Helmut Wurm

Sokrates und der Corona-beschränkte Nikolaus

Auf die Frage, was er von den Corona-Beschränkungen zum Nikolaustag halte, antwortete Sokrates: Machen wir uns doch nichts vor. Der traditionelle christliche Nikolaus ist tot, zumindest weitgehend in die Ecke gedrängt. Der moderne Nikolaus ist ein Gehilfe der ungezügelten modernen globalen Marktwirtschaft geworden, der die Kinder darauf vorbereitet, dass die Adventszeit eine Zeit des modernen Kauf- und Schenken-Rausches, des zeitlichen Hotspots der modernen Konsum-, Schenk- und Kauforgie ist. Der moderne Nikolaus ist nicht mehr der sympathische pädagogische christliche Gehilfe, der durch kleine Aufmerksamkeiten die richtigen Verhaltensformen der Kinder fördern will, er ist ein unpädagogischer und unchristlicher Wirtschaftsknecht, der den Mentalitäten der Kinder schadet und besser vor den Türen bleiben sollte. Denn die süßlichen Märchenrahmen-Nikolaus-Klischees täuschen über das eiskalte Bilanz-Denken der Geschenke-Industrie und des Handels hinweg. Ein beschämender bunter Nikolausteller ist für viele Kinder heute eine Beleidigung: Meine Eltern haben mich nicht lieb, die haben mir nur einen Pappteller mit Süßigkeiten geschenkt!... Ein neues Fahrrad, ein neuer Laptop sollte es schon sein. Man muss natürlich die Steigerung der Geschenke zum nachfolgenden Weihnachten berücksichtigen…

Das geht dieses Jahr nicht mehr so ungezügelt. Hoffentlich erinnert man sich jetzt wieder mehr an familiäre Besinnlichkeit, an Bescheidenheit und an den traditionellen christlich-pädagogischen Nikolaus und seinen bunten Nikolausteller. Das hat jetzt wieder eine Chance.

(Discipulus Sokratis, der bei der Frage dabei stand)

 

 

 

 

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