Irene Rabenbauer

CORONA positiv – plötzlich gerät dein Leben ins Wanken - TEIL 1

CORONA positiv – und plötzlich gerät Dein Leben ins Wanken

Teil 1 - Die Infektion

Das Jahr 2020 begann, wie das Alte endete. Mein Leben verlief in geregelten Bahnen. Die Kinder stehen bereits auf eigenen Füßen und leben mit Freundin bzw. Ehemann und Kindern außerhalb ihres Geburtsortes.

Mein Mann genießt sein wohlverdientes Rentnerdasein, ich gehe noch einem Vollzeitjob nach, der mir sehr viel Spaß macht. Unsere beiden Hunde waren zu „Ersatzkindern“ geworden. Alles verlief harmonisch.

Selbstverständlich verfolgte ich die täglichen Nachrichten und war über den Ausbruch des Corona-Virus informiert. Beängstigend war die Tatsache über die schnelle Ausbreitung des Virus über den kompletten Erdball. Auch Deutschland blieb nicht verschont.

In Bayern verbreitete sich das Coronavirus rasant. Der Verlauf der Erkrankung ist bei jedem Infizierten individuell. Manche zeigen trotz Infektion mit dem Virus keine Beschwerden, manche zeigen nur leichte bis mäßige Beschwerden. Bei anderen hingegen verläuft die Erkrankung so schwer, dass sie intensivmedizinisch betreut werden müssen. Viele Menschen sterben mittelbar oder unmittelbar an Covid-19.

Trotz der angespannten Lage sah ich für meine Familie und mich bis Mitte März absolut keine ernsthafte Bedrohung durch das Virus. Mein Mann und ich hielten uns von Anfang an an die empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen und hielten die Hygienevorschriften ein. AHA wurde im Laufe der Zeit zum Schlagwort: ABSTAND wahren, auf HYGIENE achten und – da wo es eng wird – eine ALLTAGSMASKE tragen. Außerdem sind wir nicht sehr gesellig. Wir genießen unsere Zweisamkeit, fühlen uns in unseren eigenen vier Wänden und dem Garten am wohlsten und verbringen viel Zeit mit unseren Hunden. Kontakte zu Personen außerhalb des Familienkreises beschränken sich auf meinen Arbeitsplatz, den Einkauf und zwei Handvoll sehr gute Freunde.

Am Mittwoch, den 18.03.2020 erhielt ich in der Arbeit einen Anruf von einer Person, mit der wir am Wochenende zuvor Kontakt hatten. Die Person teilte mir mit, dass sie positiv getestet wurde.

Sofort informierte ich meinen Arbeitgeber, telefonierte mit unserem Hausarzt und vereinbarte mit ihm, dass ich auf direktem Weg zum Abstrich vorbeikomme. Ich verließ umgehend meinen Arbeitsplatz und fuhr zum Arzt. Spätestens in zwei Tagen sollte ich das Ergebnis erhalten.

Zwischenzeitlich erhielt ich von der infizierten Person die Mitteilung, dass sie uns im Namen des Gesundheitsamtes informieren soll, dass alle Personen, zu denen sie innerhalb der letzten fünf Tage Kontakt hatte, in zweiwöchige Quarantäne müssen. Mein Mann und ich erhielten nie persönlich eine Mitteilung vom Gesundheitsamt bzgl. Quarantänebeginn oder -ende. Die Ämter waren mit der Situation heillos überfordert.

Am Freitag, den 20. März 2020, erhielt ich von der Arztpraxis einen Anruf: mein Test war negativ. Umgehend informierte ich meinen Arbeitgeber.

Unterdessen spürte ich erste leichte Erkältungssymptome. Bereits in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hatte ich leichte Hals- und Kopfschmerzen und konnte schlecht schlafen.

Am Donnerstag, 19.03.2020, tagsüber, war wieder alles gut. Auch die Nacht von Donnerstag auf Freitag verlief einigermaßen normal.

Im Laufe des Freitags (20.03.2020) traten dann immer stärkere Symptome auf. Husten, Naselaufen am Morgen, verstopfe Nase am Abend, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit. Am Abend hatte ich das erste Mal das Gefühl, fiebrig zu sein.

Ab Samstag, 21.03.2020, hatte mich das Virus dann endgültig im Griff. Appetitlosigkeit, Geschmacksverlust, Erbrechen, Durchfall, Fieber bis 39,8°C und Kopfschmerzen. Ich fühlte mich wie gerädert, ich war kraftlos und kam kaum noch hoch. Selbst der Gang zur Toilette fiel mir zunehmend schwerer.

Ich war unsagbar müde, doch an Schlaf war nicht zu denken. Kopfschmerzen blockierten alles. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ibuprofen und Paracetamol, Schmerzmittel die man präventiv zu Hause hat für alle Fälle, schlugen nicht an. Der Kopfschmerz blieb. Unaufhörlich und immer stärker werdend.

