Bettina Forst

Cocoloco und die Silvesterfeier

Cocoloco, der Papagei und die kleine Blaumeise saßen gemütlich zusammen. Im Sommer, wenn es warm war, wohnte Cocoloco im Apfelbaum, aber jetzt, ..brrr…war es viel zu kalt. Jetzt war Cocoloco froh, dass er drinnen im Haus über dem Kamin überwintern konnte. Nur der kleinen Blaumeise machten Kälte, Regen und Schnee nichts aus. Sie lebte das ganze Jahr über vergnügt in ihrem kleinen Häuschen in der Tanne Nummer 7 und heute hatte die kleine Blaumeise Cocoloco zum Tee eingeladen.

 

Die beiden saßen gemütlich zusammen. Die Blaumeise knabberte an den Plätzchen, die noch von Weihnachten übrig geblieben waren und Cocoloco knackte zufrieden eine Nuss nach der anderen. „Schau mal“, sagte er und warf die Nüsse in hohem Bogen in die Luft, fing sie geschickt wieder auf und jonglierte mit den vielen Haselnüssen wie ein Artist im Zirkus. Schließlich ließ er eine Nuss nach der anderen in seinen Schnabel fallen. Die Blaumeise klatschte begeistert Beifall und amüsierte sich über seine Kunststückchen. Dann fragte er: „Also einverstanden? Alles so wie letztes Jahr?“ Die kleine Blaumeise nickte: „Ja, klar. Wir machen alles so wie letztes Jahr!“ Cocoloco wollte gerade sagen, sehr gut, dann machen wir es so wie jedes Jahr, aber da lugte die kluge Eule durchs Fenster.

 

Sie schüttelte energisch mit dem Kopf: „Nein, nein, nichts wird dieses Jahr so wie letztes Jahr.“ Cocoloco und die kleine Blaumeise verstanden nicht, was die kluge Eule damit sagen wollte. „Warum nicht?“ krähte der Papagei. „Ja“, fragte auch die Blaumeise verständnislos, „ warum können wir dieses Jahr Silvester nicht so feiern wie immer?“ „Weil es in diesem Jahr keine Silvesterknallerei geben darf. Silvesterfeuerwerk ist verboten“, erklärte die Eule. „Verboten?“ wunderte sich Cocoloco, „warum denn das? Das Knallen macht doch so viel Spaß!“ „Und die schönen bunten Feuerblumen am Himmel! Das sieht doch immer so wunderschön aus“, jammerte die kleine Blaumeise enttäuscht. „Tja“, sagte die Eule, “das stimmt. Es sieht wirklich wunderbar aus, aber der viele Qualm und der dicke Rauch machen die Erde krank“, und die Eule fing an zu hüsteln. Sie erklärte weiter: „Und außerdem haben die Tiere im Wald schreckliche Angst vor der Knallerei, und ihr erinnert euch bestimmt auch daran, dass Timmy, der kleine Hund von nebenan, jedes Mal anfängt zu winseln, wenn die Böller loskrachen, und sich am liebsten in ein Mäuseloch verkriechen möchte.“ Ja, das stimmte. Die Blaumeise nickte und piepste leise: „Ja, dann feiern wir Silvester dieses Jahr mal anders.“ Und auch Cocoloco musste zugeben, dass der Höllenlärm den armen Hund immer in Panik versetzte. „Naja, na gut“, brummte Cocoloco, warf missmutig eine große Kokosnuss in die Luft und ließ sie krachend zu Boden fallen, „wir feiern Silvester, aber eben ohne Böller.“ Alle waren einverstanden. Aber es fragte sich nur, wie sollten sie nun Silvester feiern?

 

Sie grübelten und dachten nach und überlegten. Aber endlich hatte Cocoloco eine Idee! „Ich weiß etwas“, rief er. „Ich trommele um Mitternacht ganz laut auf meiner Trommel.“ „Aber du hast doch gar keine Trommel“, entgegnete die Blaumeise vorsichtig. „Ich hole alle Töpfe, Deckel und Löffel aus der Küche, alles, was schön klappert und laut scheppert.“ Cocoloco war richtig aufgeregt vor Vorfreude und flatterte los, um sich eine riesengroße Silvestertrommelei zu bauen.

 

Die kluge Eule wollte um Mitternacht auf ihrem Klavier einmal so richtig in die Tasten greifen. Ja, genau. Sie würde das Lied an die Freude spielen und alle sollten laut mitsingen. „Wir machen Musik, bis der Boden wackelt“, freute sich schon die Eule. Die kleine Blaumeise gestand schüchtern, dass sie so gerne einmal einen Silvesterwalzer tanzen möchte und sie begann - eins zwei drei, eins zwei drei - und schon drehte sich die Blaumeise in ihrem blauen Kleidchen wie eine Primaballerina. Dazu würde sie rundherum Wunderkerzen im Schnee anzünden. Das würde traumhaft schön!

 

Silvester Punkt zwölf um Mitternacht bei Glockengeläut und Trommelschlag wirbelte das alte Jahr noch einmal im Kreise herum und verschwand im fernen Es-war-einmal-Land. Und auf einmal ganz sachte kam, wie ein Kätzchen noch winzig und klein, das neue Jahr zur Tür herein.

Bettina Forst, bettinaforst@web.de

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.12.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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