Wolfgang Scholmanns

Wo wohnt denn das Christkind, Papa?

 

"Wo wohnt denn das Christkind, Papa?“
Mein Sohn war, wo es nun nur noch einige Tage bis zum Weihnachtsfest waren, damit beschäftigt herauszubekommen wo das Christkind wohnt.
”Irgendwo dort oben im Himmel. Bestimmt dort, wo er so rötlich gefärbt ist.”
“Aber Mama hat mir erzählt, dass dort, wo er so rötlich gefärbt ist, die Engel damit beschäftigt sind, Plätzchen zu backen und dass ein riesiger Backofen, der während der gesamten Vorweihnachtszeit in Betrieb ist, den Himmel so rot leuchten lässt.”
“Oder so,” lächelte ich. “Ich glaube aber, dass das Christkind sich auch dort aufhält. Es muss doch mit dem Weihnachtsmann zusammen die leckeren Plätzchen auf den großen Schlitten packen und das wird bestimmt ne Menge Arbeit sein. Bei den vielen Menschen, die es auf unserer Erde gibt, kommt da schon einiges zusammen.”
“Der kleine Mann überlegte einen Moment. „Das muss aber ein großer Schlitten sein. Hast du ihn schon einmal gesehen?”
“Ich glaube schon. Als ich so alt war wie du, habe ich in der Adventszeit so manchen Abend oben auf dem Dachboden verbracht. Mit Opas Fernglas suchte ich den Himmel ab, um den Schlitten mit den vorgespannten Rentieren und den vielen Geschenken zu entdecken. Eines Abends, der Himmel war so klar, dass man den Weg der Milchstraße ganz deutlich erkennen konnte, sah ich eine rötliche Wolke. Desto länger sich mein Blick auf diese Wolke konzentrierte, desto deutlicher erkannte ich die Konturen eines mächtig großen Schlittens. Riesige Paketberge stapelten sich auf seiner Ladefläche und die vorgespannten Rentiere waren mit Tannenzweigen geschmückt, auf deren Spitzen kleine Glöckchen bimmelten. Er schien ein ganz schönes Tempo drauf zu haben. Das war ja auch kein Wunder, denn am nächsten Tag war Nikolaustag. Der alte Mann musste sich sputen, um die Geschenke noch rechtzeitig bei den artigen Kindern abliefern zu können. Neben ihm saß eine dunkle Gestalt, der Knecht Ruprecht. Auf seinem Rücken baumelte die lange Rute. Du weißt ja, Kinder die nicht artig waren, bekommen von ihm einen Klaps auf den Po.”
“Ich war doch lieb, oder?” Er sah mich fragend aus seinen großen Augen an und ich antwortete: ”Dir hat der Nikolaus doch in der letzten Woche einen ganz tollen Fußball gebracht. Da wird er wohl mit dir zufrieden gewesen sein.” Er lachte, und hüpfte hin und her. “Ja stimmt, jetzt bin ich nur noch gespannt, was mir das Christkind bringt.”
An den folgenden Abenden sah ich ihn jetzt manchmal auf den Dachboden schleichen. Immer nahm er das Fernglas mit hoch.

 

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