Heinz-Walter Hoetter

Adam und Eva

Adam wachte zuerst aus seinem künstlichen Tiefschlaf auf. Nachdem er einige Minuten brauchte, um sich zu orientieren, ließ er per Knopfdruck die Schlafkapsel so weit nach oben fahren, dass er sie bequem ohne Schwierigkeiten verlassen konnte. Dann ging er hinüber zu einer zweiten Tiefschlafeinheit, die sich im gleichen Raum befand und überprüfte sie ebenfalls, ob alles in Ordnung war.


 

Die Gesundheitsdaten des Computers meldeten keinerlei Störungen. Auch Eva ging es gut. Adam machte trotzdem zur Sicherheit, wie es das Protokoll vorschrieb, einen Check aller Systeme. Nachdem alle Daten im grünen Bereich lagen, ging er unter die Dusche, reinigte sich von Kopf bis Fuß und zog sich nach dem Trocknungsprozess seine eng anliegende Uniform an.


 

Das kugelförmige Raumschiff "Genesis" raste mit unvorstellbarer Geschwindigkeit lautlos durch die unendlichen Weiten des Universums. Auch wenn der Bordcomputer kleinere Beschädigungen an der Außenhülle des Raumschiffes meldete, so hatte es bisher die lange Reise dennoch ohne nennenswerte Beschädigungen überstanden, was angesichts der unvorstellbaren Entfernung, die es bereits zurück gelegt hatte, schon fast ein kleines Wunder war.


 

Adam machte es sich im Sessel des Kommandanten bequem, bevor er die aktuelle Position überprüfte. Zu seiner großen Zufriedenheit hat der Autopilot des Kugelraumers tatsächlich die letzten 300 Lichtjahre lange Reise durchs All den vorgeschriebenen Kurs gehalten und sein Ziel punktgenau erreicht.


 

Adam suchte auf dem großen Bildschirm nach einem bestimmten Planeten, bis er ihn schließlich lokalisieren konnte.


 

Und da war er tatsächlich!


 

Die nachfolgende Auswertung der ersten Planetenanalyse zeigte, dass der vor ihm liegende Planet zwar etwas kleiner als sein Heimatplanet war, dennoch in vieler Hinsicht ihm sehr ähnlich schien. Es gab leuchtend blaue Ozeane, kleine und große Berge, riesige grüne Zonen, weite Wüsten und sogar Eisflächen an den Polarregionen.

Zudem zeigten die Abtastungen der Planetenoberfläche, bis auf das Vorhandensein von Tieren und Pflanzen, keine intelligente Lebensformen an. Es schien, als hätten die Astronomen seines Heimatplaneten recht gehabt, dass dieser neu entdeckte Planet als ein geeigneter Zufluchtsort für ihre Rasse dienen konnte.


 

Adam ging zurück in den Tiefschlafraum und weckte Eva auf. Nach etwa einer Stunde stand sie angekleidet neben ihm und hatte vorsorglich auch ihren Schutzhelm mitgebracht.


 

"Das Shuttle ist bereit, Eva. Wir können für eine genauere Analyse runter auf die Planetenoberfläche fliegen. Einen Ort gibt es auch schon, den wir anfliegen werden. Die KI übernimmt die Kontrolle des Raumschiffes und sorgt vom Orbit aus für unsere Sicherheit."


 

Eva nickte mit dem Kopf und begab sich zusammen mit Adam runter in den weiten Hangar, wo eines der Raum tüchtigen Shuttle stand.


 

Der Flug bis auf die Planetenoberfläche dauerte nicht lange. Sie landeten genau an der voraus berechneten Stelle. Nachdem die Außensensoren grünes Licht für das Verlassen des Shuttles gegeben hatte, verließen Adam und Eva in ihren Raumanzügen das Miniraumschiff und traten durch die Schleuse hinaus ins Freie. Die Luft war gut und sauerstoffreich. Deshalb nahmen beide ihre Helme ab und genossen die frische Luft der sauberen Atmosphäre. Dann marschierten sie los und beobachteten ihre Umgebung genau. Adam entsicherte vorsorglich sein schweres Strahlengewehr, um keine Überraschungen zu erleben, die ihr beider Leben gefährden könnte.


