Elke Müller

Amerika....

Heika wirft noch einmal einen Blick über Bunkersvill. Die kleine Ortschaft wurde damals auf billigen Baugrund errichtet, so waren Hotel, Saloon, der kleinen Store, dem Sheriff Office und den verstreuten Holzhäusern nicht gerade beachtlich.                                                                             Einige Sattelpferde standen unruhig mit gespitzten Ohren an Haltebalken, blickten in eine Richtung. Auch er schaut nun mit Interesse hinüber. Mit einen merkwürdigen, entrückter Schmerz im Blick, überflog er das Geschehen und sah genug. Nun wusste er was er gehört hatte. Eine Menge Bewegung ist dort zu sehen. Mitten in einem Halbkreis versuchen zwei Reiter gerade, einen erstklassigen Scheckenhengst mit edlen Bau und Kopfhaltung, ausdauernd und schnell wie der Wind, in die Klemme zu nehmen. Einer versucht, von seinem Pferd, auf den Rücken des Tieres zu wechseln. Doch keine zehn Sekunden vergehen, da fliegt er in hohen Bogen auf den Boden. Nur durch einen schnellen Sprung zur Seite, verfehlten die Vorderhufe des Mustangs, den Mann nur knapp. Dann steht er wieder still und äugt zu der Männergruppe, die ihn, mit dem Lasso in der Hand und fiebrigen Augen betrachten. Manche rufen wüste grimmige Wörter. Und dennoch ist es für viele eine besondere Herausforderung. Denn, nicht nur für die Indianer, ist der Mustang die Seele des Westens. Dann hört Haika wieder diese grimmige Stimme von vorhin. „ Dieses Pferd ist ein Teufel, ein Knochenbrecher und Mörder, welches sich nicht reiten lässt! Oder,… hat jemand in dieser Runde... noch Mut dazu?“ Heika schluckt hart, sein Herz rast und geht los. Es ist sein Pferd. Er war schon sein ganzes Leben lang auf Pferden geritten. Eine Menge Gedanken rasten durch sein Gehirn. Wieder hatte er ein bittere Erfahrung machen müssen. Der Schmerz war da, obwohl er sich im laufe der Jahre ändert, aber er ging nie weg. Für ihn war er immer da. Von klein auf, hatten die Älteren ihnen gelehrt, allen Unannehmlichkeiten und Widrigkeiten, die ihnen begegneten, zu trotzen, wie schwierig oder anstrengend es auch sein mochte. Als ein Krieger, durfte man sein Ansehen und Ehre nicht verlieren, weder geistig noch körperlich dem Schmerz nachgeben. So lies er es sich nicht anmerken. Jeder wusste, dass man ihn jetzt nicht aufhalten konnte.

Erschrocken bricht der Sprecher ab, erstarrt als er den Indianer sieht. Einen Moment lang lag Spannung in der Luft. Dann schnappte der Sprecher ein paar mal nach Luft, bekam sich aber unter Kontrolle. Warf schnell, noch einen abwägenden Blick zum Hengst und stand, breitbeinig und ungepflegt mit lauernden Blick da. Denn, Honk Murray, so lautet dessen Name, war bekannt für sein aufbrausendes Temperament. „ Was willst du Rothaut! Hau ab! Sonst zieh ich dir die Haut ab, salze dich ein und werfe dich den Fischen zum Fraß vor!“ In seiner Stimme lag dabei blanker Hohn und eine eiskalte Herausforderung. Die Augen von Heika hefteten sich auf den Mann und hielten ihn fest. Dieser wich den Blick aus. Furcht kroch ihn bis in seine Knochen. Man konnte nicht erahnen was der Lakota jetzt dachte. Das Gesicht von Honk Murray verzerrte sich plötzlich vor Wut. Es gab bei den Umstehenden verschiedene Meinungen, einige wichen zurück. „ Vorsicht, er hat einen Revolver!“ schrie jemand. In diesen Moment feuerte Murray ab. Ohne sich umzudrehen, sprang Heika rückwärts, drehte sich in der Luft und landete mit beiden Füßen sicher auf den Boden. Das aufbrüllen eines anderen Schusses, ging haarscharf an den Kopf von Honk Murray vorbei. „ Nicht doch, Mister! Lass fallen! Weg mit dem Colt!“ knurrte nun eine andere Stimme. Redmon sprang aus den Sattel, seines Rotfuchses. Es ist nicht seine Art, tatenlos zu zusehen, was seinem Freund angetan wurde. „ Wir wollten nur Heim, dies, wenn möglich in Frieden.“ Dann schlug er kurz aber kräftig zu. Honk Murray wurde herum geschleudert und fliegt hinten über. Er hat es nicht anders verdient.“ Einige raue Burschen johlen laut und schwingen ihre Hüte. Andere weichen langsam zurück. Heika wandte sich ab, um nachzusehen, was für Verletzungen sein Pferd erlitten hatte. Ein schrilles Pfeifen von ihm und der Mustang wirft sich erneut herum und feuert noch einmal kräftig nach hinten aus, bevor er auf ihn zu rast. Heika schwingt sich auf und sieht nur ein Wirrwar vor sich, ruft von seinem Schecken etwas zu Redmon hinüber. Als Antwort bekommt er eine Kugel. Ein heißglühender Schmerz raste durch ihn. Sein Pferd war ein außerordentlicher flinker Hengst, darauf dressiert so schnell auf den leisesten Druck seiner Ferse zu reagieren und lief sofort im gestreckten Galopp davon. Und er treibt seinen Hengst an. Es ging ihm vordergründig um Flucht, ums Überleben, um diesen Wahnsinn zu entkommen. Redmon folgte augenblicklich. Es war still geworden. Wolken zogen auf, Blitze zuckten über den Berggipfeln. Sie ritten in ein Gewirr von Hügeln, Senken, kleinen verwinkelten Canyons hinein.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.12.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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