Rudolf Stock

Schöningen..350000 BC

Niemand  in der Familie hat in der Nacht schlafen können , Vater und Mutter suchen Trost durch Gespräche mit den anderen Mitgliedern. Es ist noch dunkel , wir warten das das Licht des Lebens zurückkommt um nach Dob zu suchen . Gestern Abend nach dem Lagerfeuer hat Vater bemerkt das Dob mit Speer und seinem dicken Mammut Fell fehlt. Alle Suche, alles Rufen und alles Weinen hat nicht geholfen . Eine Suche ohne Licht konnte nicht gemacht werden, wir wären leichte Beute geworden für Hyänen, Wölfe oder Saebelzahnkatze . Wir haben noch nie so ungeduldig auf die Rückkehr der Sonne gewartet .
Ich halte meinen Wolfi fest unter meinem Fell, ich bin so traurig wie noch nie und mein Wasser kam die ganze Nacht aus den Augen . Wolfi ist ein guter Freund, der die ganze Nacht bei mir blieb was er sonst nicht macht. Er ist ein wachsamer junger Wolf ,der auf jedes Geräusch und jeden neuen Geruch reagiert. Nicht so die letzte Nacht. Ich schaue hoch was Mutter und Vater machen , beide stehen neben dem Feuer am Höhlenausgang , schauen in die Dunkelheit und halten sich schweigend gegenseitig fest . Fuer einen Moment muss ich dann eingeschlafen sein, Vater weckt mich mit den Worten: das Licht kommt . Wolfi liegt am Ausgang und nagt an einem Knochen, ich greife einige Löwenzahn Blätter um meinen Hunger zu stillen. Jeder scheint mit irgendetwas fleißig zu sein als Vater ausruft das Ena mit den Kindern und Großmutter in der Höhle bleiben, mein Bruder bleibt als Schutz zurück. Das löst einen Streit aus denn Rune glaubt das Dob wegen dem großen Streit beim Fischfang weggelaufen ist. Aber Vater spricht das letzte Wort, mein Bruder bleibt als Wache zurück.

Meine Mutter und Tante Nunu gehen gemeinsam das Grasland zum See hinunter , ich renne hinterher um zu hören was gesagt wird. Und wenn es ums reden geht habe ich meine Erfahrung das Frauen mehr und in Kleinigkeit reden als Männer. Männer reden gern über die Jagd, Waffen und manchmal sagen sie Sachen die nicht so ganz wahr sind . Oft vergessen sie auch Sachen zu erzählen die eigentlich wichtig sind - so wie in diesem Fall finde ich jetzt heraus . Tante Nunu redet im Gehen mit Mutter und dann bleiben Beide stehen, Mutter hört mit offenem Mund zu . Dann dreht sich Mutter um, versucht Onkel Bo mit Ihren Augen zu finden was dann auch geschieht. Mutter rennt mit weiten Schritten im halbhohen Gras , ruft dann nach Onkel Bo. Bo dreht sich um und sein Gesicht verändert sich , er schaut auf den Boden und kratzt verlegen mit seinem Speer auf einem kleinen Erdhügel herum . Warum hast Du uns nicht über das Gespräch mit Dir und Dob am Feuer erzählt ? Dann landen Mutters Fäuste auf Onkel Bos Brust, wieder und wieder bis Vater dazwischentritt. Mutter schreit aus über das Gespräch der Beiden am Feuer vor zwei Nächten, das Dob eine Krise hat weil er fühlt er ist nicht gut genug für die Gruppe und das er unbedingt eine Frau finden muss. Vater lässt den Speer auf den Boden sinken, greift Bo an sein Oberfell und schüttelt ihn wütend. Fragt wieder und wieder warum warum warum…ohne Antwort zu kriegen. Bo ist schuldig und er weiß es. Dob hat sich an Ihn gewendet um einen Rat zu kriegen und anstatt ist Bo schlafen gegangen .
Ein Schrei stoppt den Streit, Onkel Max der weiter unten steht zeigt mit seinem Speer über die Steppe herunter zur krummen Erle . Einen kleinen Abstand vor der Erle sehen wir einen Wurfspeer aus der Erde ragen ,aber das Gras ist zu hoch um besser zu sehen. Die Gruppe organisiert und rennt nun so schnell wie es geht Richtung Holzspeer . Vater ist der Erste der ankommt , eine Hyäne liegt im hohen Gras getötet von Dobs Wurfspeer . Doch keine Spur von meinem Bruder . Vater ruft laut , wieder und wieder aber ohne Ergebnis. Wir gehen zur nahegelegenen krummen Erle die Vater immer benutzt um gute Aussicht auf Beute zu bekommen. Mit einem kleinen Sprung ist er auf dem Stamm und schreitet nun hoch, an den Ästen zieht er sich hinauf und endet ganz oben. Mutter will wissen was er sieht und wird von seinem Schweigen zermürbt , fragt wieder und wieder was er sehen kann.

Vater kommt plötzlich fast springend aus dem Baum herunter und seine Augen zeigen das er was wichtiges gesehen hat , nur seine Anspannung ist noch zu groß um Worte herauszukriegen bis es dann herausplatzt . Ich sehe jemanden auf der Sandbank liegen, es sieht aus wie Dob im Mammut Fell. Als wir nach einer Weile die Sandbank am Schöninger See erreichen ,fängt Dob an sich zu bewegen und dreht sich dann um. Als er uns erkennt wird er lebendig und hellwach ,erlöst und beschämt zugleich. Für mich und uns das wichtigste das er am Leben ist. Mutter schmeißt sich auf meinen Bruder , drückt und küsst Ihn bis er keine Luft mehr zum Atmen hat . Vater dreht sich herum und ich sehe das er etwas aus den Augen wischt mit seiner Hand.