 

Plötzlich entdeckte Eva seltsam aussehende Strukturen, die sich direkt vor ihr hinter einer dichten Vegetation versteckten. Über den internen Funk machte sie Adam darauf aufmerksam. Adam reagiert sofort und schritt auf die Strukturen zu. Nachdem er genauer hinsah, traute er seinen Augen nicht. Es waren ganz klar die Überreste künstlicher Bauwerke. Es gab Fenster und Türen, was darauf schließen ließ, dass es hier einst intelligentes Leben gegeben haben muss. Je weiter sie vordrangen, desto größer und höher wurden die Bauwerke, die jetzt allerdings nur noch aus Ruinen bestanden. Überall lagen kreuz und quer seltsam aussehende Fahrzeuge ohne Räder herum. Die Straßen waren überwuchert von riesigen Pflanzen, die weit in den Himmel hinein ragten.


 

Dann erblickte Adam den Eingang einer gewaltigen Halle und ging mit Eva direkt darauf zu. Bevor sie das düster vor ihnen liegende Gebäude erreichten, schalteten sie mit zitternden Händen ihre Scheinwerfer am Helm ein. Eva blieb dicht hinter ihrem Kommandanten und beide tauchten hinein in das Dunkel eines Raumes, der voller seltsamer Geräte stand, die Adam an vieler Hinsicht an Computer erinnerten, die sie in ähnlicher Form und Bauweise von ihrem Heimatplaneten her kannten.


 

In einem Nebenraum gab es noch weitere davon, die sich allerdings hinter Panzerglas befanden und offenbar noch völlig unversehrt waren.


 

Adam schoss mit seinem Lasergewehr auf die Glaswand, die durch die enorme Hitze des Laserstrahls sofort zerplatze. Aus mehreren Computern entnahm er einige Datenträger und verstaute sie in einer mitgebrachten Vakuumtasche. Er wollte sie später in seinem Labor auslesen lassen.


 

Adam und Eva durchstreiften noch den ganzen langen Nachmittag die zerstörten Straßen und ihre angrenzenden Ruinen, deren gewaltige Größe man hier und da noch erahnen konnte, bevor sie mit dem Shuttle zum Mutterschiff zurück flogen.


 

Dort angekommen übergab Adam einem der Wissenschaftsandroiden die mitgebrachten Datenträger und befahl ihm, einen ausführlichen Report an die Kommandozentrale zu übermitteln.


 

Der Report kam etwa zwei Stunden später rein. Adam und Eva hörten sich den Bericht gemeinsam an, der von der künstlichen Stimme der KI vorgelesen wurde.


Es lebte vor langer Zeit einmal auf diesem Planeten eine sehr weit entwickelte Hochkultur. Doch sie führten schreckliche Kriege untereinander und vernichteten sich erbarmungslos gegenseitig. Außerdem betrieben sie im großen Maße Raubbau an der Natur ihres Planeten, den diese Kreatur als ERDE bezeichnete, wie wir heraus bekommen haben. Obwohl sie die Technologie besaßen um zu den Sternen zu reisen, verhinderte ihr absurdes Verhalten jeden sinnigen und notwendigen Fortschritt. Doch irgendwann war es zu spät. Als sie merkten, dass sie das Klima irreparabel geschädigt hatten und dringend etwas Radikales getan werden musste, lief ihnen die Zeit davon, um endlich wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Verzweifelt versuchten sie noch, ihre Zivilisationen mit allen nur möglichen Mitteln zu retten, aber ihr Untergang war nicht mehr aufzuhalten. Nach und nach starben ganze Völker aus, bis alle ausgerottet waren.

Diese Kreatur nannte sich übrigens "Mensch" oder auch "Homo sapiens sapiens". Diese Angaben fanden wir auf einem der unbeschädigten Datenträger über ihre Geschichte, die leider kein gutes Ende für sie genommen hat. Sie sollte auch für uns eine Mahnung sein.

Im Anschluss an diesen Report schlage ich vor, wir übersenden diesen an den Obersten Rat, um mit der Besiedelung dieses Planeten beginnen zu können. Ihr seid die ersten Ankömmlinge, Adam und Eva. Man wird sich immer an euch erinnern, solange unsere Rasse existieren wird. Die Arbeitsandroiden sind angewiesen worden, mit dem Aufbau der ersten Station zu beginnen, die nicht unweit der von euch entdeckten Ruinenstadt eingerichtet wird, damit ihr eine lebensfreundliche Umgebung habt. Für unsere Rasse ein historisches Datum der Besiedelung eines neuen Planeten.

Viel Glück ihr beiden!

Ende


 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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