Christa Katharina Dallinger

Die Geschichte vom kleinen Engerl

Es war einmal, irgendwo, da weit oben, ein kleines pausbäckiges Engerl mit lockigem blondem Haar und flauschigen weißen Flügerln. Immer dann, wenn der Weihnachtsabend nahte, schaute unser Engerl sehnsüchtig hinab auf die Erde.

Das bunte Treiben, der Duft nach frischem Punsch und Keksen, das fröhliche Stimmengewirr und die großen staunenden Kinderaugen, die mit den vielen Lichtern um die Wette strahlen, die hatten es dem kleinen Engerl angetan.

Unser Engerl wußte, daß nun der Tag nahte, an dem einige von den schon etwas Größeren unter ihnen wieder zur Erde hinabfliegen durften, um kleinen Kindern Wünsche zu erfüllen. Sie zogen dann elegante Glitzerkleider an und schmückten ihre Locken mit goldenen Fäden.

Ein hell klingendes Glöckchen kündete den Menschenkindern ihr Kommen an. „Das Christkind! Das Christkind kommt!“, tönte es dann bis zu unserem kleinen Engerl herauf.

Auch in diesem Jahr legte sich unser Engerl auf eine Wolke, um sich am weihnachtlichen Stimmen- und Melodiengewirr zu erfreuen. Doch, da war nichts. Soviel unser Engerl auch lauschte und schaute, da unten war es seltsam still. Keine Menschenansammlungen, kein lautes Singen, kein fröhliches Lachen.

Unser Engerl ließ seinen Blick über die Stadt da unten schweifen. Die Dämmerung senkte sich herab. Die ersten Christkindl machten sich auf den Weg. Die Lichter da unten in den Fenstern gingen an. Doch kaum Menschen auf den Straßen.

Sein Blick blieb an einer Parkbank hängen. Da saß einsam und alleine, in einen warmen Mantel eingehüllt eine Frau. Die Lichter eines Christbaumes beleuchteten etwas ihr Gesicht. Sie wirkte traurig, sehr traurig.

Doch dann schlich sich ein Lächeln auf ihre traurigen Züge. Unser Engerl sah sich um. Da, hinter dem Christbaum kamen eine junge Frau und ein kleines Mäderl hervor. Die Frau hielt das Kind an der Hand fest. „Nein, du darfst nicht zur Oma laufen, nur winken und Bussi schicken, so wie wir es geübt haben.“

Brav winkte die Kleine. Bussis flogen hin und her zwischen der Frau auf der Parkbank und dem Mäderl. Die drei Menschen wirkten auf eine ganz besondere Art sehr glücklich. „Frohe Weihnachten, Mama! Wir haben dir etwas von unserem Weihnachtstisch mitgebracht. Ich stelle das Körbchen hier ab.“

„Wie lieb von euch! Danke. Schaut, da vor dem großen Christbaum liegen zwei Packerl für euch. Die hat das Christkindl dort hingelegt.“ Sie lachte fröhlich, und zugleich liefen Tränen über ihr Gesicht.

„Danke, Mama. Ich ruf dich gleich an, wenn wir wieder zu Hause sind. Paß gut auf dich auf! Wir haben dich lieb.“ Auch über ihre Wangen liefen Tränen, während sie die Weihnachtspäckchen hochhob.

Unter lautem „Oma lieb! Oma Bussi!“ verschwanden die junge Frau und ihr Töchterchen im Dunkeln der Weihnachtsnacht.

Die Frau auf der Parkbank blieb noch einen Augenblick lang sitzen, fühlte der Nähe ihrer Liebsten nach. Dann erhob sie sich, holte das Geschenkskörbchen und machte sich auf den Weg zurück in ihre Wohnung, beseelt von diesem bescheidenen Moment des Beisammenseins.

Unser Engerl wischte sich ein Tränchen von seinen Pausbäckchen. Welch andere Weihnachten! Noch nie hatte es dort unten so innige Liebe, so tiefe Verbundenheit gespürt. Weihnachten, auch in diesem Jahr!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.12.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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