Am Montag, 23.03.2020, nach einer schlaflosen Nacht mit hämmernden, pochenden Kopfschmerzen, kontaktierte ich meinen Hausarzt. Ich brauchte ein Schmerzmittel gegen die wahnsinnigen Kopfschmerzen. Bis ich am Montagmorgen körperlich in der Lage war, meinen Arzt anzurufen, war es bereits nach 10 Uhr. Er empfahl mir, nochmals einen Abstrich nehmen zu lassen. Wir vereinbarten, dass ich am Dienstag vorbeikommen soll, denn heute war die tägliche Sendung ans Labor schon weg. Gegen die Kopfschmerzen stellte er mir ein Rezept aus. Die Arzthelferin faxte das Rezept an unsere ortsansässige Apotheke, die das Medikament zu uns nach Hause lieferte. Ich war unendlich dankbar für diesen Service. Mein Mann durfte ja das Haus nicht verlassen, da wir uns beide in Quarantäne befanden.

Während des Tages verschlimmerten sich die Symptome, neue kamen dazu. Schwindel, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Fieber, Kurzatmigkeit, trockener Husten. Die Kopfschmerzen waren immer präsent und kaum auszuhalten. Jede Bewegung war schmerzhaft, ich konnte kaum noch meine Arme heben, beim Laufen konnte ich kaum noch einen Fuß vor den anderen setzen.

Die Nacht kam. Eine unendlich lange Nacht ohne Schlaf. Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen. Ich kann nicht sagen, welcher Schmerz der schlimmere war.

Am Dienstagmorgen (24.03.2020) war ich froh, dass die Nacht endlich zu Ende war. Doch verbessert hatte sich mein Zustand nicht. Der Geruch von meinem heißgeliebten Kaffee, ohne den ich üblicherweise nie in den Tag starte, löste Ekel in mir aus. Pfefferminztee roch und schmeckte ich nicht. Das einzige Getränk, das ich zu mir nahm, war schluckweise Wasser, gemischt mit Orangensaft.

Duschen wurde zur Herausforderung. Schon allein der Weg bis zum Bad war kräftezehrend und verlangte mir Höchstleistung ab. Haarewaschen war schmerzvoll, ich konnte kaum die Arme heben, musste immer wieder absetzen. Zum Föhnen musste ich mich schon setzen. Anziehen war nur mit Unterbrechungen möglich, um zwischendrin Kraft zu tanken.

Ich war mir zu diesem Zeitpunkt ziemlich sicher, dass ich mich mit dem Corona-Virus infiziert hatte. Gewissheit sollte der zweite Abstrich bringen. Mein Mann fuhr mich zum Arzt. Ohne Umschweife. Mein Mann blieb selbstverständlich im Auto sitzen. Das Ergebnis sollte spätestens in zwei Tagen da sein.

Auch im Laufe des Dienstags stellte sich keine Verbesserung ein. Ich lag flach, konnte nichts essen, kaum trinken, Fieber, Kopf-, Gelenk- und Gliederschmerzen. Ich war unfähig, zu denken. Die pochenden Kopfschmerzen blockierten alles. Ich war so müde, wollte nur noch schlafen. Vor Erschöpfung verfiel ich immer wieder in einen Minutenschlaf.

Die Nacht kam und brachte ein neues Symptom hervor. Irgendwann war ich wieder eingenickt. Plötzlich wurde ich jäh aus dem Minutenschlaf gerissen. Mein Mund und mein Rachen waren vollkommen ausgetrocknet, meine Zunge klebte am Gaumen und war unbeweglich, ich konnte nicht mehr schlucken und bekam Angst. Jetzt musst du ersticken! Das war der einzige Gedanke, der mir auf Grund der widerlichen Situation durch den Kopf schoss. Ich wollte mich aufrichten, es gelang mir jedoch nicht. Ich japste nach Luft. Ich hatte das erste Mal in meinem Leben Todesangst. Ich weiß nicht, wie lange es dauerte, bis ich endlich meine Zunge löste und ich wieder schlucken konnte. Ich musste weinen. Das erste Mal seit langer Zeit. Ich bin hart im Nehmen und in der Regel nicht wehleidig. Aber diese Krankheit machte mir Angst und brachte mich an meine Grenzen.