Dob wurde von Hyänen angegriffen, er konnte ein Raubtier mit seinem Speer erledigen und die zweite Hyäne mit einem Wurfholz abwehren . Dann kam aber die dritte Hyäne und landete einen tiefen Biss in sein rechtes Bein das immer noch leicht durch die Kruste blutete . Dob erzählt das er auch sein Steinmesser verloren hat , das Messer stach er beim Angriff in den Oberschenkel der dritten Hyäne . Die ist mit dem Messer im Körper heulend davongelaufen . Als Dob fragte ob wir irgendwo eine Hyaene mit einem Messer laufen gesehen haben - verschwand die beklemmende Angst . Es klang doch irgendwie unwirklich wie hart der junge Jaeger gekämpft hat und doch ist er noch bei guter Laune. Ich bin so stolz auf meinen Bruder.

Vater , ich und Onkel Bo blieben zurück um Enten zu jagen….der Rest der Gruppe macht sich auf den Weg zurück zur Höhle. Mit Ihren Wurfhölzern trafen beide Jaeger mit fast jedem Wurf , eine Ente nach der anderen ging ins zweite Leben und bald hatten wir eine Hand voll Vögel für ein schönes Essen auf dem Feuer . Nachdem die Wurfhölzer wieder eingesammelt waren, machten wir uns auf den Rückweg . An der krummen Erle wollte Vater eine kleine Pause einlegen , nicht ganz üblich für Vater der sonst selten eine Pause macht. Nun war ich gespannt was wohl kommt, aber ich glaube es hat mit meinem Bruder zu tun. Vater und Onkel Bo redeten darüber wie froh Beide sind das Dob lebt und in guter Laune ist. Dann wird lange über das jagen geredet, wie man bestens das Wurfholz anfasst und abwirft , wie man beste Speere schnitzt die weit und genau fliegen , über alte Erinnerungen von Hyänen, Wölfe und Saebelzahntiger Kämpfe …mir wird einmal wieder so klar wie verschieden Männer und Frauen sind. Selbst mir ist klar das Vater den Onkel Bo etwas fragen will , aber er redet über alles mögliche nur nicht was er will. Meine Mutter und meine Tanten sind irgendwie- ja haben mehr Mut glaube ich . Reden nicht lange herum was sie wollen sondern fragen direkt. Der Tag geht langsam der Dunkelheit zu und ich frage Vater ob wir nicht zur höhl gehen wollen, ohne Licht ist nämlich die Natur zu gefährlich für uns. Endlich kommt Vater nun zur Sache und fragt Onkel Bo ob er mit Dob gehen kann um eine Frau zu suchen. Gern sagt Onkel Bo, steht auf und wir sind auf den Weg .
Beide stapfen mit großen Schritten durch das hohe Gras ,reden über den Shaman der vor einigen Monden bei uns ankam. Der Shaman hat uns von einer Gruppe mit vielen Frauen erzählt , eine Familie die am Ende vom riesigen Berg leben - den Berg den wir von unserer Höhle sehen können. Nach seinen Worten ist die Gruppe etwas grösser als unsere Familie , durch Krankheit , ein Jagd Unglück und ein Angriff von einem Höhlenlöwen tötete einige junge Männer.

Wenn das weiße Wasser vom Boden verschwindet verspricht Onkel Bo mit Dob dort hinzugehen wo vielleicht andere Menschen und Frauen sind.
Das Licht des Lebens färbt den Himmel wie Blut mit vielen anderen Farben begleitet . Wir sind fast an der Elm Böschung angelangt, nicht weit von der Höhle. Vater und Bo reden jetzt über die Enten die sie bald auf dem Feuer haben als wir in einem nahegelegenen Gestrüpp brechen von kleinem Holz hören , mehr und mehr. Dann ein tierischer Laut , Vater und Bo stehen plötzlich still und steif ,flüstern – Bären Jungen …und schauen sich mit weiten angsterfüllten Augen um. Kein Baum und kein Hain in der Nähe - Vater und Bo entscheiden das wir uns ins halbhohe Gras legen und absolut still bleiben. Vater dreht sich langsam um und flüstert mir zu- wo Bären Jungen sind , ist eine Bären Mutter . Und wenn das Tier uns ausriecht , wird sie uns angreifen ohne Zweifel. Kaum hat Vater seine Worte beendet als der riesige Höhlenbär uns entdeckt hat , geht jetzt direkt auf allen vieren auf uns zu. Vater und Bo stehen auf , versichern sich das das Steinmesser noch in der Sehne steckt und machen sich auf einen Kampf bereit den jeder Jaeger sein Leben lang versucht zu umgehen. Den brutalen Kampf gegen den riesigen Höhlenbär , hier der Kampf gegen eine Bärenmutter mit zwei Jungbären was sie noch aggressiver macht in Ihrem Versuch die Jungen zu beschützen. Dann schreit Vater mir zu – lauf zur Höhle so schnell wie Du kannst und dreh Dich nicht um. Ich renne und zittere am ganzen Körper , Wasser kommt mir aus den Augen vor Angst , meine Knie sind weich und ich höre jetzt das furchtbare Brüllen von einem Baer der meinen Vater angreift – ich sehe mich nicht um und renne um mein Leben.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.12.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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