischen uns lagen. Und hier und jetzt verstand ich langsam die Umgebung in der ich mich befand. Du mußt jetzt gehen, bitte, du hast noch Zeit bis du hier her kommst. Aber dann komme ich zu dir, wenn du willst. Alles das tun, was man uns damals verhinderte. Gehe jetzt bitte. Es ist schon spät. Du mußt zurück. Beeile dich. Hörst du den Gong. ?

Gehe bitte schnell. Ich ging .Wollte rennen . Aber es ging nicht. Ich konnte meine Beine kaum bewegen. Außerdem war der Boden auf dem ich stand ganz glatt und schmierig. Als hätte jemand Fette oder Gelee oder Aspik darauf geschmiert.

Das Licht flackerte immer stärker. Die etwas hellere Wand, der Ausgang oder Übergang war nur noch undeutlich zu erkennen. Langsam kam ich ihm näher. Hörte immer wieder den Gong, der mitunter zitterte. Die Schmiere auf dem Boden wurde immer härter und auch höher. Reichte mir schon bis an die Brust.

Ich schwitze und keuche, rudere mit den Armen. Da endlich war der weiße Vorhang. Von allen Seiten kamen diese vielen Hände, die mich daran hindern wollten, zurück zu kehren in meine gewohnte Umgebung. Keine freundliche Hand mehr wie zum Anfang meines Besuches in diesem Kasten. Aber dann war es doch so weit. Ich schlug um mich , währte diese vielen sperrenden Hände ab. Kam zum großen Vorhang, der plötzlich Wasser versprühte. Wusch mich etwas. Ich hob so stark wie ich konnte meine Beine. Machte einen Riesensatz durch den Vorhang. Schrie einmal richtig laut. Knallte auf den Fußboden. Stieß mit dem Kopf an einen harten Gegenstand, daß ich fast das Bewusstsein verlor.

Dann knallte es richtig laut und um mich herum war Finsternis. Hörte mein Herz rasen und spürte dolle Schmerzen am Kopf und an Armen und Beinen. Dazu die Finsternis. Wollte aufstehen, es ging nicht. Jemand bearbeitete meine Hände mit Messern . Ich fühlte das Blut laufen. Roch es sogar.

Und mit einem Mal war Ruhe. Und ganz langsam wurde es heller. Nicht sehr grell, nur so etwas wie kleine LED Lämpchen an Licht so von sich gaben.

Das kam von der automatischen Notbeleuchtung Und dann sah ich die ganze Bescherung. Ich lag vor oder auch halb unter der Couch. Hatte wahrscheinlich so mit Armen und Beinen gearbeitet, daß ich herunter gefallen war. Ich war also vorm Fernseher eingeschlafen. Habe viel geträumt. Bin dann von der Couch gefallen .

Der Fernseher stand immer noch so da wie immer,. Neu und modern. Aber die neue Deckenlampe, die erst vor wenigen Tagen angebracht worden war, war kaputt. Die ganz moderne Glas und spezielle Plastekörperlampe war regelrecht explodiert. Die Splitter lagen auf dem Fußboden und haben meine Hände verletzt, als ich aufstehen wollte. Muß das Ding nun beim Hersteller reklamieren. Wieder eine zusätzliche Arbeit. Aber jetzt kehrte Ruhe bei mir ein. Ich konnte nun auch wieder lächeln. Wundern auch, was man so für einen Mist zusammen träumen kann.

 

Eine Sache kommt mir immer noch ziemlich spanisch vor. Auf dem Tisch vor der Couch lag ein funkel nagel neuer 100 DM Schein. Absolut unklar, wo der jetzt her kam. Wo wir doch zur Zeit mit und für Euro kaufen und handeln dürfen.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.12.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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