Am Mittwochmorgen (25.03.2020) fühlte ich mich wie jeden Morgen in den letzten Tagen: erschlagen, gerädert, kraftlos, mutlos. Nichts hatte sich gebessert, die Symptome waren zu jeder Sekunde gegenwärtig. Am schlimmsten aber waren die Kopfschmerzen, diese wahnsinnigen, permanenten, pochenden Kopfschmerzen. Es kam mir vor, als säße jemand in meinem Kopf, der ohne Unterlass mit einem Hammer gegen meine Schädeldecke schlug. Manchmal wurde mir schwarz vor Augen vor Schmerz, Übelkeit machte sich breit und mir wurde schwindlig. Egal, ob ich die Augen offen hatte oder sie schloss, die Schmerzen waren da. Im Liegen, im Sitzen, im Gehen – immer. Die Tabletten, die mir mein Arzt verschrieben hatte, nahmen mir die Schmerzen auch nicht. Sie linderten die Kopfschmerzen für maximal 2 Stunden.

Im Laufe des Mittwochs erreichte uns ein Anruf meines Hausarztes. Mein Mann nahm das Gespräch entgegen, ich war zu kraftlos. Der Arzt teilte meinem Mann mit, dass mein Abstrich nicht ausgewertet werden konnte, da das Labor nicht genügend Kapazitäten hat. Ich nahm die Aussage so hin, denn ich war gar nicht in der Lage, darüber nachzudenken, was das nun bedeuten sollte.

Die Tage zogen sich dahin, ohne dass auch nur ansatzweise eine Linderung der Symptome zu erkennen war. Nacht und Tag waren fast gleich. Nachts kam hinzu, dass ich mittlerweile mehrmals in einer Nacht hochschreckte und nicht mehr schlucken konnte, weil Mund und Rachen vollkommen ausgetrocknet waren und ich meine Zunge nicht mehr bewegen konnte. Ich schlief seit meiner Erkrankung im Wohnzimmer, damit mein Mann wenigstens zur Ruhe kommen konnte. Die Türen blieben auf meinen Wunsch hin offen. Zu groß war die Angst, dass mich mein Mann nicht hört, falls ich Hilfe brauchte. Mein Mann blieb übrigens unerklärlicherweise vom Corona-Virus verschont.

In der zweiten Woche meiner Erkrankung (30.03.2020 bis 05.04.2020) gab es zumindest an einem Morgen einen kurzen Hoffnungsschimmer auf Besserung. Ich hatte keine Kopfschmerzen!! Doch der Schein trog mich, Corona ließ mich nicht los. Als ich aufstand um zur Toilette zu gehen, sackte ich nach wenigen Metern zusammen, denn ich hatte wahnsinnige Nierenschmerzen. Es war mir nicht mehr möglich, aufrecht zu stehen.

Es verging ein Tag um den anderen und es gab keine Besserung. Ich hatte zum ersten Mal Gedanken an den Tod: ich wollte einfach nur einschlafen und nicht mehr aufwachen. Dann wären die wahnsinnigen Kopfschmerzen endlich Geschichte. Denn so war das Leben kein Leben mehr. Ich war am Ende meiner Kräfte. Noch nie in meinem 58-jährigen Leben hatte mich ein Virus so in die Knie gezwungen. Das Corona-Virus hatte meinen Körper fest im Griff.

Die Genesung setzte erst nach über zwei Wochen meiner Erkrankung ein.

Zunächst verspürte ich wieder etwas mehr Appetit. Die Kopfschmerzen hielten nach wie vor an, jedoch in abgeschwächter Form. Ich brauchte nicht mehr so viel Schmerzmittel, um den Kopfschmerz ertragen zu können.

Ich saß viel auf der Terrasse und genoss die Frühjahrssonne. Auch kleine „Spaziergänge“ durch den Garten waren wieder möglich.

In kleinen Schritten kam ich zurück ins Leben. Jeden Tag ein bisschen mehr. Am Karfreitag, 10.04.2020, gute drei Wochen nach Ausbruch meiner Erkrankung konnte ich der Wohnung etwas österlichen Flair verleihen. Es war mir mittlerweile möglich, mich eine geraume Zeit auf den Beinen zu halten. Zwischendurch brauchte ich zwar kurze Verschnaufpausen, aber es ging aufwärts. Nach drei bis vier Stunden allerdings war ich so erschöpft, dass ich mich niederlegen musste.

Eine Woche später konnte ich wieder leichte Hausarbeiten verrichten und kleine Gerichte kochen. Ich telefonierte mit meinem Arzt. Wir vereinbarten für Dienstag, 21.04.2020 einen Termin für einen erneuten Abstrich. Bereits am Mittwoch, 22.04.2020 lag der negative Befund vor. Am 27.04.2020 begann ich wieder zu arbeiten. Ich war endlich zurück im Leben und glaubte, Corona überstanden zu haben. Doch weit gefehlt…

Was mich in der Folgezeit erwartete, vermochte ich mir im April noch nicht vorzustellen. Mehr dazu im 2. Teil „Corona – mein Leben nach der Genesung“

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.12.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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